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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 20.07.2010

Recht vertraulich: „Währungswunder“

Recht vertraulich: „Währungswunder“

Ein schwacher Euro oder ein schwacher Dollar oder ein starker Franken führen zwangsläufig dazu, dass „Experten-Tipps“ zu guten wie schlechten, angeblich unterbewerteten bzw. überbewerteten Währungen wieder einmal Hochkonjunktur haben. Das Erstaunliche dabei ist, dass gerade in Sachen Währungen (wir behaupten einmal: wider besseres Wissen!) die Einschätzung von Währungskursen immer wieder als hart erarbeitetes Experten-Wissen verkauft wird, was nach finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen wohl besser als Kaffeesatz-Leserei einzustufen wäre. Zunächst ein Blick zurück:

Originalwerbung DWS im Oktober 2006: „Wie steht´s eigentlich bei Indonesien gegen Ägypten? Wissen Sie, wie der aktuelle Wechselkurs zwischen der indonesischen Rupiah und dem Ägyptischen Pfund steht und welche makro- und mikroökonomischen Einflussfaktoren zum gegenwärtigen Kursverhältnis geführt haben? Oder wie Bewertungsschwankungen zwischen dem Amerikanischen Dollar und der Norwegischen Krone durch Kombination von Kauf- („long“) und Verkaufs- („short“) Strategien gewinnbringend genutzt werden können? Wer über dieses Wissen verfügt, hat beste Chancen, zu den Siegern zu gehören“ - so bewarb die Deutsche-Bank-Tochter DWS (natürlich hätte es auch jede andere Bank sein können) ihr angebliches Experten-Wissen in Sachen Währungen für die im Oktober 2006 herausgegebenen DWS GO Währungs-Zertifikate („Währungswunder“). Aufgrund „simulierter Rückrechnung seit Auflegung des DWS Währungshedgefonds“ wurde für das „normale“ Währungs-Zertifikat eine avisierte Rendite von 8.5 % p. a. (bei nur 1 % Volatilität) prognostiziert. Für das Währungs-Zertifikat mit Hebel glaubte man sogar ein Renditeziel von 12.75 p. a. ausgeben zu können. Solche ambitionierten Renditeziele („mit Währungen“) machen Ihren Kolumnisten seit jeher neugierig. Der Vorgang wurde somit auf Wiedervorlage gelegt. Das Ergebnis ist, wie nicht, niederschmetternd: Das Währungs-Zertifikat mit Renditeziel 8.5 % p. a. (WKN AOKRSQ) liegt aktuell bei 100.96 Euro. Das Währungs- Zertifikat mit Renditeziel 12.75 % p. a. (WKN AOKRSR) liegt mit 88.80 Euro (in beiden Fällen Emissionspreis 100.00 Euro) deutlich im Verlust. Das Ganze ist ein Lehrstück in Sachen Währungen: Die Wahrheit über Wechselkurs-Prognosen ist ernüchternd: Devisenmärkte sind die effizientesten Segmente des Kapitalmarktes überhaupt. Vereinfacht gesagt ist die „erwartete Rendite“ von Wechselkursen Null. Oder anders ausgedrückt: Auf längere Sicht liegt der saldierte Effekt aus allen Wechselkursveränderungen in einem gut diversifizierten Portfolio (mit einem Korb von Fremdwährungen) mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nähe von Null. Vor allem, und das ist noch wichtiger, sind die Veränderungen nicht prognostizierbar. OK – richtig ist, dass diese Ausgangsthesen, obwohl vermutlich wissenschaftlich belegt, von Bankern, namentlich in Person ihrer „Währungsexperten“, bestritten werden. Aber dann muss man es „in der Praxis“ auch zeigen. Nach den bisherigen Ergebnissen steht es jedenfalls mehr als 1:0 für die wissenschaftliche These, wonach Wechselkursspekulationen notorisch riskant sind und auf längere Sicht – zumindest nach Kosten - auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen. An all dieses sollte man jedenfalls denken, wenn als Alternative zum Euro von Experten Wechselkursprognosen für US-Dollar, australischen Dollar, CHF etc. abgegeben werden. Derartige Spekulationen können klappen - oder auch nicht. Auf längere Sicht gilt zumeist per Saldo: Ausser Spesen nichts gewesen. Insbesondere gilt bei höher verzinslichen / hoch verzinslichen Bonds erhöhte Wachsamkeit: „Besonders attraktiv“, so ist immer wieder in einschlägigen Wirtschaftsmagazinen zu lesen, seien hoch verzinsliche Bonds insbesondere dann, wenn zusätzlich noch Währungsgewinne locken. Das ist wahr - wenn dem so ist. Leider gilt insoweit als Faustformel: Höheren Zinsen steht in aller Regel ein (eingepreistes) höheres Wechselkursrisiko gegenüber. Kurzfristig, aber eben nur kurzfristig, kann sich das selbstverständlich auch anders verhalten. Nur lässt sich genau darauf - seriös - nicht bauen, sondern nur spekulieren. Last not least: Das vorerwähnte Beispiel der DWS Währungs-Zertifikate ist auch ein anschauliches Beispiel dafür, was bei der Werbung für Finanzprodukte historische Renditen – ob nun tatsächlich erzielt oder theoretisch im (dubiosen) backtesting – taugen. Vereinfacht gesagt: Nichts. Auch daran sollte man denken, wenn aktuell in der Werbung immer wieder für computergestützte Trendfolgemodelle mit – wie nicht - tollen Renditen in der Vergangenheit Werbung gemacht wird. Erstens sind diese historischen Renditen oft gar nicht überprüfbar (da als Wertpapier zunächst nicht gelistet). Und zweitens besagt es für die Zukunft wenig bis nichts. Wenn´s anders kommt, hat sich im Zweifel nur der Computer geirrt.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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