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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 01.06.2010

Recht vertraulich: „Euro-Schwäche“ (II)

Recht vertraulich: „Euro-Schwäche“ (II)

Der „schwache“ Euro, also der aktuelle Aussenwert des Euro zu den anderen wichtigen Währungen, ist bei den aktuellen Wechselkursen (z. B. EUR / USD = 1.22) (noch) kein ernsthaftes Problem. „Stärker dank der Euro-Schwäche“ titelte soeben die schweizerische FINANZ und WIRTSCHAFT und zählte insbesondere die exportlastigen deutschen Unternehmen zu den Gewinnern der Euro-Schwäche.

Nochmals, wie bereits ausgeführt: Das Problem ist nicht die Euro-Schwäche, sondern die weltweit exorbitante Staatsverschuldung und wie Politiker und Notenbanken - und eben nicht nur die EZB - opportunistisch Regeln brechen. Getreu dem Motto: Was stört mich mein Geschwätz von gestern. Wichtig ist, kühlen Kopf zu bewahren: Flucht in andere Währungen: Normalanleger, die insbesondere in Euro ihre gesamten Ausgaben tätigen, bürden sich mit der Anlage in Fremdwährungen (u. a. in Schweizer Franken und US-Dollar) nur unnötige Wechselkursrisiken auf. Nochmals deutlich: Der US-Dollar ist definitiv keine Alternative. Die dortige Staatsverschuldung wächst schneller als z. B. die von Griechenland. Ob der Schweizer Franken im Vergleich zum Euro noch nachhaltige Währungsgewinne generieren wird, ist reine Spekulation. Nur am Rande: Nirgendwo steigen die Sozialkosten prozentual so stark wie in der Schweiz. Also: Keine fragwürdigen Währungsspekulationen „aus Angst“. Eine andere Sache ist natürlich: Für grössere Anlagevermögen ist es sinnvoll und richtig, aus Gründen der Diversifikation (Risikostreuung) auch in anderen Währungen investiert zu sein. In aller Regel geschieht dieses jedoch automatisch schon allein dadurch, indem Aktienengagements weltweit gestreut werden. Das reicht. (Griechische) Staatsanleihen meiden: Man kann die Dinge drehen und wenden wie man will - Griechenland wird NIE in der Lage sein, die aufgetürmten Schulden von 350 Mrd. Euro (vermutlich sind es sogar noch mehr) zurückzuzahlen. An einem geordneten Staatsbankrott (vermutlich Schuldenschnitt zwischen 30 bis 50 %) führt kein Weg vorbei. Ein solcher „Haircut“ - wie in der Finanzterminologie Staatsbankrott und Schuldenschnitt mittlerweile vornehm umschrieben werden - wird kommen. Daran hat das umstrittene Stabilisierungspaket von IWF und EU zugunsten der PIIGSStaaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) definitiv nichts geändert. Der „heimliche“ Deal (zwischen EU-Staaten und Banken) ist insoweit ohnehin ein ganz anderer gewesen: Stützung des Bankensystems: Wenn Griechenland nicht gestützt worden wäre, wären neben den griechischen Banken sofort einige deutsche und französische Banken kollabiert. Der Interbankenmarkt wäre erneut zum Stillstand gekommen, mit allen nachteiligen Folgen für das internationale Bankensystem. Der Deal war und ist, den Banken Zeit zu geben, damit diese nun ihre „faulen“ Kredite noch zu halbwegs vernünftigen Preisen abstossen können. Käufer werden - wie nicht? - staatliche bzw. staatgarantierte Institutionen (EZB und andere) sein. Vereinfacht gesagt ist all dies eine neue Variante, wie Banken ihre Verluste verstaatlichen können. Die Zeche zahlt damit, wie immer, letztlich der Steuerzahler. Nur am Rande: Wenn wie vor zwei Wochen auf der Show-Bühne in Berlin der deutsche Bundesfinanzminister Schäuble sich gegenüber „Herrn Dr. Ackermann“ sehr dankbar zeigte, dass die Banken ihre eigentlich fälligen Kredite an Griechenland verlängert hätten, dann kann man eigentlich nur staunen. Vielmehr hätten Dr. Ackermann und die Banken „Herrn Dr. Schäuble“ zutiefst für das staatliche Rettungsprogramm danken müssen (siehe oben). Im übrigen muss man nur 1 und 1 zusammenzählen sprich den gesunden Menschenverstand einsetzen: Die „Patronatserklärung“ der EU für die PIIGSStaaten hätte ja eigentlich dazu führen müssen, dass damit diese Staatsanleihen genau so sicher sind wie deutsche Staatsanleihen. Oder anders ausgedrückt: Warum soll man niedrig verzinsliche deutsche Bundesanleihen kaufen, wenn es für obige Länder 8 % und mehr gibt, abgesichert durch deutsche Patronatserklärungen? Eigentlich müssten doch die Zinsrenditen spätestens dann gleich sein. Sind sie aber nicht, eben weil „der Markt“ nicht davon ausgeht, dass diese Patronatserklärungen auf Dauer haltbar sind. Oder noch anders ausgedrückt: Eben weil der Markt davon ausgeht, dass insbesondere für Griechenland ein „Haircut“ unvermeidlich ist. Fazit: Vor dem Run auf hochprozentige Griechenland-Anleihen hatten wir ja bereits in der Ausgabe 04/2010 (viele werden noch ihr blaues Wunder erleben…!) rechtzeitig gewarnt. Diese Warnung erweitern wir auf alle hochprozentigen Staatsanleihen von PIIGS-Staaten. Die höheren Zinsen korrespondieren hier mit einem vermutlich unabwendbaren Schuldenschnitt zwischen 30 - 50 %. Und im übrigen bleiben wir dabei: Sachwerte wie Aktien können selbstverständlich in den Sog von Verschuldungskrise und damit einhergehenden konjunkturellen Belastungsfaktoren geraten, die Kurse können übermässig stark schwanken. Aber: Ein Schuldenschnitt ist mit Sachwerten wie Aktien, Immobilien und Gold nicht zu machen. Mehr dazu in Ihrem nächsten Geldbrief.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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