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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 18.05.2010

Recht vertraulich: Euro-Lügen & Bullshit

Recht vertraulich: Euro-Lügen & Bullshit

Bullshit oder Lüge? Den Unterschied definierte Princeton-Philosoph Harry Frankfurt vor ein paar Jahren wie folgt: Ein Lügner erzählt absichtlich die Unwahrheit. Ein „Bullshiter“ hingegen schert sich nicht um die Wahrheit, sondern versucht nur andere zu beeindrucken.

Kein Wunder, dass es aktuell insbesondere in Sachen „Euro“ viel Lügen, Suche nach Wahrheit und eben viel „Bullshit“ zu vermelden gilt. Eher Bullshit ist, was der deutsche Effecten-Spiegel derzeit auf ganzseitigen Anzeigen publiziert: Dort wiederholt man die leidlich bekannten Aussagen des verstorbenen Euro- Kritikers Bolko Hoffmann. Bekanntlich prognostizierte dieser seit 1997 das Euro-Desaster, wonach der Euro stürzt … und stürzt … und stürzt und nur die Rückgängigmachung des Euro-Wahns die Wirtschaft wieder in Schwung bringe. Zumindest für die deutsche Wirtschaft war der Euro (bei allen Problemen und „Webfehlern“) bislang kein Nachteil: Zunächst einmal die harten Fakten: Richtig ist, dass der Euro (gestartet mit einem Kurs von 1.18) zunächst gegenüber dem Dollar bis zu einem Preis von 0.83 im Jahre 2000 an (Aussen-) Wert verlor. Richtig ist aber auch, dass der anfangs schwache Euro seinerzeit – zu Recht – insbesondere für die deutsche Exportwirtschaft als willkommenes Konjunkturprogramm gesehen wurde. Von 2000 bis 2008 kletterte der Euro dann bis 1.60 und insbesondere Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wurden nicht müde zu betonen, dass der überbewertete „sehr starke Euro“ der Wirtschaft des Euro-Raums weh tue. Und aktuell? Der Euro steht im Verhältnis zum Dollar noch immer über der anfänglichen "Parität" von 1.17 und vor allem darf sich insbesondere die deutsche Exportwirtschaft (aber auch die übrigen Euro- Staaten) zunächst einmal über das neuerliche Konjunkturprogramm für die Export- Wirtschaft in Folge des „schwachen“ Euro freuen. Und auch das: Innerhalb der Euro- Zone ist Deutschland ohnehin der Profiteur gewesen, da die schwachen Euro-Länder den Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit nicht durch Währungsabwertungen ihrer früheren Lokalwährungen kompensieren konnten. Deutschland ist somit beides: Zahlmeister, aber auch Profiteur. Die deutsche Wirtschaft weiss das ganz genau – man darf es nur nicht so laut sagen! Auch die Schweiz gehört zu den Profiteuren: Nicht nur Skeptiker wechseln in den Franken und verbilligen damit indirekt auch die (Hypothekar-) Zinsen in der Schweiz. Die Währungsparitäten des Euro sind eigentlich nicht (zumindest noch nicht) das Problem, das es zu lösen (offiziell: zu „retten“) gäbe, die Schwankungsbreite liegt eben zwischen 0.80 und 1.60 - ganz im Gegenteil liegt die Gefahr für unser Geld. Exorbitante Staatsverschuldungen weltweit: Das eigentliche Problem ist viel gravierender und keinesfalls ein spezielles Problem der Euro-Zone. Grundproblem ist, dass die staatlichen Emittenten – weltweit! – schlicht und einfach nicht in der Lage sind, ihre Verschuldung langfristig in den Griff zu bekommen. Die Bürger – weltweit – haben Ansprüche an den Staat aufgebaut, die dieser nicht erfüllen kann. Notwendig wären Steuererhöhungen und/oder kräftige Etat-Kürzungen – alles zumindest in demokratischen Staaten weltweit nicht durchsetzbar. Das ist das Problem! Betrügerische Schneeballsysteme: Staatliche Verschuldung wird durch Staatsanleihen finanziert. Und genau genommen sind Staatsanleihen damit so etwas wie betrügerische Schneeballsysteme. Immer neues Geld wird benötigt, um die alten Schulden zu bedienen. Aus dieser Schuldenspirale gibt es definitiv kein Entrinnen. Hauptrisiko Dollar: US-Staatsanleihen sind nach wie vor das grösste Schneeballsystem der Welt. Noch vor kurzem wurde geunkt, dass insbesondere Japan und China (beide Länder halten je 800 Milliarden in US-Staatsanleihen) nach Auswegen aus der „Dollar- Falle“ suchen. Die aktuelle Hatz auf den Euro kommt diesen Ländern somit sehr gelegen – und ist politisch so gewollt! Fakt ist, dass im amerikanischen Staatshaushalt nach wie vor eine Zeitbombe tickt (dass z. B. Kalifornien pleite ist und letztlich nur aufgrund der impliziten Garantie durch „Washington“ weiter wurschteln kann, sei nur am Rande erwähnt). Währungen sind weder eine Renditequelle noch eine sinnvolle Asset-Klasse auf Dauer: Eigentlich kann nur erheitern, wenn Verbraucherschützer – ganz so, wie es der mediale Trend gerade verlangt - Tipps geben, wo und wie man – günstig? – Fremdwährungskonten z. B. in US-Dollar führen könne. Diversifikation ja, langfristige Anlage in Fremdwährungen nein. Und Währungs-Spekulationen sollten sich eigentlich verbieten, weil die Spekulation in Währungen schlicht und einfach unberechenbar ist und man sich nur unnötigen, zusätzlichen Spekulationsrisiken (als würden die Probleme mit der Bonität von Papiergeld-Schuldnern nicht schon reichen) aussetzt. Okay, heute wird der Euro „gejagt“, und für einige Zeit kann man „mitspekulieren“, aber schon morgen wird es wieder der US-Dollar sein. Was ist also sinnvollerweise zu tun – mehr dazu im nächsten Geldbrief!

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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