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Veröffentlicht von Redaktion "Aktionärsbrief" am 03.02.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.02.2011:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Rating-Schock gleich Aktien-Glück

Standard & Poor‘s sorgt wieder für Schlagzeilen. Nach Europa rückt nun auch Japan wegen ausufernder Staatsschulden wieder in den Blick der Finanzmärkte. Das Rating wurde um einen Schritt auf AA- abgesenkt.

Moody´s hat sogar die USA im Fadenkreuz. Die Ratingagentur Moody‘s schließt eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA auf mittlere Sicht nicht aus. Dazu wird es natürlich nicht kommen, weil es politisch nicht machbar ist, eine Abstufung für die wichtigste Reservewährung der Welt durchzusetzen. Das Thema wird nun von der Presse förmlich aufgesaugt. Sie werden sich nun fragen, ob diese Tendenzen eine neue Gefahr für die Aktienmärkte darstellen könnte. Die klare Antwort lautet „nein“. Diese Tendenzen sorgen mittelfristig für einen beschleunigten Umschichtungsprozess in den Aktienmarkt. Diesen Effekt haben wir 2010 bereits während der Euro-Schuldenkrise beobachten können. Der Druck auf den Bond-Markt ist enorm hoch mit der Konsequenz, dass die Zinsen steigen und die Kurse der Staatsanleihen kräftig nachgeben. Prägen Sie sich ein, dass steigende Zinsen niemals Gift für einen Aktienmarkt sind. Gift sind hohe Zinsen. Davon sind wir weit entfernt. Es ist wichtig, zu unterscheiden: Es gibt den Staat und es gibt eine Privatwirtschaft. Zwischen beiden Welten gibt es Berührungspunkte. In einer freien Marktwirtschaft ist der Einfluss des Staates auf das Wirtschaftswachstum aber gering. Natürlich kann der Staat über seine Steuerpolitik einwirken. Da er aber selber daran interessiert ist, die Wirtschaft nicht abzuwürgen, sind solche Maßnahmen stets überschaubar. Ein weiterer Aspekt, der den Unterschied dieser Welten verdeutlicht: Während die Staaten unter hohen Schulden lechzen, sind die Firmenbilanzen sauber. Dazu gibt es eine Studie von Morgan Stanley. Danach liegt die Nettoverschuldung der 1.500 größten nicht-finanziellen amerikanischen Unternehmen bei 18 % ihres Börsenwertes. Das ist das niedrigste Niveau seit Mitte der 60er Jahre. Für den MSCI Europa wird 2011 mit einer Nettoverschuldung von gerade mal 114 % des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gerechnet. Das ist mehr als solide. Die Schuldenmisere der Staaten hat noch einen weiteren positiven Aspekt: Zum einen sorgt das für eine tendenziell schlechte Stimmung unter den Marktteilnehmern. Übertreibungen an den Aktienmärkten bleiben aus. Zum anderen sind die Staaten gezwungen, ihre Probleme anzugehen. Der Staatsanteil wird zugunsten der Privatwirtschaft abgebaut. Fazit: Die Warnschüsse der Ratingagenturen stellen für die Aktienmärkte keine größere Gefahr dar. Im Gegenteil, sie sollten verstärkt vom Umschichtungsprozess (raus aus Anleihen, rein in Aktien) profitieren.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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