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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 16.10.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 16.10.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Q-Zahlen, Verfallstag, Konjunktur

Heißer kann der Markt kaum noch laufen: Die wichtigsten Quartalsergebnisse gepaart mit einer Optionsverfallswoche und das Ganze zu einem Zeitpunkt, da es sich entscheidet, ob die Wirtschaft am Tropf der Konjunkturprogramme hängt oder aus eigener Kraft an Dynamik gewinnt. Da fällt mir nur der Werbeslogan der Wirtschaftswoche ein: Nichts ist spannender als die Wirtschaft! Woche für Woche.

Ich denke, ich gebe Ihnen heute am besten einen thematisch gegliederten Überblick über die Woche, statt chronologisch die Ereignisse aufzuschlüsseln.


Thema mobiles Internet:

Nokia hat verheerende Zahlen berichtet. Die Anlegerwelt ist erschüttert, der Kurs von Nokia ist um 10% eingebrochen. Da sind mal eben 4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung vernichtet worden. Wie kommt’s?

Nun, die Leser des Heibel-Ticker PLUS waren schon seit der Ausgabe vom 6. September gewarnt. Darin habe ich die Neuausrichtung von Nokia analysiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Nokia aus der Position der Schwäche heraus kaum den Anschluss an Apple und Research in Motion schaffen wird.

Wir erleben hier einen Scheidepunkt: Das Mobilfunkgeschäft teilt sich in ein Handy-Geschäft und ein Geschäft mit dem mobilen Internet. Nokia liefert die billigen Handys zum telefonieren und steht damit im Wettbewerb zu Billiganbietern aus Taiwan und Korea.

Das mobile Internet ist ein neuer Trend, der erst am Anfang seines Siegeszugs steht. Angeführt von Apple werden immer neue Applikationen in die Smartphones integriert, die das Leben deutlich angenehmer machen. Bis vor kurzem war das mobile Internet noch eine Spielerei, heute ist es ein wirklicher Mehrwert für die Nutzer.

Ich erwarte, dass Smartphones weiter ansteigende Marktanteile haben werden. Hier gibt es Lieferengpässe bei den Komponenten, hier gibt es Preisanhebungen durch die Zulieferer. Auf dem Markt der „nur-telefonier“-Handys ist das Gegenteil zu beobachten und darunter leidet Nokia.

Intel hat ein super Ergebnis vorgelegt. Das Unternehmen profitiert von der anziehenden Nachfrage, und zwar nachhaltig anziehend und nicht nur kurzfristig zur Auffüllung der Lagerbestände, im Bereich der kleinsten und energiesparendsten Chips. Die Chips also, die für Netbooks benötigt, die in kleine tragbare Spielekonsolen verbaut und auch für Smartphones verwendet werden. Der weltgrößte Chiphersteller spürt also einen Nachfrageanstieg.

Ehrlich gesagt, ich hätte alles in Frage gestellt, wenn Nokia gute Zahlen geliefert hätte. Das schlechte Ergebnis von Nokia passt perfekt in mein Bild. Heute kommt noch eine entsprechende Meldung von SonyEricsson hinzu: Das Unternehmen hat einen Umsatzeinbruch von 42% verzeichnet.


Thema Investmentbanking

Früher gab es die großen 5 an der Wallstreet: Bear Sterns, Merrill Lynch, Lehman Brothers, Goldman Sachs und JP Morgan.
Heute sind davon noch gerade einmal zwei übrig geblieben:
Goldman Sachs und JP Morgan. Entsprechend vereinen diese beiden nun den Löwenanteil des Investmentgeschäfts auf sich. Das Investmentgeschäft ist ein sensibles Thema und man möchte gerne mit Partnern zusammen arbeiten, die auch langfristig am Markt bestehen bleiben.

Entsprechend wartet man erst einmal bei Merrill Lynch ab, bis die neue Mutter Bank of America sich aus den Klauen des Staates befreit hat. Lehman Brothers existiert nicht mehr und Bear Sterns wurde von ... na raten Sie mal ... von JP Morgen gekauft.

Der Wettbewerb ist also kleiner geworden, die Gewinnmargen im Investmentbanking können wieder ausgeweitet werden. Und das zu einer Zeit, in der Vater Staat gigantische Volumina an Staatsanleihen am Markt platzieren muss. Na, wenn das kein gefundenes Fressen ist. JP Morgen und Goldman Sachs haben Mittwoch und Donnerstag herausragende Zahlen gebracht.

Kurz zuvor hat sich jedoch meine Freundin zu Wort gemeldet:
Meredith Whitney. Die hübsche Bärin geisterte wieder über alle TV-Kanäle und machte deutlich, dass die Finanzaktien nicht mehr weiter steigen können. Nachdem sie im März vor dem Weltuntergang gewarnt hatte und somit ihre Fans davon abhielt, an der fulminanten Rallye zu partizipieren, gab sie im Juli in einer kleinen Randmeldung Goldman Sachs eine Kaufempfehlung.
Das hat ihr gar nicht behagt.

Und so nimmt sie nun die Gelegenheit einer drohenden Korrektur wahr und schlägt wieder auf die Finanzbranche. Die Finanztitel, in diesem Fall Goldman Sachs, sei für die Geschäftsentwicklung fair bewertet und könne nicht mehr ansteigen. Und tatsächlich, nach der Bekanntgabe des Quartalsergebnisses von Goldman Sachs knickte der Kurs erst einmal kurzzeitig ein und es sah gestern zunächst danach aus, als könne Whitney Recht bekommen.

Doch die Zahlen und insbesondere der Ausblick waren so gut, dass die Bären keine Chance hatten, den Kurs nachhaltig unten zu halten.

Ach so, damit Sie sich in etwa vorstellen können, was da los
war: Erwartet wurde für Goldman Sachs ein Gewinn von 4,24 USD je Aktie, die Goldmänner lieferten jedoch 5,25 USD je Aktie ab.
Das ist nicht nur ein bisschen besser, da wurde die Schätzung zur Makulatur gemacht.

Aber so leicht gibt sich Whitney nicht geschlagen: Es dauerte nicht lange, da war eine neue Interpretation zu finden: „Besser könne es nun nicht mehr werden“. Da stehen wir am Anfang eines Konjunkturaufschwungs, Unternehmen haben nicht nur restrukturiert und sind nicht nur endlich wieder profitabel, sondern verdienen erstmals wieder richtig Geld. Und da behauptet sie, der Konjunkturzyklus sei bereits auf seinem Zenit. Das kann ich nun wirklich nicht mehr nachvollziehen.

Aber gut, der Tonfall war gesetzt und wer Meredith Whitney ignoriert, der läuft Gefahr, von den Bären überrollt zu werden.
Ich habe den Eindruck, dass ihre Abstufung von Goldman nichts weiter als ein Startschuss für eine konzertierte Bärenaktion zur Finanzbranche war.

Denn die sensationellen Quartalsgewinne und die signifikanten Besserungen in den Bilanzen wurden kaum mehr gewürdigt. Auch die Ergebnisse von der Citigroup und der Bank of America wurden in der Luft zerrissen. Die Citigroup hat 0,27 USD verloren.
Ohne die Zinszahlungen auf TARP wäre das Unternehmen schon fast wieder profitabel, denn 0,25 USD des Verlustes stammen von der Zinsverpflichtung für die TARP-Hilfe. Doch das interessiert keinen.

Die Bank of America ist etwas schwerer einzuschätzen: Sie hat das größte Kundengeschäft in den USA und hängt somit am Tropf der US-Konjunktur. Diese zeigt zwar bereits erste Besserungsanzeichen, doch für eine deutliche Auswirkung im Ergebnis der Bank of America ist es wohl leider noch zu früh.
Der Verlust von 0,26 USD je Aktie war größer als erwartet, der Kurs notiert derzeit 5% im Minus. Schade, dass das Unternehmen keinen ordentlichen Ausblick gegeben hat.

Für unseren Tradingmonat gibt es Chancen genug in diesen Tagen.
Vielleicht rutschen die Finanztitel noch ein wenig weiter ab, so dass sich dann eine Long-Spekulation auf die Deutsche Bank rentiert. Diese verfügt ebenfalls über ein starkes Investmentgeschäft und könnte daher ebenso positiv überraschen, wie Goldman Sachs und JP Morgan. Doch um eine solche Überraschung in einen Kurssprung umzuwandeln, darf die Aktie diese Überraschung nicht schon zu früh vorweg nehmen.


Thema Online Werbung

Wachstumsgeschichten sind das, was wir derzeit brauchen. Und so leicht ist Wachstum gar nicht zu finden. Doch neben dem mobilen Internet und dem Investmentbanking gibt es noch ein drittes
Feld: Online Werbung.

Seit Jahren rede ich vom Sterben der Printmedien. Es ist einfach zu aufwendig und zu langsam, eine Tages- oder Wochenzeitung zu drucken. Und die Werbung, die darin untergebracht wird, kann nur über Annahmen und Umfragen ausgewertet werden. Das kommt einer Kaffeesatzleserei schon sehr nahe.

Anders ist es bei Online-Werbung. Hier kann ich jeden Klick zählen, kann sogar verfolgen, welche Klicks zu Umsatz führen und zu wie viel. Die Streuverluste sind bei Online-Werbung sehr gering.

In der hinter uns liegenden Krise wurde natürlich mit spitzem Bleistift gerechnet, welche Werbung sich tatsächlich loht. Und, oh Wunder, Online Werbung schnitt gar nicht so schlecht ab.
Gekürzt wurde also überwiegend bei Offline Werbung. Der Anteil an Online Werbung nahm zu, ohne dass das Volumen nennenswert anstieg.

Doch nun zieht die Wirtschaft wieder an und Werbebudgets müssen wieder untergebracht werden. Heute ist jedoch der Anteil an Online Werbung wesentlich höher als vor der Krise und somit profitiert der Markt der Online Werbung überproportional von diesem Aufschwung.

An vorderster Front profitiert natürlich Google mit seinem AdWords. Vor kurzem wurde sogar noch die Bannerwerbung in das AdWords-System integriert, so dass hier noch ein besonderes Wachstumspotential ausgewiesen werden kann. Und, wenn Sie sich die Zwangskooperation zwischen Microsoft und Yahoo! in Erinnerung rufen, dann sehen Sie, dass es quasi keinen Wettbewerb für Google gibt. Die Konkurrenten kriegen es einfach nicht hin, ordentliche Werbeplattformen anzubieten.


Doch die Börse ist heiß gelaufen. Gestern sprang der Dow Jones über 10.000 Punkte. Vor kurzem wurde ich noch ausgelacht, als ich in einer kleinen Runde für den Dow Jones das Jahresziel von 10.000 Punkten ausgab. Doch lassen Sie sich nicht täuschen:
10.000 Punkte ist ein guter Anlass, um Gewinne zu sichern. Das Geld, das viele Anleger im letzten Crash verloren haben, wollen sie nun nicht mehr riskieren und so wird es Gewinnmitnahmen geben.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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