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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 27.09.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.09.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Q-Cells: Bedeckter Himmel

Der Begriff Photovoltaik ist in aller Munde. Just in dieser Woche fand die 24. Europäische Solarenergiemesse mit rund 1.000 Ausstellern in Hamburg statt. Insbesondere die Nachfrage nach Solarstromanlagen ist in den wichtigsten Märkten rasant gestiegen. Rund 15.000 Solarunternehmen wurden im vergangenen Jahr nach Branchenangaben gezählt – die deutsche Photovoltaik- Branche beschäftigte im vergangenen Jahr circa 53.000 Arbeitnehmer.

Dies entspricht einer Verdreifachung gegenüber den Zahlen aus dem Jahr 2004. Allein 2008 wurden über 10.000 Jobs in Industrie, Handel und Handwerk neu geschaffen. Die Exportrate lag bei rund 50% und sämtliche Prognosen warteten mit einer rosaroten Zukunft auf. Exemplarisch ist der Siegeszug der Solarbranche mit dem Thalheimer Solarzellenhersteller Q-Cells verbunden. Deutschland spielt in der Champions League im Bereich Photovoltaik mit. 55% der weltweiten Photovoltaik-Leistung sind nach offiziellen Angaben in Deutschland installiert. Entscheidenden Anteil an der Vorreiterstellung Deutschlands hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). In den zehn Jahren seit der Gründung 1999 hat das Unternehmen QCells eine rasante Entwicklung genommen. Noch in diesem Frühjahr wurde Q-Cells mit dem European Business Award ausgezeichnet. Die Thalheimer zählen zu den führenden deutschen Herstellern von Solarzellen. Von Kursen um die 35 Euro hatte Q-Cells 2007 eine Hausse bis knapp an die 100-Euro-Marke hingelegt. Im vergangenen Jahr folgte die Umkehrung dieses Trends, bis die Aktie Ende November nur noch 17,51 Euro kostete. Allein zwischen Mitte September und dem Ende des letzten Jahres konnte ein massiver Kursrückgang von 55% ausgemacht werden – der TecDAX verlor in derselben Zeit „nur“ 30%. Im Dezember wurde auch noch die Jahresprognose für 2009 nach unten korrigiert. Grund war nicht zuletzt die Wirtschaftskrise, die dazu führte, dass weniger Solarzellen abgesetzt werden konnten.


Aufstieg und Krise

Im Frühjahr 2009 wartete das Unternehmen mit neuen Plänen auf. Mit der LDK Solar Co. Ltd. gründete man ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel, in Europa und China große Photovoltaik- Anlagen zu errichten und die Märkte weiter zu entwickeln. Dennoch präsentiert sich in diesem Jahr die Aktie erneut volatil und schnitt im Vergleich zu anderen Unternehmen dieser „Peer Group“ unterdurchschnittlich ab. Nach Jahren des permanenten Aufschwungs und der Euphorie dürfte eine Art Sättigung zunächst erreicht sein. 2009 dürfte vorerst als das schwierigste Jahr in der Geschichte der Solarbranche eingehen. Das Angebot- Nachfrage-Verhältnis ist gekippt, die gesamte Branche bekommt die nachlassende Nachfrage in Form von fallenden Preisen zu spüren. Q-Cells hat dieses Jahr positive Nachrichten bitter nötig. Der Solarzellenhersteller ist während der vergangenen Monate in böse Turbulenzen geraten und die Negativmeldungen rissen nicht ab. Gleich dreimal senkte Unternehmenschef Anton Milner die Geschäftserwartungen für dieses Jahr. Im zweiten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen hohe Verluste. Vor einigen Wochen manifestierte sich die Krise darin, dass Milner ankündigte, am Stammsitz Thalheim mehrere Produktionslinien zu schließen und 500 Stellen abzubauen. Außerdem will sich Q-Cells in der Forschung auf Projekte konzentrieren, die kurz- bzw. mittelfristig Erfolg versprechen. Katerstimmung macht sich breit. Solarflugzeuge oder Wüstenstrom – schwierig zu kommunizierende Themen in einer schwächelnden Wirtschaftsphase. Ein zentrales Problem liegt darin, dass laut Branchenkennern Anbieter wie Q-Cells in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau ihrer Fertigung investiert haben. Das führt jetzt in der Wirtschaftskrise zu beträchtlichen Überkapazitäten. Die Mehrheit der Analystenmeinungen in den vergangenen drei Monaten stufte die Aktie auf „Negativ“ ein. Auf den ersten Blick eine klare Aussage. Andere Unternehmen dieser Peer-Group, wie die SolarWorld AG, konnten jedoch auch in jüngster Zeit durchaus Kaufempfehlungen für sich geltend machen.


Nach dem Schatten wieder Licht für die Branche?

Eines scheint aber auch eindeutig zu sein. Die Investitionen in den Solarmarkt werden weiter ansteigen. Die Energieversorgung der Zukunft wird weiterhin aus einem Mix von Energiequellen bestehen müssen. Dabei wird kein Weg an den erneuerbaren Energien vorbeiführen, denn die anderen Energiequellen sind endlicher Natur. Laut Ergebnissen einer Studie des Bundesverbandes (BEE) in Berlin könnten erneuerbare Energien im Jahr 2020 einen Anteil von rund 47% des deutschen Strombedarfs decken. Die Möglichkeiten der Solartechnik scheinen fast grenzenlos zu sein. Die Solarstrombranche investiert in den nächsten vier Jahren rund 10 Mrd. Euro am Standort Deutschland. Dies ist das Ergebnis einer Photovoltaik-Branchenumfrage von EuPD Research im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Im Zeitraum 2010 bis 2013 sollen dabei 10 Mrd. Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Photovoltaik-Produktion fließen, 1 Mrd. Euro wiederum in Forschung und Entwicklung. Die Solarbranche will mit den Investitionen in Solarfabriken und Vertriebsnetze ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt stärken. Das ist auch erforderlich. Chinesischen Unternehmen wird ein Kostenvorteil von circa 30% (Skaleneffekte) gegenüber der europäischen Konkurrenz eingeräumt. Für die Thalheimer könnte die Krise auch einen positiven Nebeneffekt haben. In Folge der Überkapazitäten der Branche kommt es zu einem harten Preiswettbewerb. „Wer dem nicht standhält, verschwindet vom Markt oder wird übernommen“, sagen Analysten bei SES Research. Allein zwischen 2007 und 2008 hat sich der Gesamtwert der Fusionen und Beteiligungen im Solarbereich von 1,15 Mrd. USDollar auf rund 5,36 Mrd. US-Dollar mehr als vervierfacht, wie die Wirtschaftsprüfungsund Beratungsgesellschaft PriceWaterhouse- Coopers (PwC) jüngst herausgefunden hat.  


Fazit:

„Wir waren lange Zeit sehr auf die Zellenherstellung fokussiert, und das war auch richtig in dieser Marktphase“, sagte Konzernchef Anton Milner kürzlich der FTD. In Zukunft würde sich das Unternehmen aber breiter aufstellen. Zum Investorentag Mitte September rührte QCells ordentlich die Werbetrommel und vermeldete die erfreuliche Botschaft, dass der Zellen- Wirkungsgrad für die nächste Modulgeneration auf 16% gesteigert wurde. Der Aktienkurs honorierte das entsprechend. Von ihrem Tiefststand im März von 9,87 Euro erholte sie sich auf Kurse um die 13 Euro. Die 38-Tage-Linie verläuft bei 12,03 Euro. Kurse deutlich oberhalb der 15-Euro-Marke wie zuletzt Ende Juni sind aber für den Moment eher unwahrscheinlich. Dennoch könnte die Q-Cells-Aktie kurz- bis mittelfristig ein spekulatives Investment darstellen. Die Zahlen des dritten und vierten Quartals sollten Investoren aber ruhig abwarten.  


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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