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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 23.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Portucel - Großaktionär trennt sich von Anteilen

Mehrfach musste ich mir die Meldung durchlesen, um die für mich neue Taktik zu verstehen. Erst ein Leser wies mich auf die richtige Interpretation des Vorgangs. Hier die Einzelheiten:  Semapa ist eine portugiesische Holding mit Beteiligungen an dem Zementmischer Secil Group, an der Umweltfirma (Müllverwertung zu Tierfutter) ETSA Group sowie am Papierproduzent Portucel. An Portucel hält Semapa 75%. Anfang Juli unterbreitete Semapa seinen Aktionären ein Angebot, ihre Semapa-Aktien gegen Portucel-Aktien zu tauschen: für eine Semapa-Aktie erhalten die Aktionäre 3,4 Portucel-Aktien. Das entspricht ungefähr dem Kursverhältnis der beiden Aktien zueinander. 

Für bis zu 164 Mio. Aktien von Portucel gilt das Angebot. Sollte das Angebot voll ausgeschöpft werden, erhält Semapa dadurch eigene Aktien im Wert von 613 Mio. Euro. Die Beteiligung von derzeit 75,43% an Portucel würde sich dadurch auf 54% vermindern. 

Mit anderen Worten: Semapa hat mal eben 21% der Marktkapitalisierung von Portucel zum Verkauf gestellt. Wenngleich dieses Angebot nur für Semapa-Aktionäre gilt ist es doch nicht verwunderlich, dass die Aktie von Portucel vor diesem Hintergrund unter Abgabedruck gerät. Warum nur möchte Semapa so viele Aktien von Portucel verkaufen? 

Meiner Recherche zufolge muss Semapa im Jahr 2016 Unternehmensanleihen und Bankkredite in Höhe von über 500 Mio. Euro refinanzieren. Derzeit wird für eine Unternehmensanleihe noch eine hohe Verzinsung aus der Krisenzeit 2010 bezahlt. Den Zins möchte man bei einer Refinanzierung natürlich deutlich drücken. Und dabei hilft eine saubere Bilanz einer hohen Eigenkapitalquote. Und für diese Berechnung sind eigene Aktien wertvoller als Aktien dritter Unternehmen. So könnte ich mir gut vorstellen, dass Semapa gezwungen ist, seine Beteiligungen zurückzufahren, um die Bilanz solider zu gestalten. Meine Einschätzung sehe ich bestätigt durch das Volumen des Aktientauschangebots, das etwa dem Finanzierungsbedarf im kommenden Jahr entspricht. 

Für Semapa hat sich das Investment in Portucel schon gerechnet, die Aktie hat sich seit der Krise 2010 verdoppelt. Ein schrittweiser Ausstieg ist daher in meinen Augen kein schlechtes Omen für Portucel. Das Angebot läuft heute aus. Ab der kommenden Woche dürfte Portucel daher meiner Einschätzung nach ein wenig auf Erholungskurs gehen. Wir bleiben also dabei. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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