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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 08.02.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.02.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Merck & Co: schmerzfrei durch schwierige Zeiten?

Der US-Pharmariese hat in der vergangenen Woche seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2008 vorgelegt. Steigende Gewinne und die bestätigten Prognosen für das laufende Jahr 2009 ließen die Investoren frohlocken. Die Aktie legte zu. Möglicherweise setzt sich daher nun die seit November vergangenen Jahres auszumachende Aufwärtsbewegung fort, sodass das Papier eine Spekulation wert sein könnte.

Die Pharmabranche gilt generell als relativ resistent gegenüber einer nachlassenden Wirtschaftsdynamik, und trotz Rezession dürfte der Markt für Arzneimittel weiter wachsen. Der zunehmende Wohlstand in Schwellenländern und die immer älter werdende Bevölkerung sind hier treibende Faktoren. Zwar dürften die Steigerungen in den USA, dem weltweit wichtigsten Absatzmarkt für Medikamente, nicht ganz so üppig ausfallen wie in den vergangenen Jahren, da hier sicher die Wirtschaftsschwäche Spuren hinterlassen wird. Durch zunehmende Verkäufe in Europa und Japan sowie kräftig steigende Wachstumsraten in Schwellenländern könnte dies allerdings ausgeglichen werden.


Kostensenkungen

Hauptproblem für die Pharmahersteller ist vielmehr der zunehmende Druck durch billigere Nachahmerprodukte, den sogenannten Generika. In diesem und in den nächsten Jahren verlieren weltweit viele Medikamente ihren Patentschutz, sie können dann lizenzfrei „nachgebaut“ werden, was die forschende Pharmaindustrie, die enorme Summen in die Entwicklung steckt, vor große Herausforderungen stellt. So auch für Merk & Co. Im Schlussquartal 2008 waren die Auswirkungen bei einigen wichtigen Medikamenten bereits weiter zu spüren, hieß es aus dem Unternehmen. Es gilt daher einerseits die Entwicklung neuer Produkte weiter voran zu treiben. Auf der anderen Seite hat die Branche noch einiges an Einsparpotenzial. Es gibt teilweise noch viele ineffiziente Prozesse, sodass hier Möglichkeiten zur Steigerung der Ertragskraft bestehen. Diese will auch Merck & Co nutzen, und der Konzern hatte in der jüngsten Vergangenheit bereits an der Kostenschraube gedreht. Durch ein vor drei Jahren aufgelegtes Programm hatte er mehr als 10.000 Stellen abgebaut. Ende 2008 bei Vorlage der Neunmonatsbilanz kündigte das Unternehmen einen erneuten Abbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen an. Konkret sollen bis Ende 2011 12% der weltweit vorhandenen Stellen wegrationalisiert werden. Dies entspricht etwa 7.200 Jobs. Mit diesen Maßnahmen will man 4,2 Mrd. US-Dollar einsparen. Die Kosten wurden mit 1,6 bis 2 Mrd. US-Dollar beziffert.


Steigende Gewinne

Die Profitabilität könnte somit weiter steigen. Im vierten Quartal 2008 hatte der Konzern nach Steuern 1,64 Mrd. US-Dollar verdient. Im Vorjahreszeitraum war wegen Belastungen im Zusammenhang mit der gerichtlichen Einigung im Skandal um das Schmerzmittel „„Vioxx“ noch einen Verlust von 1,63 Mrd. US-Dollar angefallen. Das Ergebnis je Aktie (EPS) verbesserte sich daher von minus 0,75 auf plus 0,78 US-Dollar. Bereinigt um Sondereffekte stieg der Gewinn je Aktie von 0,80 auf 0,87 US-Dollar. Der Umsatz verringerte sich unterdessen um 3% auf rund 6 Mrd. US-Dollar. Ungünstige Wechselkurseffekte hatten nach Angaben des Unternehmens die Einnahmen um 1% gedrückt. Im Gesamtjahr waren indes positive Währungseffekte zu verzeichnen, sodass die Erlöse nur um 1% auf 23,9 Mrd. USDollar sanken. Bereinigt lag das Minus bei 4%. Der Nachsteuergewinn kletterte indes von 3,28 auf 7,81 Mrd. US-Dollar und das EPS verbesserte sich von 1,49 auf 3,64 US-Dollar. Während 2007 unter anderem Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Vioxx-Skandal von 4,85 Mrd. US-Dollar belasteten, enthielt der Gewinn 2008 einen positiven Einmalertrag vor Steuern von 2,2 Mrd. US-Dollar. Um derartige Sonderaufwendungen und Einnahmen bereinigt, verbesserte sich der Profit je Aktie von 3,20 auf 3,42 US-Dollar.


Prognosen bestätigt

Bei Vorlage der Bilanz bestätigte Firmenlenker Richard Clark die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2009. Der Umsatz soll zwischen 23,7 bis 24,2 Mrd. US-Dollar liegen. Er schränkte jedoch ein, dass man bislang eher davon ausgeht, dass die Erlöse in der unteren Hälfte der Spanne liegen werden. Das EPS sieht der Konzern zwischen 2,95 und 3,17 US-Dollar. Um Sondereffekte bereinigt, zu denen die Kosten für die laufenden Restrukturierungen von 400 bis 600 Mio. US-Dollar vor Steuern zählen, dürften es 3,15 bis 3,30 US-Dollar sein.


Wachstumsstrategien

Der Vorstand zeigte sich mit der Entwicklung im Geschäftsjahr 2008 zufrieden und hob das breite Produktportfolio hervor, mit dem man sich gegen die zunehmenden Herausforderungen stemmen konnte. Geholfen haben zudem Kosteneinsparungen und die laufenden Restrukturierungsbemühungen. Sie ermöglichen Merck & Co, seine Wachstumsstrategien konsequent weiter zu verfolgen. Dazu gehören die weitere Erschließung der Emerging Markets und die Bildung der neuen Division BioVentures, in der künftig Biotechmedikamente entwickelt werden sollen. Die Ende 2008 gegründete Tochter wird vor allem auf verbesserte Versionen derzeit zugelassener Biotherapeutika setzen, sogenannte Follow-on-biologics (FOBs). Bis zum Jahr 2012 sollen fünf dieser hierzulande Biosimilars genannten „Bio-Generika“ kurz vor der Markteinführung stehen. Aber nicht nur organisch will der Konzern wachsen. Der Vorstand erläuterte jüngst, dass man auch größere Zukäufe erwägt, die signifikante Synergien generieren könnten.


Fazit:

Merck & Co hat zwar einige Herausforderungen zu meistern, mit den jüngst vorgelegten Ergebnissen sowie den Prognosen scheint der Pharmariese seine Investoren jedoch zumindest kurzfristig überzeugt zu haben, dass dies zu schaffen ist. Ob sich die eingeleiteten Maßnahmen für künftiges Wachstum, wie die Bildung der Tochter BioVentures, auszahlen, muss indes abgewartet werden. Die Ansätze klingen jedoch plausibel. Insgesamt betrachtet könnten daher aus fundamentalen Gesichtspunkten derzeit spekulative Long-Positionen in Erwägung gezogen werden. Zu unserer Einschätzung passt auch die Charttechnik. Die Aktie zeigt eine Abwärtsbewegung ausgehend von dem im Dezember 2007 erreichten Mehrjahreshoch, die ihren Tiefpunkt im November vergangenen Jahres hatte. Seither hat sich ein mittelfristiger Aufwärtstrend gebildet, im Rahmen dessen auch die Abwärtstrendlinie (Verbindung der Hochs von Januar 2008, August 2008 und Oktober 2008) überwunden werden konnte. Es folgte bis Januar 2009 ein Anstieg auf 31,66 US-Dollar, bevor dann eine Korrektur einsetzte, die als Pullback auf den zuvor nach oben durchbrochenen Abwärtstrend interpretiert werden könnte, was somit den Ausbruch bestätigt. Angesichts der positiven Tendenz in der vergangenen Woche kratzte der Kurs nun auch an der flacheren Abwärtstrendlinie. Wird sie nach oben durchbrochen rückt das Zwischenhoch von Januar dieses Jahres bei 31,66 US-Dollar in den Fokus. Ein Sprung darüber dürfte den Weg frei machen bis zum nächsten Widerstand bei etwa 36,80 US-Dollar.


OPTIONSSCHEIN-TRADING

Investoren, die sich der Risiken bewusst sind, können versuchen, mögliche Kurssteigerungen mit Derivaten zu hebeln. Auf den Basiswert Merck & Co gibt es dazu auch ein paar Hebelzertifikate. Interessant davon ist beispielsweise der Unlimited Bull der Commerzbank. Ausgestattet mit einer theoretisch unbegrenzten Laufzeit liegt die Knockout- Schwelle aktuell bei 23,64 US-Dollar und damit unter unserem bevorzugten Stop-Loss auf Aktienkursbasis von 27,50 US-Dollar. Der Hebel beträgt aktuell rund vier.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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