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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 01.08.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.08.2013:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Licht und Schatten im Ölservicesektor

Seit Monaten befinden sich Aktien von US-Ölserviceunternehmen im Aufwind. Die Produkte und Dienstleistungen dieser Zunft werden für die Mineralölkonzerne angesichts des relativ hohen Ölpreises immer wichtiger, da konventionelle Vorkommen zunehmend erschöpft sind und neue Vorkommen nur mit deutlich höherem Aufwand erschlossen werden können. Das Know-how der Serviceunternehmen erstreckt sich auf das Suchen und Fördern von Öl und Gas, das Projektmanagement, die Untersuchung des Untergrundes sowie die Planung und Errichtung von Pipelines, Bohranlagen und Flüssiggasterminals.

Erst innovative Bohr- und Fördertechnologien der Serviceunternehmen haben den Schieferöl- und Schiefergasboom in den USA überhaupt erst ermöglicht. Nur durch horizontales Bohren und Fracking konnten in Schiefer und dichtem Sandstein gebundene Öl- und Gasvorkommen erschlossen werden. Davon profitieren naturgemäß vor allem die großen und breit diversifizierten US-Dienstleister wie BAKER HUGHES, SCHLUMBERGER und HALLIBURTON. Insbesondere Halliburton kommt eine Führungsrolle
zu, hat man doch im amerikanischen Schieferöl- und -gasgeschäft eine starke Position und in einigen Teilbereichen auch die Technologieführerschaf inne.

Europäische Öl- und Gasserviceunternehmen haben von dem US-Boom dagegen kaum profitiert. Das liegt daran, dass diesseits des Atlantiks die unkonventionelle Förderung von Öl und Gas noch in den Kinderschuhen steckt und z. T. auch wegen Umweltbedenken ein stärkerer Gegenwind herrscht. Zudem sind europäische Branchenvertreter nicht so breit aufgestellt wie ihre US-Kollegen. Da sie sich oft nur auf Teilbereiche spezialisieren, sind sie mit den US-Branchenkollegen kaum vergleichbar.

SAIPEM (869 060; 15,33 €) war in den vergangenen Monaten negativer Trendsetter in Europa. Das Unternehmen, an dem ENI eine 43 %-Beteiligung hält, musste seit Jahresbeginn eine beispiellose Serie von Gewinnwarnungen für dieses und das zurückliegende Geschäftsjahr kommunizieren. Im Juni musste man unter neuer Führung ein weiteres Mal die Prognose reduzieren. Anfang Juli gab es dann noch eine Havarie mit einer Hub-Bohrinsel vor der Küste Angolas. Dazu gibt es noch Bestechungsvorwürfe in Algerien, höhere Kosten für Projekte in Kanada und Mexiko sowie technische Probleme mit einem neuen Unterwasser-Leitungsverlegungsschiff. Möglicherweise hat der Aktienkurs bereits das Schlimmste hinter sich, aber wegen vieler ungelöster Probleme und der daraus resultierenden Prognoseunsicherheit empfi ehlt sich der Kauf auch weiterhin nicht.

Saipem hat die Aktien fast aller europäischer Branchenkollegen mit nach unten gezogen. Das war vielfach ungerechtfertigt. Außer bei SUBSEA 7 (889 539; 14,15 €). Das norwegische Ingenieurs- und Bauunternehmen ist spezialisiert auf die unterseeische Förderung von Öl und Gas. Zuletzt geriet der Kurs unter Druck, weil es bei einem Projekt vor der brasilianischen Küste Verzögerungen wegen Nachschub-, Zoll- und Wetterproblemen gab. Das verursacht zusätzliche Kosten von 250 bis 300 Mio. $. Bei einem für 2013 angepeilten Umsatz von 6,6 Mrd. $ sind das keine Peanuts. Auch bei dieser Aktie ist das Chance-/Risiko-Verhältnis derzeit zu ungünstig.

TECHNIP (891 997; 83,11 €) ist ein französischer Anlagenbauer. Mit 26.500 Mitarbeitern dürfte man im laufenden Jahr einen Umsatz von 9,4 Mrd. € erwirtschaften. Das Geschäft ist in fünf Bereiche aufgeteilt: Services, Fleet & Facilities, Subsea, Offshore und Onshore. Technip entwickelt und baut Anlagen, die Ölprodukte, Gas und Chemikalien herstellen. Dazu kommen noch Offshore-Anlagen für Öl- und Gasunternehmen. Technip weist über die Jahre ein solides Umsatz- und Gewinnwachstum auf. Die Bewertung ist mit einem KGV von 12 am oberen Ende der branchenüblichen Spanne. Dazu kommt eine halbwegs erwähnenswerte Dividendenrendite von 2,3 %.

PETROFAC (A0H F9Y; 1.284 GBp) ist ein britischer Anbieter von Dienstleistungen für Anlagen der Öl-, Gas- und Energieproduktion. Das Unternehmen ist seit 32 Jahren im Geschäft. Mit 18.000 Mitarbeitern ist man weltweit in 29 Ländern aktiv. Auch hier gibt es ein stetiges Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Mit einem KGV von 8 ist die Aktie günstig, während die Dividendenrendite von 3,6 % im Branchenvergleich recht hoch ist.

AMEC (870 306; 1.059 GBp) ist ebenfalls ein britisches Bau- und Anlagenbauunternehmen. Neben komplexen Anlagen für die Erdöl- und Erdgasgewinnung und -veredelung sowie Anlagen für die Energiegewinnung und den Bergbau ist man aber auch im klassischen Baugeschäft tätig. Mit 29.000 Mitarbeitern ist man in 32 Ländern vertreten. Amec überzeugt ebenfalls durch ein stetiges Wachstum. Hervorhebenswert ist die Dividendenrendite von 3,8 %.

C.A.T. OIL (A0J KWU; 14,15 €) hatten wir in den vergangenen Monaten bereits positiv begleitet. Die Österreicher sind mit Rekordzahlen ins neue Jahr gestartet. Zudem soll die Dividende auf 0,25 € verdoppelt werden. Mit KGV 18 ist das Papier allerdings mittlerweile recht teuer. Halten, aber bei 11,50 € absichern! Bei SCHOELLER-BLECKMANN (907 391; 85 €) gab es dagegen im 1. Quartal einen Rücksetzer. Dennoch ist man wegen guter Auftragseingänge für 2013 optimistisch. Wegen des KGVs von 19 nur noch eine Halteposition mit Stop Loss-Limit bei 70 €.

Fazit: Bei den europäischen Branchenvertretern bietet sich vor allem bei Petrofac der Einstieg an. In den USA kann Halliburton auch nach den jüngsten Kurszuwächsen noch gekauft werden.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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