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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 13.12.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 13.12.2012:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Lassen Sie sich herauspressen - das lohnt sich fast immer

Squeeze-Outs sind für die Aktionäre ein sehr lukratives Endspiel. Allein in diesem Jahr wurden bei mehr als zwei Dutzend deutschen Unternehmen solche Verfahren angekündigt oder abgeschlossen. Was verbirgt sich genau dahinter und wie können Sie davon profitieren? Der Weg zum Squeeze-Out:

1. Am Anfang steht immer das erste Angebot. Hier gibt es zwei Arten von Geboten: Zum einen das Pflichtangebot, wenn der Bieter die 30 %-Schwelle am Zielunternehmen überschreitet, zum anderen das freiwillige Übernahmeangebot, wenn das Unternehmen weniger als 30 % der Anteile besitzt. Im Zuge dessen wird es oft schon interessant, sich in der Zielgesellschaft zu engagieren, auch wenn der Kurs infolge des Gebotes bereits deutlich gestiegen ist. Denn:


2. Wer über die 30 %-Schwelle geht oder ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitet, der will in der Regel mehr als 30 oder 50 %. Idealerweise kommt der Bieter mit seinem ersten Gebot gleich über die Schwelle von 75 %. Oder er bessert das Angebot nochmals nach, um diese Schwelle zu erreichen. Sie ist wichtig, um wichtige Beschlüsse auf der Hauptversammlung, wie z.B. Kapitalmaßnahmen, durchzusetzen. Um aber auch direkten Einfl uss auf das operative Geschäft ausüben zu können, bedarf es eines weiteren Schrittes.


3. Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag: Das beherrschte Unternehmen übergibt dem herrschenden Unternehmen die Leitung und ist weisungsgebunden. Zudem muss es während der Vertragsdauer den gesamten Jahresüberschuss abführen. Im Gegenzug werden Verluste vom herrschenden Unternehmen übernommen. In der Regel geht solch ein Vertrag mit einem neuen Angebot einher, welches aber nicht unbedingt attraktiv ist. Attraktiver dagegen:


Im Vertrag ist auch eine jährlich wiederkehrende Ausgleichszahlung an die Minderheitsaktionäre festgeschrieben. Diese sog. Garantie-Dividende wird unabhängig vom Erfolg des Unternehmens vom herrschenden Unternehmen ausgeschüttet.


Dividendenrenditen von 5 bis 6 % jährlich sind normal. Mit Bekanntgabe eines solchen Vertrages kommt es in der entsprechenden Aktie oft zu einem weiteren Kurssprung. Gerade in Zeiten negativer realer Renditen sind Zinssätze von 5 bis 6 % ein Eldorado. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Aktien mit Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sich Krisen komplett entzogen haben und bei geringer Volatilität völlig losgelöst von der Verfassung der Aktienmärkte laufen.


4. Der Squeeze-Out: Mit dem Squeeze-Out wird das Finale eingeleitet. Ab einer Beteiligung von 95 % können die restlichen Aktionäre per aktienrechtlichem Squeeze-Out herausgedrängt werden. Meist liegt ein Delisting in den Kosten begründet. Denn sind nur noch wenige Prozent einer Firma an der Börse notiert, lohnt das Listing in der Regel nicht mehr. Nach dem Rückzug von der Börse kann sich der Großaktionär zum Beispiel die teuren Hauptversammlungen sparen, er besitzt zudem die volle Handlungsfreiheit. Mit dem Squeeze-Out wird den Aktionären ein weiteres Übernahmeangebot unterbreitet. Das Mindestgebot ist der umsatzgewichtete Durchschnittskurs der letzten drei Monate. Oftmals wird aber auch deutlich mehr geboten. Denn:


5. Nach dem Squeeze-Out kommt es vor Gericht meistens zu einem Spruchstellenverfahren. Hier wird die Angemessenheit der Abfindung infolge von Aktionärsklagen überprüft. So ein Verfahren zieht sich oft über mehrere Quartale bis zu mehreren Jahren hin. Das sollte Sie nicht abschrecken.


Das Kapital ist in dieser Zeit nicht gebunden. Statt der Aktien liegen im Depot nach dem Squeeze-Out sog. Nachbesserungsrechte, die auch nach Jahren noch greifen. Und: Der potenzielle Nachbesserungsbetrag wird auch noch mit dem Basiszinssatz zzgl. 5 % jährlich verzinst.


Wichtig zu wissen: Es gibt meistens eine Vielzahl von Interessengemeinschaften, die nach einem Squeeze-Out Klage einreichen. Da das Gesetz vorsieht, dass alle Aktionäre gleich behandelt werden müssen, gilt sowohl die Nachbesserung als auch die Entscheidung der Spruchstelle - unabhängig von einer Klage - für alle Minderheitsaktionäre.


2012 lagen die durchschnittlichen Renditen dieser Nachbesserung bei rd. 16 %. Das kann sich sehen lassen. Folgende Kandidaten halten wir in Bezug auf potenzielle Beherrschungsund Gewinnabführungsvertr.ge oder Squeeze-Outs für lukrativ:
 

DT. POSTBANK (WKN: 800 100; 32,05 €): Die Dt. Bank hält inzwischen 93,9 % der Anteile. Es gibt einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Die Garantiedividende liegt bei 1,89 € je Aktie. Das entspricht einer Dividendenrendite von knapp 6 %. Die deutsche Post hatte einst 45 € je Aktie für ihren Anteil an der Postbank von der Dt. Bank erhalten. Wir sehen eine Chance Richtung 40 € im Zuge eines Squeeze-Outs und anschließendem Spruchstellenverfahren.


SCHULER AG (WKN: A0V 9A2; 19,59 €): Andritz kommt inzwischen auf 90 % an Schuler. Hier wartet man noch auf die Zustimmung der Kartellbehörden Chinas und Brasiliens. In Unternehmenskreisen geht man davon aus, dass dies nur noch Formsache ist. Danach wird es wohl zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag kommen. Wir rechnen mit einer Garantiedividende von mindestens 1,20 € je Aktie.


Weitere Squeeze-out-Kandidaten sind: Colonia Real Estate, wo TAG Immobilien auf 79 % aufgestockt hat, Demag Cranes, wo Terex inzwischen 82 % der Anteile hält, Generali Deutschland, wo die italienische Mutter auf 93 % kommt, und Douglas (Advent mit 93 %).


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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