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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 11.02.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 11.02.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Langfristige Chancen im Ölsektor

Es bedarf keines Genies, heute bereits folgende Aussage zu treffen: Auf Sicht von drei bis vier Jahren sind mit Aktien des Ölsektors, die vielfach unter Buchwert notieren, Gewinne von 100 % und mehr drin - vorausgesetzt, Sie investieren in solche Titel, welche die schwerste Öl-Baisse seit 45 Jahren überleben. Dazu gehört eine solide bilanzielle Ausgangslage. Schließlich geht die Rechnung nur dann auf, wenn die Aktionäre nicht über unzählige Kapitalerhöhungen verwässert werden.

Ein Investment im Ölsektor bedarf zudem Ausdauer und Coolness. Denn: Wo die Böden beim Öl bzw. bei den entsprechenden Titeln erreicht werden, weiß letztlich niemand. Dass die Trendwende kommen wird, ist offensichtlich. Denn Öl ist kein Auslaufmodell. Die Ölnachfrage nimmt kontinuierlich zu, wie die nebenstehende Grafik zeigt. Somit ist nicht die Ölnachfrage, sondern das hohe Ölangebot, welches durch die amerikanische Fracking-Industrie signifikant ausgeweitet worden ist, das Problem.

Der Abbau der überschüssigen Förderkapazitäten braucht seine Zeit. Das gilt vor allem, wenn sich das Weltwirtschaftswachstum verlangsamen sollte und die Nachfrage weniger stark steigt als jetzt noch prognostiziert. Vor Mitte 2017 ist nicht mit einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu rechnen. Allerdings nimmt der Ölmarkt nachhaltige Tendenzen des Spreads zwischen Angebot und Nachfrage um mindestens sechs Monate vorweg. Somit gilt die Bodenbildung innerhalb der nächsten sechs bis 12 Monate als wahrscheinlich.

Zu Tiefstkursen kaufen und zu Höchstkursen verkaufen können nur Lügner. Händeln Sie Ihren Einstieg in den Ölsektor am besten in Form eines Sparplanes über die nächsten Monate. Wer eine Position über 20.000 € aufbauen möchte, plant fünf Schritte a 4.000 € ein. Folgende Kandidaten halten wir langfristig für aussichtsreich:

ROYAL DUTCH (WKN: A0D 94M; 19,12 €) gehört zu den größten Öl-Multis der Welt. Durch die Akquisition der BGGroup wird man zu einem global führenden Unternehmen in den Bereichen Flüssiggas (Liquefi ed Natural Gas, LNG) und Tiefsee-Öl. Mit der angekündigten Kürzung der Investitionen von 47 Mrd. $ auf 33 Mrd. $ bis 2016 kann Cash einbehalten werden, so dass die Dividende in Höhe von 1,88 $ je Aktie zunächst gesichert ist. Eine Kapitalerhöhung zeichnet sich nicht ab. Zudem gibt es den Titel deutlich unter Buchwert.

Die etwas spekulativere Wette lautet CONOCO PHILLIPS (WKN: 575 302; 33,58 $). Erstmals seit 25 Jahren muss der US-Öl-Multi seine Dividende kürzen, und zwar kräftig von 74 Cent auf 25 Cent pro Quartal. Zu den aktuellen Ölpreisen schreibt Conoco rote Zahlen. Das ist auch für 2016 zu erwarten. Allerdings lässt der starke Cashflow keinen Zweifel an der Schuldendienstfähigkeit (25 Mrd. $ Finanzverbindlichkeiten) aufkommen. Wir schließen eine weitere Dividendenkürzung nicht aus. Gleichwohl notiert die Aktie inzwischen auf Buchwert-Niveau bei einer soliden Eigenkapitalquote von 40 %.

Bei den Öl-Ausrüstern ist die Situation brisanter als bei den großen Öl-Multis. Vor wenigen Wochen erst hat der staatliche brasilianische Ölkonzern Petrobras seine Investitionspläne für die Periode 2015 bis 2019 gekürzt, von 130 auf 98 Mrd. $, und liegt damit voll im Trend. Morgan Stanley geht branchenweit zwischen 2014 und 2017 von einem Rückgang der Investitionen um 34 % aus. Das ist die Grundlage für wieder steigende Ölpreise. Deshalb ist es bei den Ausrüstern von entscheidender Bedeutung, dass die Bilanzqualität stimmt, um die „Saure-Gurken-Zeit“ zu überstehen. Dreht der Ölpreis, werden es diese Unternehmen sein, die ihre Marktanteile am schnellsten ausbauen können. Nebenstehende Tabelle enthält die Top-5-Ausrüster mit der besten Bilanzqualität. Um KGVs geht es jetzt nicht. Die liegen per 2016 allesamt jenseits von Gut und Böse.

Steigende Ölpreise werden bei diesen Titeln hohe Kursgewinne zur Folge haben. Dazu ein aktuelles Ölpreisszenario der Credit Suisse: Per 2017 sehen die Analysten den Ölpreis bei 57,75 $ und per 2018 bei 71,75 $ je Barrel.

Wer die Branche möglichst komplett abdecken möchte, setzt auf den db x-trackers MSCI World-Energy-Index (DBX 0HC; 20,78 €). Dieser ETF eignet sich für Anleger, die breit diversifiziert und kostengünstig auf eine solche Erholung des Sektors setzen. Der ETF bildet die Wertentwicklung des MSCI World-Energy-Index ab. Dieser enthält die größten 113 Unternehmen aus 15 Ländern. Dividenden werden reinvestiert. Die jährlichen Kosten mit 0,45 % sind überschaubar. Der ETF ist grundsätzlich sparplanfähig!

Etwas spezieller ist der iShares Oil & Gas Exploration & Production ETF (WKN: A1J S9C; 10,86 €). Größte Position mit rd. 13 % Gewichtung ist ConocoPhillips, gefolgt von EOG Resources mit rd. 8 % und Anadarko Petroleum mit ca. 5 %. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,55 %. Dividenden werden reinvestiert. Der ETF ist sparplanfähig!

Fazit: Wer auf einer hohen Liquiditätsquote sitzt, beginnt mit ersten kleinen Investments im Ölsektor. Fahren Sie hier eine Art Sparplan über sechs bis 12 Monate. Anders geht es nicht.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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