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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 13.09.2010

Kinghero: Chinesisches Modelabel setzt sich gekonnt in Szene

Kinghero: Chinesisches Modelabel setzt sich gekonnt in Szene

Der jüngste Neuzugang an der hiesigen deutschen Börse startete vor ziemlich genau einem Monat unauffällig. Bei einem Emissionspreis von 15 Euro debütierte Kinghero, die chinesische Modekette, auch genau dort. Der Performaxx-Anlegerbrief hatte Ihnen zu einer Zeichnung geraten bzw. zu einem späteren Kauf, sobald die Papiere notiert sein würden. Nun legte Kinghero erstmals seit dem Listing Geschäftszahlen vor – und die können sich sehen lassen! Die Aktie ist weiterhin empfehlenswert.

Kein Wachstum: gibt’s nicht Von den Anfang August angebotenen 2 Mio. Aktien, die zwischen 14,50 und 18,50 Euro kosten sollten, konnten die Chinesen nur rund die Hälfte platzieren. Und auch dies nur relativ weit am unteren Ende der Zeichnungsspanne. Ein Kursdebakel in den ersten Tagen der Notiz blieb jedoch aus. Die Anteilsscheine wurden somit mit einem laufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,5 ausgegeben – es gab schon teurere Aktien. Der Börsengang in den Entry Standard war unter dem Strich vielleicht nur ein halber Erfolg für Kinghero, andererseits konnten und können Anleger damit sehr günstig in den Genuss dieses interessanten Unternehmens kommen. Die Expansionspläne werden aufgrund des niedrigen Emissionserlöses tatsächlich etwas weniger umfänglich ausfallen als ursprünglich ins Auge gefasst. Ein Problem für Kinghero? – mitnichten. Die Gesellschaft wollte den Börsengang unbedingt, wie wir aus vertraulicher Quelle wissen. Nötigenfalls hätte es sogar eine einfache Notierungsaufnahme ohne gleichzeitige Kapitalmaßnahme getan. Bei einer Eigenkapitalquote von 75 %, keinen langfristigen Schulden und üppigen operativen Margen (zuletzt bis zu 30 %) ist der „bunte Hund“ sehr gut gerüstet für die Zukunft. Local Hero Die 1986 gegründete Modemarke ist in ihrem Heimatland China alles andere als unbekannt. Zahlreiche Awards konnte Kinghero, Top-10-Mitglied der chinesischen Modeausstatter, bereits einfahren. Das Unternehmen operiert in drei Viertel der chinesischen Provinzen mit über 100 Läden und Shop-in-Shops. Selbst betriebene Läden („Flagship Stores“) sollen erst mit Hilfe des Emissionserlöses aufgebaut werden – die gesamte Marge bleibt dort beim Label. Es ist wahrscheinlich, dass Kinghero die ambitionierten Ausbaupläne für eben diese Flagship Stores aufgrund des geringeren IPO-Erlöses (einstweilen) zurückschrauben wird. Sicherlich nur temporär: Denn Kinghero ist dermaßen profitabel, dass der weitere Ausbau auch aus dem laufenden Geschäfts heraus fortgesetzt werden kann, vielleicht mit einer leichten Verzögerung von einem Jahr im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen. Der Nettogewinn des Jahres 2010 entspricht ziemlich genau dem Mindererlös beim IPO. Auf der sicheren Seite Die Zeit spielt zudem für das aufstrebende Unternehmen. Zum einen wächst der Wohlstand im Reich der Mitte kontinuierlich und unaufhaltsam; zum anderen ist der Trend zur Verstädterung intakt – beides zusammen versetzte Kinghero in die beneidenswerte Lage, in den zurück liegenden Jahren jeweils mit Raten von ca. 40 % und damit klar schneller als die heimische Textilindustrie zu wachsen. Und die wiederum legte bereits mit Raten weit über dem chinesischen BIP-Wachstum zu. Enorm starke H1-Zahlen Dies spiegelte sich nun gut sichtbar in den Halbjahreszahlen, die Kinghero vor wenigen Tagen präsentierte. Demnach kletterten die Erlöse gleich mal um über die Hälfte auf 32,9 Mio. Euro. Die Gesamtjahresprognose von 72 Mio. Euro dürfte sogar eher übertroffen werden, denn das letzte Quartal lag bereits bei 18 Mio. Euro. Wir gehen von mindestens 75 Mio. Euro für 2010 aus. Bei einer EBIT-Marge von zuletzt knapp 30 % wären dies 22,5 Mio. Euro. Um das ins Verhältnis zu setzen: Der Firmenwert liegt aktuell bei 96,5 Mio. Euro, d.h. Kinghero wird momentan mit dem gerade einmal 4,3-fachen des 2010er EBIT gehandelt. Das KGV (2010) liegt bei nur 6,5. Dies alles vor dem Hintergrund eines Umsatz- und Gewinnwachstums (CAGR) von, konservativ angesetzt, mindestens 30 %. Bewertung im Vergleich: Spitze Wenn das keine attraktive Mode-Aktie ist, dann gibt es wohl keine: Kinghero spielt in einer Liga mit H&M und Zara, die beide in punkto Preissegment und Markenstellung mit Kinghero vergleichbar sind. Auf 27 % EBIT-Marge (2009) kommt sonst allerdings kein anderes Modeunternehmen der Vergleichsgruppe. Nicht zu vergessen, dass Kinghero seine Wertschöpfungskette durch neue Flagship Stores ja gerade erst noch erweitert und zudem zwei Fabriken preisgünstig übernimmt. Angesichts der ohnehin schon vorbildlichen Bilanz und Margen ist der gegenwärtige Kurs ein Schnäppchen, erst recht da Fast Retailing (Japan) oder China Lilang fast auf das doppelte KGV kommen. Konsortialbank BankM sieht den fairen Wert dann auch folgerichtig bei ca. 25 Euro. Diesem Urteil können wir uns nur anschließen. Fazit Wir waren zum Börsengang vor einem Monat von Kinghero überzeugt und sind es nach den vorgelegten Halbjahreszahlen nicht minder. Zweifellos ist stets die Frage, mit wie viel Abschlag auf deutsche/europäische Peergroup-Unternehmen eine chinesische Aktie gehandelt wird. Es hat auch sehr lange gedauert, bis Asian Bamboo endlich entdeckt wurde. Dies ist auch bei Kinghero, deren Fall ganz ähnlich liegt in Bezug auf Bilanz und niedriger Bewertung, nicht auszuschließen. Wir empfehlen, eine Position als Depotbeimischung zum aktuellen Kurs aufzubauen. Angesichts eines fairen Werts von rund 25 Euro kommt es nicht auf einen Cent mehr oder weniger an. Wie beschrieben müssen Investoren jedoch möglicherweise etwas Geduld mitbringen – denn Andere müssen die Aktie ebenfalls entdecken.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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