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Veröffentlicht von SWISSINVEST am 21.12.2017

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 21.12.2017:

Börsenbrief BÖRSENSIGNALE
BÖRSENSIGNALE

SWISSINVEST - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Juni 1987

Keine Jahresendrally 2017?

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, doch eine echte Jahresendrally ist nicht in Sicht. Wie lange wird es nun überhaupt noch weiter aufwärts gehen am Aktienmarkt? Das ist die Frage, die alle umtreibt. Denn dass die Kurse mittlerweile einfach viel zu hoch sind, bezweifelt die Mehrheit der Anleger wohl kaum noch.

Auch wenn man sich in den kommenden Wintermonaten noch einige Kursgewinne erhofft, so stehen im Grunde alle in den Startlöchern, um ganz schnell rauszukommen, wenn der Trend dann irgendwann plötzlich drehen wird. Allerdings lässt sich eben nie sagen, wie lange solche Übertreibungsphasen, wie wir sie bereits seit längerer Zeit an der Börse haben, letztlich andauern werden. Meist dauern sie zumindest länger, als es die Mehrheit der Anleger erwartet!


Unser Weltaktienindex befindet sich auf Rekordhöhe!

Ganz zu Recht waren im Sommer ja Viele darauf vorbereitet, dass es zu einer Korrektur kommen würde. Doch nichts geschah. Im Gegenteil erlebten wir eine Art Sommer-Rally. Als sich dann wiederum alle auf der sicheren Seite wähnten, und der DAX am Anfang des traditionell guten Börsenmonats November neue Allzeithochs ins Visier nahm, da war plötzlich Schluss. Es ging abwärts mit dem DAX. Das ganze Geschehen war eine kleine Bestätigung dessen, was wir in den vergangenen Wochen häufiger betont hatten: Eine Korrektur kommt gerne dann, wenn niemand damit rechnet! Doch was bedeutet das für uns? Soll man sich nun gegen die Erwartungen der Mehrheit positionieren?

Mehrheitsmeinung kaum von Nutzen
Nein, denn so einfach ist die Sache mit der Mehrheitsmeinung nicht. Die Strategie, dass der Markt sich stets entgegen der Mehrheitsmeinung entwickeln wird, war früher tatsächlich einmal recht beliebt. Richtig ist aber mittlerweile, dass man sein Handeln schon lange nicht mehr danach ausrichten kann, einfach nur den Konsens unter den Anlegern zu ermitteln und dies dann als leitenden „Kontra-Indikator“ zu nutzen. Hinter dieser Strategie steht der Gedanke, dass die Mehrheitsmeinung immer schon in den Kursen enthalten sei. Denn die Anleger kaufen oder verkaufen zuerst, und erst danach tun sie dann gegebenenfalls auch ihre Meinung kund. Und wenn diese Meinung die Indizes nicht mehr sonderlich bewegen könne, weil das Handeln eben schon vor der Meinungsäußerung stattgefunden habe, dann sei nun folglich entgegengesetztes Handeln angesagt. Wenn man nun davon ausginge, dass diese Überlegungen zutreffend seien, so ließe sich aber zum einen ja gar nicht so einfach ermitteln, was die Mehrheitsmeinung eigentlich gerade ist. Und selbst wenn sie sich immer eindeutig ermitteln ließe, wäre sie zum anderen in der Konsequenz immer nur ganz kurzfristig gültig! Denn diese Strategie ist schon viel zu lange bekannt, und schnell hätten sich dann schon zu viele Anleger wieder gegen die Mehrheitsmeinung positioniert, sodass diese neue Positionierung selbst schon wieder zur neuen Mehrheitsmeinung zu werden drohte. Im Grunde dreht sich dieses System im Kreis.
Von Nutzen ist es allenfalls, wenn die Anleger in Euphorie ausbrechen. Doch davon kann derzeit trotz des hohen Kursniveaus noch nicht die Rede sein.

Konjunkturentwicklung beachten!
Wenn man sich fragt, wie lange es denn noch aufwärts gehen könne, dann darf man die Konjunktur nicht den Augen verlieren – trotz oder gerade wegen des Konsenses, dass die Weltwirtschaft „robust“ sei. In Deutschland wird der Höhenflug des Konjunkturbarometers „ifo-Geschäftsklimaindex“ nicht lange so weitergehen.
Selbst das ifo-Institut spricht ja von einem nahenden Boom. Und wenn ein Boom naht, dann geht es auch bald abwärts mit den Aktien, weil es in Zukunft eben nur noch schlechter werden kann. Immerhin kommt der DAX ja schon seit sechs Wochen nicht mehr voran, scheinbar trotz des hohen ifo, in Wirklichkeit aber vielleicht genau deswegen.


Mittelfristig folgen die US-Aktien dem Trend des ISM-Einkaufsmanagerindes

Und in den USA könnten sich außerdem zum Jahreswechsel einige Faktoren zusammenfügen, die schon beim Jahreswechsel 2015/2016 die Kurse mitten in der Wintersaison haben einbrechen lassen. Denn ein wichtiges Konjunkturbarometer – der ISM-Einkaufsmanagerindex für die USA – könnte dann am 03.Januar 2018 zum dritten Mal in Folge gesunken sein. Freilich ist das Niveau des ISM-Index noch hoch. Aber der derzeit abnehmende Zinsabstand zwischen den am Markt gebildeten 10jhr. US-Staatsanleihen und den kurzfristigen Geldmarktzinsen spricht auch nicht dafür, dass die Konjunktur noch weiter anziehen wird, was wir ja bereits in unserer letzten Ausgabe 25/2017 näher erläutert hatten.


Sobald die Geldmarktzinsen über den 10-jährigen Staatsanleihen notieren, droht Rezzesion!

Und auf die Kombination aus einem steigenden kurzfristigen Zinstrend, den die US-Notenbank durch die Anhebung der Leitzinsen vor wenigen Tagen befeuert hat, und schlechteren Konjunkturaussichten reagiert der Aktienmarkt in aller Regel empfindlich. Auch vor dem Jahreswechsel 2015/2016 war der ISM-Index zuvor drei Mal in Folge gesunken, und die US-Notenbank hatte dann im Dezember 2015 dennoch die Leitzinsen angehoben. Im Januar 2016 war der S&P500 dann um über 12% abgerutscht.
 
Fazit: Kaufsignale intakt
Korrektursorgen sind zwar weiterhin berechtigt, weswegen wir den Trend unserer kurzfristigen Indikatoren genau im Auge behalten müssen. Noch sind die Indikatoren aber im grünen Bereich, und auch wenn der Spielraum nach oben nicht mehr sehr groß sein mag, wird es im weiteren Verlauf der Wintersaison wohl noch ein Stück nach oben gehen.

Ihr
Uwe Lang (Chefredakteur)
Auszug aus den BÖRSENSIGNALEN Nr.: 26/2017


 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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