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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 20.12.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.12.2012:

Börsenbrief Aktionärsbrief
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Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Kanada schützt die heimische Ölsand-Branche vor ausländischen Übernahmen

Tatsächlich hat dieser Geschäftszweig für das Land eine ganz besondere Bedeutung, machen doch Ölsandvorkommen von insgesamt 170 Mrd. Barrel Kanada, gemessen an den Reserven, hinter Saudi-Arabien und Venezuela zum drittgrößten Ölstaat. Die kanadische Regierung muss allerdings einen Spagat vollziehen, hat sie doch Jahre darauf hingewirkt, ihren eigenen Einfluss auf das Eigentum in den Wirtschaftssektoren zu reduzieren und das Land für ausländische Investitionen zu öffnen. Zudem sollen die Energie-Exporte, die bisher fast ausschließlich in die USA gegangen sind, in andere Länder diversifiziert werden. Hier stehen vor allem die wachstumsstarken Länder Asiens an erster Stelle. Dabei kommt China natürlich eine besondere Rolle zu. Wie man es nicht machen sollte, haben die USA 2005 vorgemacht. Damals wurde CNOOC, dem drittgrößten Öl- und Gaskonzern Chinas, untersagt, für 18,5 Mrd. $ die kalifornische Unocal zu übernehmen. Die Folge war ein längerer Investitionsboykott Chinas in den Vereinigten Staaten. Umso mehr achtete Kanada darauf, China nicht zu brüskieren. So gestattete man erst vor wenigen Tagen, dass CNOOC den kanadischen Branchenwettbewerber Nexen für 15,1 Mrd. $ übernehmen darf. Auch die malaysische Petronas hat grünes Licht für die Übernahme des kanadischen Gasförderers Progress Energy Resources bekommen. Allerdings ist damit offensichtlich nicht ein Prozess begonnen, sondern bereits schon wieder beendet worden. Premierminister Stephen Harper verkündete, dass man den staatlichen Einfluss auf kanadische Unternehmen nicht deshalb reduziert habe, nur damit diese dann von ausländischen Regierungen gekauft und kontrolliert werden könnten.

Vor allem die wichtige Ölsand-Industrie soll vor einem Ausverkauf ins Ausland geschützt werden. O-Ton Harper: „Heimische Unternehmen aus dieser Branche sollen durch ausländische Konzerne nur noch unter „außergewöhnlichen Umständen“ übernommen werden können.“ Wie diese außergewöhnlichen Umstände definiert sind, ließ Premierminister Harper allerdings offen. Minderheitsbeteiligungen sowie die Gründung von Joint-Ventures sollen ausländischen Unternehmen dagegen auch weiterhin gestattet sein.

Unter dieser neuen Stringenz leiden vor allem die kleineren kanadischen Ölsandunternehmen. Diese wurden bisher als Übernahmekandidaten gehandelt. Zudem sind sie in besonderem Maße von ausländischem Kapital abhängig: Seit 2007 kamen im kanadischen Ölsandbereich 80 % der Investitionen aus Übernahmen und Joint-Ventures aus dem Ausland. Nun wird es für die kleineren Branchenvertreter schwer werden, Kapital für die Entwicklung ihrer Projekte einzusammeln. Dementsprechend standen die Aktien von kleineren Explorations- und Produktionsunternehmen mit Ölsandaktivitäten in den vergangenen Tagen unter Druck, allen voran CONNACHER OIL & GAS, die innerhalb von wenigen Tagen über 20 % ihres Wertes verlor. Connacher schreibt rote Zahlen, was erklärt, warum der Kurs besonders empfindlich auf die neue Nachrichtenlage reagiert hat. Zudem hatte Standard & Poor‘s am 6. Dezember das Kreditrating von „B“ auf „B-“ gesenkt, womit das Unternehmen nur noch einen kleinen Schritt vom „Junk“-Status entfernt ist. Dementsprechend sollte die Aktie strikt gemieden werden. Aber auch die beiden anderen kleineren Branchenkollegen, ATHABASCA OIL und MEG ENERGY, zeigten zuletzt deutlich relative Schwäche. Ein Kauf drängt sich auch hier nicht auf.

Große kanadische Ölsandunternehmen dürften dagegen von den jüngsten Regelungen profitieren. Die großen Branchenvertreter werden davor geschützt, dass staatliche oder staatsnahe ausländische Unternehmen in einem ohnehin schon überhitzten Sektor auf Teufel komm raus Projekte durchpeitschen, was deutlich steigende Kosten für Ausrüstung und Personal nach sich ziehen würde.

SUNCOR ENERGY (WKN: A0NJU2; 32,19 CAD) ist der kanadische Branchenprimus. Sowohl von der Börsenkapitalisierung als auch vom Umsatz her ist das Unternehmen deutlich größer als alle anderen Konkurrenten. Das äußert sich allerdings auch in mittlerweile nur noch äußerst mäßigem Wachstum. Suncor sitzt allerdings fest im Sattel, was das Risiko als Ausgleich für das geringe Wachstum mindert. Zudem ist die Bewertung mit einem KGV von 10 unter dem branchenüblichen Durchschnitt.
 

CANADIAN NATURAL RESOURCES (WKN: 865114; 27,58 CAD) ist halb so groß wie Suncor. Was den Gewinn angeht, war in den vergangenen Jahren Stagnation angesagt, wobei für 2012 von den Analysten nun sogar ein Gewinnrückgang von knapp einem Drittel erwartet wird. Das Unternehmen leidet überproportional unter dem Rückgang der Energiepreise: Seit dem im Februar erreichten Jahreshoch hat der Ölpreis bereits rund 20 % nachgegeben. 2013 dürfte man dann aber wieder Fahrt aufnehmen und das Gewinn-Niveau der Vorjahre erreichen. 

CENOVUS ENERGY (WKN: A0Y D8C; 32,43 CAD) ist ähnlich groß wie Canadian Natural Resources. Cenovus zeigt stetiges Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Für das laufende Geschäftsjahr dürfte der Gewinn um ca. 7 % zulegen, während es im kommenden Jahr sogar 13 % sein werden. Im Vergleich der großen Drei zeigt sich Cenovus Energy am agilsten. Dementsprechend präsentiert sich die Aktie auch mit einer anhaltenden relativen Stärke zum Gesamtmarkt und zu den anderen Branchenvertretern. Mit einem KGV von 16 enthält die Bewertung der Aktie auch eine angemessene Prämie. 

Fazit: Konservative Anleger sollten Suncor Energy bevorzugen. Unser Favorit ist Cenovus Energy. Canadian Natural Resources erfordert mehr Zeit und Risikofreude, wobei das Kurspotenzial hier am größten ist, wenn das Unternehmen wieder auf seinen ursprünglichen Pfad zurückfindet. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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