Das unabhängige Börsenbriefportal
Dummy user 4cd198318f7ba865ddfc9be0ce721c477cd93e564a7cc290544f95b121ea2dae
Veröffentlicht von Redaktion "zertifikate kompakt" am 31.07.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 31.07.2009:

Börsenbrief zertifikate kompakt
zertifikate kompakt

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Je mehr desto besser - Multi-Zertifikate bieten besondere Chancen

Es ist kein Geheimnis: Der Siegeszug der Exchange Traded Funds (ETFs) ging nicht zuletzt auf Kosten der Zertifikatebranche. Dies gilt vor allem für Indexzertifikate und Zertifikate, die Baskets oder Rohstoffe 1:1 abbilden. Doch im Zertifikatespektrum gibt es einen Bereich, dem ETFs nicht das Wasser reichen können: Multi- Zertifikate.

Lange Zeit haben die Emittenten mit Zertifikaten viel Geld verdient. Der Bruch begann mit der steuerlichen Benachteiligung von Zertifikaten gegenüber Fonds und Aktieninvestments. Dieser Nachteil ist seit 2009 Geschichte. Doch darüber hinaus kam es im vergangenen Jahr zum branchenspezifischen Supergau im Zertifikatesektor: zur Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Es war der erste Ausfall eines namentlich bedeutenden Emittenten und brachte damit einen Risikoaspekt der Zertifikatebranche ans Licht, den bis dahin kaum jemand beachtet hatte: das Emittentenrisiko. Der wirtschaftliche Schaden der Pleite von Lehman Brothers im Derivatesektor war damals, anders als viele Leute aufgrund des großen Medienechos glauben, sehr begrenzt. Denn Lehman Brothers hatte zum Zeitpunkt der Pleite innerhalb des Derivatesektors gerade mal einen sehr niedrigen Marktanteil von 0,13%. Aber der Imageschaden für die Zertifikatebranche war gewaltig.


Die neue Evolutionsstufe der Zertifikate

Vor diesem Hintergrund beschleunigte sich der Siegeszug der ETFs, die Zertifikaten schon vorher immer mehr Marktanteile im Bereich der Indexzertifikate, Basket- Zertifikate und einfachen 1:1-Zertifikate abgejagt hatten. Aufgrund des fehlenden Emittentenrisikos, der niedrigeren Kosten und den geringeren Spreads schienen ETFs für Anleger schlicht und ergreifend attraktiver als die klassischen Zertifikate. Doch die Zertifikatebranche hat darauf inzwischen reagiert und sich der neuen Situation angepasst. Wie in der Natur hat dieser Konkurrenzkampf dazu geführt, dass die Emittenten die Zertifikate immer weiter entwickeln, um die nächste Evolutionsstufe zu erklimmen – zum Vorteil der Anleger. Nachdem die erste Generation der Zertifikate primär einfache 1:1-Zertifikate waren, deren „Lebensraum“ nun von ETFs vereinnahmt wird, lautet die nächste Evolutionsstufe der Zertifikate: Multi- Zertifikate. Denn diese Produkte verfügen über eine Struktur, welche ETFs, die ja den Basiswert einfach nur nachbilden, nicht bieten können.


Verschiedene Arten der Multi-Zertifikate

Es gibt zwei Arten von Multi-Zertifikaten. Die klassische Art sind Zertifikate, die sich auf mehr als einen Basiswert beziehen (deshalb der Zusatz „Multi“).Dieser Bereich wird aktuell noch überwiegend mit dem Begriff „Multi-Zertifikat“ in Verbindung gebracht. Ein Bespiel für solche Multi-Zertifikate sind die derzeit sehr populären Aktienanleihen. Anstatt dass sich die Anleihe nur auf einen Basiswert (z.B. Daimler) bezieht, beinhaltet eine Multi- Anleihe zwei, drei oder noch mehr Basiswerte (z.B. Daimler, Allianz und Commerzbank). Die Struktur bleibt aber gleich. Nur statt eines Basiswerts müssen nun mehrere Basiswerte eine bestimmte Entwicklung innerhalb der Laufzeit erfüllen. So dürfen diese Basiswerte z.B. bei Aktienanleihen oder Bonus-Zertifikaten nicht unter eine bestimmte Sicherheitsbarriere fallen. Damit erhöht sich natürlich das Risiko. Die Gefahr ist größer, dass eine von drei oder vier Aktien unter eine vorher definierte Sicherheitsschwelle fällt, als wenn es nur einen einzigen Basiswert gibt. Für dieses höhere Risiko erhalten Anleger auf der anderen Seite aber auch Renditen, die weit über den Kupons normaler Zertifikate liegen, und Sicherheitsschwellen, die deutlich unter den Sicherheitspuffern der klassischen Zertifikate liegen. Da Anleger bei Multi-Zertifikaten also eine Marktmeinung zu nicht nur einem Basiswert, sondern zu mehreren Basiswerten haben müssen, sollten vor allem Papiere mit kurzen Laufzeiten bevorzugt werden. Das erhöht die Prognosesicherheit.


Das Beste aus verschiedenen Welten

Die wirkliche Evolution der Zertifikatebranche ist jedoch nicht die Aufstockung von Basiswerten, sondern die Kombination von verschiedenen Zertifikatsgattungen. Derzeit sieht man immer häufiger, dass Emittenten ihre Produkte mit „100-prozentigen Kapitalgarantien zum Laufzeitende“ ausstatten. Dies ist nichts anderes als die Integration von klassischen Garantiezertifikaten in eine andere Zertifikatsgattung – daher der Begriff „Multi-Zertifikat“. Für den Anleger ist diese Entwicklung durchweg positiv. Denn so schlägt man mehr Fliegen mit einer Klappe, und das Produkt weist gleich mehrere Vorteile auf. Gleich beide Arten der Multi-Zertifikate lassen sich an der Best Garant Pharma & Biotech II-Anleihe (WKN: EB1CS2) der österreichischen Ersten Bank zeigen (Ausgabetag 31. Juli 2009). Die Anleihe bezieht sich auf einen Basket aus zwanzig internationalen Aktien aus den Bereichen Biotech, Chemie, Gesundheit und Pharma. Das entspricht der klassischen Multi-Struktur im Hinblick auf die Basiswerte. Da zwanzig Werte ein extrem großer Basket sind, liegt die Sicherheitsbarriere für jede Aktie tiefe 30% unter dem Schlusskurs vom 30. Juli 2009. Solange alle Aktien innerhalb eines Jahres an jeweils einem monatlichen Stichtag über der vorher definierten Sicherheitsbarriere liegen, erhält der Anleger einen Zinskupon von 6,6% per annum. Das ist, als Ausgleich für das deutlich erhöhte Risiko, ein hoher Zinskupon. Die meisten klassischen Anleihen bieten derzeit Zinskupons zwischen 3,6% bis 4,5%. Zudem besitzt die Anleihe eine Mindestverzinsung von 3,6%, falls mindestens eine Aktie die festgeschriebene Sicherheitsbarriere berührt oder darunter fällt. Gleichzeitig zeigt sich die neue Entwicklung der Multi-Zertifikate darin, dass die Anleihe mit einer Kapitalgarantie von 100% zum Laufzeitende ausgestattet ist. Hier wurden also die Vorteile einer Anleihe (gesicherter Zins von mindestens 3,6% pro Jahr) mit den Vorteilen eines Garantiezertifikates (Kapitalgarantie am Laufzeitende) kombiniert.


Auf die Kosten achten

Bei der Auswahl ihrer Multi-Zertifikate müssen interessierte Anleger aber unbedingt auf die Kostenstrukturen achten. Denn die Emittenten lassen sich die Multi- Strukturen häufig gut bezahlen. Die Ausgabeaufschläge sind in der Regel deutlich höher als bei klassischen Zertifikaten. So erhebt die Erste Bank auf ihre Anleihe einen Ausgabeaufschlag von 3%. Anleger sollten bei ihrer Zertifikatsauswahl in Zukunft immer noch mal recherchieren, ob es zu dem ausgewählten Zertifikat nicht auch schon ein Multi-Zertifikat gibt, das dann noch mehr Vorteile bietet.  


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


Börsenbrief zertifikate kompakt
PDF
Kostenlose Leseprobe- Ausgabe als PDF
Jetzt downloaden

© Lettertest.de - Alle Rechte vorbehalten. Datenschutz Impressum Gütesiegel