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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 08.04.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.04.2010:

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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Japan in „best shape“

Die Konjunktur-Indikatoren zeigen eine Wirtschaft im Aufschwung. Im Westen wird Japan von vielen Marktteilnehmern seit dem Platzen der Immobilien- blase 1990 als hoffnungsloser Fall angesehen. Tatsächlich halfen weder staatliche Konjunkturprogramme noch eine extrem expansive Geldpolitik Japans Wirtschaft über Jahre nachhaltig auf die Beine.

Jetzt unternimmt Japan einen neu- en, aus unserer Sicht sehr ernst zu nehmenden Anlauf. Die jüngsten Daten sind äußerst vielversprechend: Einige hatten wir Ihnen in Ausgabe 10/10 (Seite 7 - 8) im Rahmen unserer Japan-Empfehlungen schon dargelegt. Die neuesten Zahlen bestätigen diesen Eindruck: Im Februar war die Konsumlust so stark wie seit 1997 nicht mehr. Wie das Handelsministe- rium mitteilte, sprangen die Umsätze - angeregt von staatli- chen Absatzförderprogrammen - um 4,2 % in die Höhe. Auguren hatten gerade mal mit einem Plus von 1,6 % ge- rechnet. Das könnte auch bei den Preisen eine Wende ein- läuten. Diese waren seit Dezember 2008 jeden Monat rück- läufig. Grund für die positive Entwicklung ist die sehr positi- ve Entwicklung am Arbeitsmarkt. Im Januar wurden so vie- le Beschäftigungsverhältnisse geschaffen wie seit drei Jahr- zehnten nicht mehr. Der Rückgang in der Lohnsumme war der niedrigste seit 19 Monaten. Erstmals seit sieben Quar- talen stiegen die Investitionen der Unternehmen. Der Out- put der Industrie stieg im Januar mit 2,5 % so stark wie seit neun Monaten nicht. Die Auftragseingänge im Verarbeiten- den Gewerbe verzeichneten im Dezember ein Plus von 17 %. Wir wollen die negativen Signale aber nicht verschwei- gen. Deflation ist noch immer präsent. Wie M. M. Warburg dieser Tage in einer Studie berechnete, gingen die Preise bei den Gewerbeimmobilien 2009 um 6,1 % auf den niedrigsten Wert seit 1974 zurück. Zusätzliches Wachstum wird von einer Reform der Unternehmensbesteuerung erwartet. Im Vorfeld der Oberhauswahlen fordern die Demokraten eine Senkung der Unternehmenssteuern von 41 auf 31 % (Durch- schnitt in der OECD: 26 %). Angesichts einer Staatsverschuldung von 220 % eine bemerkenswerte Überle- gung. Nomura rechnet mit einem Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten. Als Gegenfinanzierung wird eine Erhöhung der Einkommenssteuer von fünf auf 10 % diskutiert. Diese trägt schon jetzt ein Viertel des Steuerauf- kommens und soll bei steigendem Konsum zu einer sprudelnden Quelle für den Staat werden. Dennoch halten wir eine solche Maßnahme für sehr unwahrscheinlich. Warum? Zu tief steckt Japan die Erfahrung von 1997 in den Knochen. Auch damals sah es so aus, als könne sich das Land aus der Krise befreien. Der Staat erhöhte die Umsatzsteuer von drei auf 5 % und provozierte dadurch einen Rückgang des Verbrauchs bei den sparfreudigen Japanern um 3 %. Es dauerte sechs Jahre, um sich von diesem Schock zu erholen. Aus diesen Gründen wurden schon 2005 Initiativen, die Umsatzsteuer sogar auf 15 % anzuheben, verworfen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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