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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 08.01.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.01.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Jahresrückblick HT 2010

Wie jedes Jahr werde ich Ihnen auch diesmal wieder Rechenschaft über die Erfolge und Misserfolge der Heibel-Ticker PLUS Empfehlungen im Jahr 2010 ablegen. Zunächst ein paar Zahlen:

Im Jahr 2010 befanden sich 31 verschiedene Positionen in unserer Beobachtungsliste. Durchschnittlich waren 12,5 Positionen offen. Meiner mir selbst auferlegten Beschränkung, nicht mehr als 10 Positionen offen zu haben, bin ich damit recht nahe gekommen. Zumal eine Position in Goldbarren und vier verschiedene Anleihen nicht unbedingt zu den arbeitsintensiven Aufgaben gehören. Zur Erinnerung: Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass man mit zehn gut diversifizierten Positionen schon eine nahezu perfekte Risikostreuung erzielen kann. Bei einer Erhöhung auf bis zu 20 Positionen werden nur noch marginale Verbesserungen erzielt. Gleichzeitig schwindet jedoch die Übersichtlichkeit des Portfolios und der Mensch neigt dazu, Leichen für lange Zeit mit sich herum zu schleppen. Für Sie als Privatanleger sind also durchschnittlich zehn offene Positionen im Portfolio mehr als genug, zumal Sie nicht den ganzen Tag damit verbringen, sich auf dem Laufenden zu halten, geschweige denn einen Mitarbeiterstab oder teure Software zu Hilfe haben. Da ich niemals alles auf eine Karte setze, sondern stets in mehreren Schritten kaufe und verkaufe, habe ich die Erfolge und Misserfolge mit entsprechenden Gewichtungen versehen. Diese Gewichtung folgt dem von mir beschriebenen Plan (1. Kauf 50%, 2. Kauf 25%, 3. Kauf 25%, beim Verkauf dann umgekehrt) und wird nicht nachträglich vom Erfolg oder Misserfolg beeinflusst. So ergibt sich bei der entsprechend gewichteten Aufsummierung der Ergebnisse ein Jahreserfolg von 230%. Bei einer durchschnittlichen Positionsanzahl von 12,5 ergibt sich somit ein Portfolioerfolg von 18,4%. Da ist sie nun, die Ziffer, vor der ich mich stets scheue. Damit liegen wir etwas besser als der DAX (16,1%) und viel besser als Dow Jones (11%) und Nikkei (-3,4%). Allerdings hätten Sie allein mit Gold wesentlich mehr verdient, als im DAX oder mit dem Heibel-Ticker PLUS, nämlich 34% gerechnet in Euro. Von einem ≥Börsenbrief„ werden vor allem Aktienempfehlungen erwartet. Doch im Heibel-Ticker finden Sie von Anfang an kontinuierlich die Goldempfehlungen als Kern einer Anlagestrategie. Und ich werde dies vermutlich noch mindestens zwei Jahre beibehalten, vielleicht sogar noch wesentlich länger. Also gilt auch für das Jahr 2011: Wer noch kein Gold hat, der sollte dies jetzt kaufen. Ich halte einen Anteil von bis zu 20% für in Ordnung. Von den 31 Positionen gingen im Jahr 2010 sieben nach hinten los. Am schlimmsten wurden wir mit BP getroffen: Ich hatte die Aktie NACH der Explosion in der Karibik aufgenommen, denn da war sie schon von 7,56 auf 7,15 Euro eingebrochen. Aufgrund eines am Anfang vermeintlich überschaubaren Lecks hielt ich diesen Ausverkauf für eine Einstiegsgelegenheit. Den Rest der Geschichte kennen Sie. Das Leck konnte erst vier Monate später verschlossen werden, das Unglück weitete sich zum schlimmsten Ölunglück der Geschichte aus. Der Kurs von BP fiel bis auf 3,61 Euro. Die Informationspolitik des Unternehmens war alles andere als löblich, es wurde ein Hoffnungsträger nach dem anderen lanciert, und so kauften wir auf dem Weg nach unten sogar noch zweimal gemäß unserem Plan nach, bevor wir letztlich noch recht zeitig mit 19,9% Minus die Reißleine zogen und die Position liquidierten. Meine Lehre daraus: Pech gehabt. Oft genug bieten Hiobsbotschaften und negative Überraschungen gute Kaufgelegenheiten, da deren Auswirkung auf das Sentiment und damit auf den kurzfristigen Kursverlauf sehr stark sind, deren Auswirkungen auf die langfristige Geschäftsentwicklung eines Unternehmens häufig im Eifer des Gefechts überschätzt wird. Oft genug haben wir also von solchen Ereignissen profitiert. Im Fall von BP wuchs sich das Problem nur schrittweise zu einer Katastrophe aus, und so wurden wir bis an den Rand unserer Schmerzgrenze (Minus 20%) mit hinein- gezogen. Der zweite Fehlgriff im Jahr 2010 war Cisco, hier hängen wir sogar noch auf einer halben Position. Bei Cisco muss ich mir Vorwürfe gefallen lassen, denn ich habe die Aussagen des CEOs John Chambers ignoriert. Seit 1999 kenne ich Chambers und oft genug habe ich ihn und seine Aussagen über die Ansichten seiner CEO-Kollegen aus der Branche geschätzt. Kein anderer Mann hat sein Geschäft so gut im Griff wie John Chambers, man sagt ihm nach, an Silvester wenige Minuten nach Mitternacht per Knopfdruck alle relevanten Unternehmensinformationen des Jahres verfügbar zu haben. Als größter Netzwerkausstatter hat Cisco stets ein sehr gutes Bild über die Technologiebranche gehabt, und oft genug hatte Chambers mit seinen Aussagen die Verfassung der Technologiebranche besser getroffen als seine CEO-Kollegen anderer Technologieunternehmen. Nun jedoch war Chambers einmal verhalten, während das mobile Internet, die Cloud und das Geschäft der verteilten Datenhaltung & -sicherung boomen. Wie kann Chambers da so zurückhaltende Aussagen treffen, fragte ich mich. Ich hielt seine verhaltene Aussage aufgrund des zeitlichen Zusammenfallens mit entsprechenden politischen Entwicklungen in Washington politisch motiviert und war von einer baldigen Aufhellung der Stimmung überzeugt. Es stellte sich jedoch heraus, dass Chambers sein Unternehmen weiterhin perfekt im Griff hatte, denn seine verhaltenen Prognosen sollten sich für Cisco bewahrheiten. Juniper ringt dem Branchenprimus in wichtigen Bereichen Marktanteile ab, und die drei oben beschriebenen Trends reichen für Cisco nicht mehr aus, das wegbrechende Geschäft anderer Bereiche zu kompensieren. So zogen wir auch bei Cisco mit einem Minus von 18,2% die Reißleine, allerdings nur für die halbe Position. Sowohl BP als auch Cisco haben sich bis heute kaum erholt. Die Reißleine war also richtig, obwohl im ersten Augenblick mein Ego den Fehler noch lange nicht eingestehen wollte. Fazit: Ob ich Unrecht habe oder einfach nur Pech, lässt sich manchmal nur sehr viel später beurteilen. Feste Risikobegrenzungen bewahren vor Schlimmerem. Bei den anderen fünf Verlustpositionen handelt es sich nur noch um kleine Verluste (kleiner 7%), sowie teilweise auch um Positionen, die noch aus dem Vorjahr stammen und mit Plus aufgelöst wurden, jedoch zu einem niedrigeren Kurs als zum Jahreswechsel 2009 / 2010 ˆ daher dann das rechnerische Minus. Wenn ich also bei 31 Positionen im Jahr 2010 nur zwei komplette Fehlgriffe tätigte, so finde ich das vertretbar. Schlimm ist es natürlich für diejenigen Kunden, die gerade in diese beiden Positionen eingestiegen sind und diese Verluste nicht mit anderen erfolgreichen Positionen ausgleichen konnten. So war unsere erfolgreichste Position im Jahr 2010 Bertrandt, die wir zu 23 Euro erstmals zum Kauf empfahlen und zu 46,50 Euro auflösten. Ein Plus von 102%. Bertrandt profitierte von der ≥überraschend„ schnellen Genesung der Automobilbranche und der sprunghaft angestiegenen Nachfrage nach Ingenieursleistungen. An zweiter Stelle rangiert Apple, das Unternehmen haben wir schon mit in das Jahr 2010 gebracht und von 142 Euro zum Jahresbeginn stieg die Aktie um 72,5% auf 245 Euro an. Das iPad hat erneut, genau wie zunächst der iPod und dann das iPhone, die Herzen der Konsumenten erobert und wurde ≥überraschend„ zu einem großen Erfolg. Während ich bei Apple bislang stets meinen fairen Kurs höher angelegt habe als den aktuellen Kurs, hat sich dies bei Bertrandt schnell umgekehrt: Mein Kursziel von 30 Euro wurde schnell erreicht und meine nachfolgende Bereitschaft, die Aktie bis Mitte 30 zu halten, wurde ebenfalls schnell belohnt. Dennoch verkaufte ich die Position bei Zielerreichung nicht vollständig, sondern ließ die Hälfte weiterlaufen ˆ obwohl ich die Gründe dafür nicht mehr verstand. Und so lief die Aktie noch bis 46 Euro bevor unser Trailing Stopp zog und wir die Verdopplung feiern konnten. Manchmal ist es eben wirklich besser Glück zu haben als Recht zu haben. Übrigens: Heute notiert Bertrandt knapp unter 60 Euro. Wenngleich ich kaum nachvollziehen kann, wie der Ingenieursmangel in der Automobilbranche so lange anhalten kann, so ziehe ich jedoch aus der nach wie vor explosiven Geschäftsentwicklung von Bertrandt eine andere Schlussfolgerung: Die Automobilbranche entwickelt fleißig weiter für die von ihr erwartete anhaltend starke Nachfrage nach Autos. Der Autoboom ist also noch lange nicht zu Ende. Erstmals habe ich im Heibel-Ticker im Jahr 2010 auch Unternehmensanleihen vorgestellt. In dem halben Jahr seit Vorstellung im Juli hat die als langfristig solide vorgestellte Renault-Anleihe unter Berücksichtigung der Zinszahlung immerhin 5,3% zulegen können. Und die spekulative HeidelbergCement Anleihe konnte sogar um 14,9% anwachsen. So habe ich im Jahr 2010 mit dem Heibel-Ticker doch ein recht breites Spektrum an Anlagethemen abgedeckt und konnte durch einige in den Vorjahren eingeführte Regeln Verluste begrenzen und Gewinne erfolgreich laufen lassen. Meine persönliche Bilanz ist also relativ zufriedenstellend: Ich habe aus früheren Fehlern gelernt und werde besser ... doch bin ich noch lange nicht am Ziel. So will ich nicht unterschlagen, dass wir mit dem Timing von Empfehlungen nicht immer so glücklich lagen. Während ich inzwischen offensichtlich überwiegend in der Lage bin, gute Unternehmen von schlechten zu unterscheiden, so erfolgt die Empfehlung noch immer häufig zu einem zu hohen Kurs, so dass zunächst das Tal der Tränen durchschritten werden muss, bevor der Kurs endlich Freude macht. Bei Akamai (+18,8% in zwei Wochen) und bei Dialog Semiconductor (+27,9% in zwei Wochen) war das Timing goldrichtig. Bei China Unicom, Teleplan, HeidelbergCement, Vivo und Google mussten wir jedoch einige Wochen, teilweise Monate warten, bis wir mit - für diesen Zeitraum - kleinen Gewinnen aussteigen konnten. So werde ich im Jahr 2011 ein besonderes Augenmerk auf das Timing der Käufe und Verkäufe legen. Inzwischen stehen die Hilfsmittel zur Verfügung: Ich kooperiere mit einem Charttechniker, der mir hervorragende Unterstützungs- und Widerstandsmarken liefert, und über Updates und SMSs kann ich Sie umgehend über das Über- und Unterschreiten von Kursmarken informieren. Ich selbst habe entsprechende Benachrichtigungen ebenfalls in Echtzeit verfügbar, muss die Marken nur intensiver pflegen. Mein Vorsatz für‚s Jahr 2011 lautet also: Intensivere Pflege von Kauf- und Verkaufsmarken der einzelnen Positionen und schnellere Weitergabe entsprechender Über- und Unterschreitungen an die Heibel-Ticker PLUS Kunden. Soweit ein kleiner Jahresrückblick auf die Heibel-Ticker PLUS Performance. Nein, perfekt bin ich noch lange nicht, doch ich denke die 18,4% können sich sehen lassen, zumal das Jahr 2010 vor lauter Überraschungen so viele Fondsmanager schlecht aussehen ließ wie selten zuvor. Da haben wir im Heibel-Ticker PLUS die wichtigsten Trends gut erkannt. Zufrieden zurücklehnen kann ich mich noch lange nicht, dazu gab es noch zu viele Fehler und eben insbesondere Timingprobleme. Aber wenn ich mir die Entwicklung des Heibel-Tickers der letzten Jahre anschaue, dann freue ich mich schon auf die Weiterentwicklungen im Jahr 2011, auf die Sie mich durch Ihre Anregungen immer wieder stoßen werden. Daher möchte ich mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für das mir geschenkte Vertrauen und die Treue bedanken und ich hoffe, dass wir auch 2011 weiterhin erfolgreich zusammen arbeiten werden.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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