Innovative Krebstherapien verhelfen Pharma-Aktien zu neuem Aufwärtspotenzial

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 19.06.2013
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

In den Anfängen der Krebstherapie in den achtziger Jahren wirkten die Therapieansätze noch wie Schrotgewehre. Künstlich hergestellte Interferone und Interleukine wirkten beim Einsatz gegen Tumore und Blutkrebs breit streuend und wenig effizient. Seitdem hat sich viel getan. Das hat auch wieder das erst kürzlich zu Ende gegangene Jahrestreffen der „American Society of Clinical Oncology“ (ASCO) bestätigt. Dabei hat sich gezeigt, dass insbesondere die Bedeutung von Immuntherapien stetig ansteigt. Bei diesem Verfahren werden bösartige Tumore durch die Stimulation des körpereigenen Immunsystems bekämpft. Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass hier bezüglich der Wirksamkeit große Fortschritte erzielt wurden. Damit wird in der Onkologie neben den drei klassischen Behandlungsmethoden Operation, Strahlentherapie sowie Chemo- bzw. Hormontherapie aller Voraussicht nach mit der Immuntherapie ein viertes Standbein dazukommen.


Analysten halten es für möglich, dass der Anteil der Immuntherapie in den kommenden 10 Jahren auf 60 % zunehmen wird. Damit würde sie zur führenden Krebstherapieform aufsteigen. Das Forschungsinstitut ISM Health erwartet, dass der Gesamtmarkt für onkologische Wirkstoffe in den kommenden zwei Jahren auf 57 Mrd. € anwächst. Allein der Markt für immuntherapeutische Ansätze wird demzufolge bis 2023 bis auf 26 Mrd. € zulegen.

Die ASCO-Konferenz hat neue und vielversprechende Ansätze für die Tumorbekämpfung ergeben. So sollen neuartige Therapien verhindern, dass sich Krebszellen der Entdeckung durch das körpereigene Immunsystem entziehen können. Das wird von sogenannten T-Zellen übernommen, die als Teil der weißen Blutkörperchen ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems sind. Welche Pharmaunternehmen haben solche neuartigen Wirkstoffe in ihrer Forschungs- und Produktpipeline?

• BRISTOL-MYERS SQUIBB (850 501; 46,80 $) gehört zu den ersten Adressen, was innovative Ansätze in der Onkologie angeht. Bereits vor zwei Jahren haben die US-Amerikaner mit dem Präparat „Yervoy“ das erste Immuntherapeutikum gegen schwarzen Hautkrebs auf den Markt gebracht. Yervoy generierte 2012 bereits 700 Mio. $ Umsatz, der bis 2018 auf 1,7 Mrd. $ p. a. anwachsen könnte. Der neue Wirkstoff „Nivolumab“ ist - wie Yervoy auch - ein monoklonaler Antikörper, der als Immunmodulator über die Beeinflussung der PD1- und PD-L1-Signalwege den programmierten Tod der Krebszelle auslösen soll. Das Medikament befindet sich bereits in der klinischen Forschungsphase III und soll ebenfalls besonders bei schwarzem Hautkrebs sehr gute Resultate zeigen.

• ROCHE (855 167; 230,10 CHF) ist ebenfalls ein großer Player. Bereits seit 2011 ist man mit „Zelboraf“ auf dem Markt, einem sogenannten „BRAF-Inhibitor“, der im vergangenen Jahr für einen Umsatz von umgerechnet 190 Mio. € gesorgt hat. Das Anwendungsgebiet des Therapeutikums ist etwas eingeschränkt, da es erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium verabreicht wird und dann auch nur bei einem Teil der Patienten wirkt.

• GLAXOSMITHKLINE (940 561; 1.693 GBp) hat erst vor einigen Wochen zwei neue Präparate auf den Markt gebracht. Sowohl „Tafi nlar“ als auch „Mekinist“ wirken ebenfalls gegen den schwarzen Hautkrebs. Wie Zelboraf von Roche wirken beide Medikamente nur bei Patienten, die eine BRAF-Genmutation aufweisen. Dies ist bei ca. 50 % der Melanome der Fall. Tafinlar blockiert direkt das BRAF-Gen, während Mekinist über den Umweg eines MEK-Proteins die BRAF-positiven Tumore abwehrt. Beiden Präparaten wird ein jährliches Umsatzvolumen von addiert 623 Mio. $ zugetraut. Als besonders wirkungsvoll hat sich die Kombination beider Wirkstoffe erwiesen. Auch Roche forscht an Kombinationstherapien. Mit der Kombination des Wirkstoffes RG7446 mit Zelboraf befindet man sich allerdings erst in der klinischen Phase I, während man bei GDC973 mit Zelboraf immerhin schon in Phase III ist. Dennoch: GlaxoSmithkline ist hier schon deutlich weiter, sind doch beide Produkte schon für den Markt zugelassen.

• AMGEN (867 900; 99,86 $) wählt mit einer Virustherapie dagegen einen völlig anderen Ansatz. Bei dieser Art der Melanomtherapie wird ein Virus (T-Vec) direkt in die Krebszelle eingebracht, die dann dadurch zerstört wird. Die Ergebnisse der klinischen Forschungssphase III waren sehr ermutigend. Vielversprechend erscheint auch die Kombination von T-Vec mit einem PD-1-Inhibitor.

• Auch MERCK (A0Y D8Q; 48,22 $) forscht in dem Bereich Immuntherapie. Der Wirkstoff „Lambrolizumab“ ist ein Antikörper, der den PD-1-Signalweg von Krebszellen unterbindet. Das Präparat wurde gerade auf der ASCO-Konferenz vorgestellt. Der Wirkstoff befindet sich zwar erst am Ende der klinischen Forschungsphase 1, aber ihm wurden beim schwarzen Hautkrebs „besonders hohe Ansprechraten“ attestiert, wobei die Tumore in 38 % der Fälle „dramatisch“ geschrumpft sind.

• SCANCELL (A1J Z3D; 41,10 GBp) ist ein Spin-Off der Universität Nottingham. Die Wissenschaftler forschen an einem Impfstoff, der den Patienten nach Entdeckung eines Tumors verabreicht werden soll. Die Ergebnisse aus der Phase I sind ermutigend, Zahlen aus der Phase II sind aber frühestens in einem Jahr verfügbar. Das Projekt ist damit zwar vielversprechend, aber auch hohen Risiken ausgesetzt.

Fazit: Bristol-Myers Squibb, GlaxoSmithkline und mit Abstrichen Merck haben die Nase vorn. Roche hat etwas den Anschluss verloren. Amgens Ansatz ist eher als aussichtsreiche Nische anzusehen. Scancell weist dagegen alle Chancen und Risiken eines Start-Up-Unternehmens auf.

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