Index- und Themen- zertifikate richtig einsetzen

Weimer Media Group GmbH
Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 03.07.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

BÖRSE am Sonntag

Indexzertifikate haben bei Anlegern einen guten Ruf. Die Produkte gelten als transparent und vergleichsweise solide. Doch so einfach ist es längst nicht mehr. Es gibt diese Papiere mittlerweile nicht nur mit den unterschiedlichsten Ausstattungselementen, sondern auch für nahezu alle denkbaren Basiswerte. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, erfahren Sie hier.


 

Die Grundidee ist einfach: Mittels Indexzertifikaten können Investoren bequem an der Wertentwicklung bestimmter Indizes partizipieren. Das ist allein schon deshalb interessant, weil die Zahl der Barometer und Sub-Indizes in den letzten Jahren geradezu explodiert ist. Neben den großen Indexsponsoren, wie beispielsweise der Deutschen Börse und dem amerikanischen Anbieter Dow Jones, haben in den letzten Jahren auch immer mehr kleine und mittlere Häuser eigene Indizes entwickelt.

Zu jedem thema der passende Index

Dies hat zur Folge, dass sich mittlerweile zu nahezu jeder Investoren-Meinung ein passender Index finden lässt oder, falls das Thema „heiß“ genug ist, eben einfach ein neuer kreiert wird. Für den Anleger liegt der Vorteil auf der Hand. Will er sein Geld beispielsweise vorwiegend in Familienunternehmen oder nur im Maschinenbau platzieren, braucht er nicht einzelne Aktien zu kaufen und diese zu überwachen. Stattdessen kann er entsprechende Zertifikate erwerben, die sich strikt an dem jeweiligen Branchen-Index orientieren. Eine Trennung zwischen den Begriffen Themen-, Basketund Indexzertifikat ist durch die Schwemme an speziell kreierten Basiswerten (engl. Underlyings) obsolet geworden.

Mit Vollausstattung oder nackt

Alle drei zeichnen sich stattdessen dadurch aus, dass sie die Entwicklung eines Index oder eines Korbes in einem bestimmten Verhältnis, z. B. 1:1 oder 1:100, nachvollziehen. Auf diese Weise können auch kleinere Beträge in Indizes mit hohen Zählerständen – der Dow Jones notiert derzeit beispielsweise bei etwa 12.400 Punkten – investiert werden. Grundsätzlich unterschieden wird zwischen Zertifikaten auf Performance-Indizes, welche Dividendenzahlungen mit einbeziehen (Total Return-Produkte), wie beispielsweise der DAX, und solchen auf einen „nackten“ Kurs-Index, bei dem diese Ausschüttungen nicht berücksichtigt werden. Zusätzlich kann nach währungsgesicherten Papieren (Quanto) und solchen mit Währungsrisiko selektiert werden. Letzterer Einflussfaktor kann aber auch eliminiert werden, indem man beispielsweise ein Indexzertifikat auf den DowJones Industrial Index in heimischer Währung (Euro) kauft.

Komplexität kann Geld kosten

Aus rechtlicher Sicht handelt es sich dabei, wie bei allen anderen Zertifikaten auch – immer um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen der jeweiligen Bank. Neben der unterschiedlichen Behandlung der Dividenden und der Handhabung des Währungsrisikos haben auch bei den Tracker-Produkten weitere Ausstattungsmerkmale Einzug gehalten. Während der zurückliegenden Finanzkrise wurden beispielsweise Garantien besonders populär. Hierbei wird ein bestimmter Rückkaufwert, der am Ende der Laufzeit greift, festgeschrieben. Zusätzliche Elemente wie beispielsweise Caps sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Ein Cap ist eine Obergrenze, bis zu der der Anleger an der Wertsteigerung des Basiswertes partizipiert. In der Kombination mit der großen Zahl speziell konstruierter Underlyings kann da selbst aus einer scheinbar einfachen Produktidee ein komplexes Finanzprodukt werden.

DivDAX ohne Dividenden

Beispielsweise wurden einige Produkt auf den DivDAX Kursindex aufgelegt, welche sich an Anleger richteten, die von den Aussichten dividendenstarker Aktien überzeugt waren. Um ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern, wurden diese Investments mit einer Kapitalgarantie ausgestattet. Im Gegenzug für die Vollkasko-Versicherung müssen Anleger auf die Dividenden verzichten, nehmen aber an einem etwaigen Indexanstieg teil. Man beachte: Basiswert ist der DivDAX Kursindex und nicht der DivDax Performance Index. Ein wichtiger Unterschied: Während der Performance-Index zwischen 2005 und 2010 um über 17% zulegen konnte, weist der Kursindex – bei dem die Anrechnung der Dividenden fehlt – für den gleichen Zeitraum ein Minus von über 4% aus.

Is the trend really your friend?

Doch es hapert nicht immer nur an der Konstruktion. Auch die Tatsache, dass viele Produkte konstruiert werden, um einen aktuellen (Nachfrage-)Trend zu befriedigen, sollte Anleger vorsichtig werden lassen. Anfang 2005 lancierte die Deutsche Börse den German Entrepreneurial Index (GEX). Ziel war es, eigentümergeführte Unternehmen investierbar zu machen. Das Barometer, das in einem Umfeld entstand, in dem hierzulande heftig über die Performance und Moral angestellter Manager diskutiert wurde, enthält mehr als 100 Unternehmen, bei denen Gründer, Vorstand oder Aufsichtsrat zwischen 25 und 75% der Stimmrechte halten. Aus heutiger Sicht sind die Ergebnisse jedoch als enttäuschend zu bewerten: Während der DAX in den letzten fünf Jahren um gut 30% zulegen konnte, kommt der „Familienindex“ auf nicht einmal 10% (9,5%). Entsprechend schlecht schnitten daher im Vergleich auch korrespondierende GEX-Indexzertifikate ab. Ähnliches lässt sich auch aktuell wieder beobachten. Passend zu der Debatte um die geringe Anzahl an Frauen in Top-Positionen wurden unlängst Studien präsentiert, die den positiven Einfluss von weiblichen Führungskräften auf die Unternehmensperformance belegen sollen. Wer jetzt gezielt auf solche Firmen setzen möchte, wird von der Schweizer Vontobel bedient. Das Open End Partizipationszertifikat auf den Top Executive Women Basket (WKN: VT1333) kann noch bis zum 7. Juli gezeichnet werden.

Guter Vorsatz, magere Rendite

Wem der Ansatz eines Indexoder Themenzertifikats gefällt, sollte sich vor dem Investment stets überlegen, ob man nicht einem Trend hinterherläuft – das zahlt sich an der Börse selten aus – und ob der Inhalt auch zum Titel passt. Dass auch das nicht immer vor leidvollen Erfahrungen schützt, beweist ausgerechnet ein Zertifikat auf den im Jahr 1997 gestarteten Natur-Aktien-Index (NAI). Obwohl nachhaltige und ethisch korrekte Anlagen seit einigen Jahren auch hierzulande immer stärker nachgefragt werden, hat es bis April 2008 gedauert, bis dieser Index durch ein Zertifikat abgedeckt wurde (WKN: DB2NA1). Ungeachtet der sehr guten Entwicklung des Basiswertes in den ersten Jahren seines Bestehens konnte sich auch diese Zusammenstellung den dramatischen Auswirkungen der Finanzkrise nicht entziehen. Trotz des Rückenwinds für Öko-Aktien durch das Unglück von Fukushima und einen weltweiten Boom bei nachhaltigen Investments liegt das Zertifikat auch mit Blick auf die letzten zwölf Monate deutlich im Minus (-11,6%), während der MSCI World (USD) im gleichen Zeitraum gut 30% zulegen konnte. Demgegenüber bieten die Produkte gerade antizyklisch agierenden Anlegern nicht selten attraktive Möglichkeiten, aus vorübergehenden Schwächephasen einzelner Branchen, wie beispielsweise der Autooder Finanzindustrie, Kapital zu schlagen.

Fazit

Aufgrund ihrer vergleichsweise günstigen Kostenstruktur, der Transparenz sowie den vielfältigen Diversifikationsmöglichkeiten stellen Indexund Themenzertifikate eine interessante Alternative zu Indexfonds oder Direktinvestments dar. Je nach individueller Risikobereitschaft und Anlagehorizont sollte der zugrunde liegende Index jedoch sorgfältig ausgewählt werden: Denn auch diese Basiswerte sind letztlich eine Wette auf steigende Märkte. Für langfristig orientierte Anleger sind dabei die großen internationalen Benchmark-Indizes – insbesondere in der Performance-Variante – erste Wahl. 

 

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