In den Abgesang auf die europäischen Schuldnerländer stimmen wir 2011 nicht mit ein

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 05.02.2011
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Aktionärsbrief

Eine menschliche Verhaltensweise ist es, jüngste Entwicklungen in die Zukunft fortzuschreiben. Das ist auch an den Kapitalmärkten gang und gäbe.


Die Ratingagenturen stürmen hier mit fliegenden Fahnen voran. Auch bei ihnen dominiert der Blick in den Rückspiegel. Während sie bereits die Subprime-Krise völlig falsch eingeschätzt haben, überziehen sie nun bei den europäischen Schuldnerländern und bringen diese dadurch zusätzlich in Bedrängnis. Schließlich werden an den Kapitalmärkten derzeit alle Negativschlagzeilen dazu begierig aufgesaugt. Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion gilt allgemein als realistisches Szenario. Dabei gilt: Auch in der Vergangenheit ist man mit ähnlichen Herausforderungen fertig geworden. Ein Blick zurück in die 90er Jahre zeigt uns, dass heute totgesagte Länder wie Irland, Portugal, Spanien oder Italien es sehr wohl verstanden haben, auch mit Hochzinsphasen am Anleihenmarkt konstruktiv umzugehen. Der finanzielle Spielraum der hochverschuldeten Staaten ist nämlich weitaus größer als häufig dargestellt. Die Zinsbelastungen der Schuldenländer Mitte der 90er Jahre waren weit höher als in den letzten zwei Jahren. Spaniens Zinszahlungen an seine Gläubiger entsprachen im Jahr 1995 noch 5,1 % des Bruttoinlandsprodukts. 2009 war ihr Wert auf 1,8 % des BIP gesunken. Auch Portugal hat mehr finanziellen Spielraum als Mitte der 90er Jahre: Die Zinsbelastung Portugals hat sich in den vergangenen 14 Jahren halbiert. Während die Zinszahlungen des Landes 1995 noch einen Wert von 5,6 % des BIP hatten, sind sie auf 2,8 % im Jahr 2009 gesunken. Die Volkswirte der Unicredit gehen davon aus, dass die Zinsbelastung Spaniens selbst unter sehr ungünstigen Voraussetzungen bis 2015 nur auf rund 5,0 % steigen wird und die Zinsausgaben des portugiesischen Staates auf rund 5,5 %. Daraus folgt: Die Situation der Peripherieländer ist keineswegs so ausweglos wie in den Medien dargestellt. Die Sparprogramme werden bislang rigoros durchgesetzt. Auch wenn dies, wie in Griechenland, zu einer Anpassungsrezession führt, darf man die daraus resultierenden Chancen nicht übersehen. Die griechischen Frühindikatoren haben Ende 2010 bereits nach oben gedreht. Notwendige Strukturveränderungen werden jetzt konsequent angegangen. Deutschland ist diesen Weg bereits gegangen und erntet heute seine Früchte. Fazit: In der zweiten Jahreshälfte 2011 könnte es zu einer ökonomischen Neubewertung der „Problemländer“ kommen. Die Börsen dieser Länder nehmen das vorweg. Sie dürften im laufenden Jahr deutlich besser abschneiden als in 2010.

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