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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 15.05.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.05.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Im Angesicht der Zinswende stehen die Unternehmen vor einem neuen Re-Leveraging!

Das meint einen substanziellen Anstieg des Fremdkapitals in den Unternehmensbilanzen und entsprechend tendenziell sinkende Eigenkapitalquoten. Für deutsche Ohren mag das fast unseriös erscheinen, aber es ist definitiv ein richtiger Kurs vor dem Hintergrund des aktuellen Marktrahmens und der mittel- bis langfristigen Zins-Perspektive. Für die Aktienmärkte ist es ein weiteres klares Kaufargument. Und die absehbare Entwicklung passt hervorragend in das bereits von uns skizzierte Umfeld. Halten wir fest:

 

Fremdkapital ist im aktuellen Umfeld wesentlich günstiger als Eigenkapital. Rechnen Sie selbst: Unternehmen, die sich langfristig mit etwa 4 bis 5 % verschulden, können die Zinsaufwendungen steuermindernd als Aufwand verbuchen und zahlen in der eigenen Gewinnund Verlustrechnung somit steuerbereinigt nur grob 3 bis 3,5 % (natürlich nur, sofern Gewinne gemacht werden, die zu versteuern sind). Damit ist gewissermaßen auch die Mindest-Messlatte gesetzt, die eine Investition (sei es in eine neue Maschine oder in ein anderes Unternehmen oder auch in die eigene Aktie) mindestens erzielen muss, um die Eigenkapitalrendite zu erweitern. Denken Sie noch weiter und erstellen auch moderat anziehende Inflationsraten von 3 bis 4 %, was durchaus denkbar oder sogar realistisch erscheint. Dann ergibt sich für die Gesellschaft real gerechnet mehr oder weniger eine Nullverzinsung. Für Strategen in den Chefetagen ergibt sich also eine unglaubliche Chance. Wer dieses Zeitfenster nicht nutzt, verpasst eine Chance und wird sich dafür möglicherweise langfristig vor den Aktionären rechtfertigen müssen. Dabei muss die strategische Fokussierung nicht nur Zukäufe bedeuten. Es kann auch die Abgabe von Unternehmensteilen bedeuten, die nicht mehr in die künftige Ausrichtung passen.

Die Bandbreite an strategischen Möglichkeiten ist extrem groß. Die Welt ist in den letzten Jahren zumindest in der Wahrnehmung globaler geworden. Und entsprechend können Unternehmen auch viel mehr international disponieren und das Kerngeschäft entsprechend ergänzen, entweder mit passenden Technologien, um das eigene Portfolio abzurunden, oder auch durch den Eintritt in neue Märkte, durch die entsprechenden Akquisitionen von Unternehmen. Dabei ist auch eine sukzessive Öffnung Chinas zu erwarten, was grundsätzlich für beide Richtungen gilt (s. dazu auch FB vom 14.05.). Die Bewertungen jedenfalls lassen auch jetzt noch viel Spielraum für Übernahmen. Übersetzt auf Deutschland: Der DAX bringt es per 2012 auf eine Gewinnbewertung von gerade mal etwa 9,9. Im MDAX liegt die Bewertung minimal höher mit ca. 11,6. Entsprechend gibt es eine Reihe von Einzelwerten, die im einstelligen KGV-Bereich notieren. Die Gesellschaften scheinen langsam auf den Trichter zu kommen. Gemäß einer Erfassung von Dealogic ergab sich beim Volumen von Fusionen und Übernahmen bis jetzt ein Anstieg um über 50 % auf grob 472 Mrd. Dollar.

Mit den niedrigen Bewertungen sind auch Aktienrückkäufe ein legitimes Thema. Nach einer Untersuchung von Birinyi Associates ergab sich bei den authorisierten Aktienrückkäufen (per Kredit oder mit Cash) ein Anstieg von ca. 46 % auf 215,3 Mrd. Dollar. Dies ergibt für die Aktionäre und die Aktienmärkte einen mehrfach positiven Effekt: Der Gewinn der Gesellschaft verteilt sich auf weniger außenstehende Anteilsscheine. Die Aktionäre profitieren also gewissermaßen von einem umgekehrten Verwässerungseffekt. Selbst bei gleichbleibendem Gewinn kann die Profitabilität je außen stehender Aktie weiter hochfahren. Umgekehrt betrachtet bedeutet es eine tendenziell sinkende Gewinnbewertung je Aktie gerechnet. Mit anderen Worten: Selbst wenn der Gewinn absolut gleich bleibt und der Aktienkurs weiter aufwärts klettert, muss sich damit nicht zwangsläufig eine Verteuerung in der Bewertung (gemessen am KGV) ergeben. Dazu kommt, dass die Unternehmen mit den Aktienrückkäufen auch wieder Liquidität in den Markt hineingeben. Diese sucht natürlich großteils erneut passende Anlagen. Somit kann der Aktienrückkauf der Gesellschaft A durchaus indirekt den Kurs der Gesellschaften B und C befeuern. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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