Hoffnung treibt die Kurse bis Gewissheit herrscht

Stephan Heibel
Veröffentlicht von Stephan Heibel am 13.02.2015
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Heibel-Ticker Börsenbrief

Jubelstimmung auf dem Parkett: Heute hat der DAX kurzzeitig die 11.000 Punkte übersprungen. Die gute Krisenpolitik unserer Kanzlerin wird vielfach als Grund für die Euphorie angeführt. Ich möchte in Erinnerung rufen, dass sich der DAX seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise vor einem Jahr nicht wesentlich verändert hat, erst seit Jahresbeginn schießt der DAX nun plötzlich nach oben. Und zum Jahresbeginn war das Abkommen in Minsk nun wahrlich nicht absehbar, im Gegenteil.


Griechenland beeinflusst den DAX?

Und seit sich in Griechenland abzeichnete, dass eine neue Regierung gewählt wird, ist der DAX sogar um 19% angesprungen. Ist die neue griechische Regierung also für die DAX-Rallye verantwortlich? Und wieso springt der DAX dann vor Freude in die Höhe, wenn die neu gewählte griechische Regierung ihre Wahlversprechen drangeben muss?


Crack-Up Boom

Nein, wir befinden uns mitten im Crack-Up Boom: Einer liquiditätsgetriebenen Rallye, die wir der lockeren Geldpolitik des EZB-Chefs Draghi verdanken. Im weltweiten Wettlauf um die wirkungsvollsten Abwertungsinstrumente der verschiedenen Notenbanken hat die EZB derzeit die Nase vorn. Der niedrige Ölpreis kommt zudem zu Hilfe. Gemeinsam sorgen niedriger Euro und Ölpreis für überraschend gute Quartalsergebnisse in dieser Berichtssaison.

Heute hat ThyssenKrupp positiv überrascht, die gesunkenen Rohstoffkosten haben es dem Konzern ermöglicht, die Prognosen zu übertreffen. Auch Gabelstaplerhersteller Kion konnte neue Rekorde vermelden. Die Commerzbank profitiert von den besseren Konjunkturaussichten und kann die Risikovorsorge reduzieren, was zu einem Gewinnsprung führt. Der Roboteranbieter Kuka vermeldete einen Rekordumsatz, Rekordgewinn und Rekordauftragseingang dank des niedrigen Wechselkurses. Und Lufthansa sowie Airbus freuen sich über die jüngsten IATA-Zahlen, denen zufolge 2014 mehr Menschen geflogen sind denn je.
 

Auch in den USA knallen die Sektkorken

Expedia und TripAdvisor vermelden Rekordabsätze - eine Bestätigung der IATA-Zahlen. Cisco meldet sich zurück als zentraler Knotenpunkt des Internets der Dinge. CEO John Chambers verspricht viele Jahre des Wachstums dank einer neuen digitalen Revolution in den Haushalten. Whole Foods ist zurück auf der Überholspur, die Aktie springt in Folge überraschend guter Q-Zahlen um 5% an. Die Aktie von White Wave springt sogar an, obwohl das Unternehmen den Ausblick gesenkt hat.

Doch nicht alles ist rund gelaufen: Viele US-Unternehmen haben schwindende Gewinne durch den hohen US-Dollar Wechselkurs zu beklagen. Was uns hier in Europa hilft, belastet US-Unternehmen. Ihre Einnahmen im Ausland sind aufgrund des hohen Wechselkurses weniger US-Dollar wert. Es ist daher in den USA zu beobachten, dass die Rallye gerade von den Unternehmen getrieben wird, die im US-Inland ihr Geschäft machen.

Entsprechend ist der Dow Jones auf Jahressicht nahezu unverändert während der DAX mit 11,8% im Plus steht. Schauen wir uns einmal die Wochenentwicklung der wichtigsten Indizes an:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

Analyse

Nach +19% in der Vorwoche konnte das Öl nochmals um 3,4% zulegen. Vieles spricht dafür, dass wir bei 43 USD/Fass WTI den Boden gesehen haben, für unser Nordseeöl stand der Preis im Tief bei 46,40 USD/Fass Brent. Mich hätte auch ein weiterer Ausverkauf deutlich unter 40 USD/Fass nicht mehr überrascht, doch nun scheint sich eine Gegenbewegung zu etablieren.

Bis zum Jahresende kann ich mir durchaus einen Ölpreis bei 70 USD/Fass WTI vorstellen. Doch nach wie vor glaube ich nicht an eine V-Bewegung, wie sie sich derzeit abzeichnet, sondern gehe zumindest von einem weiteren Rückschlag unter 50 USD/Fass aus.

Die zerstörerische Wirkung eines Ölpreises unter 40 USD/Fass bleibt uns also erspart. Bis 70 USD/Fass halte ich den Ölpreis für überaus positiv für die Konjunktur, denn vor einem halben Jahr mussten noch über 100 USD/Fass auf den Tisch gelegt werden. Der stimulierende Effekt für die Konjunktur bleibt also erhalten, auch wenn der Ölpreis nun wieder ein wenig ansteigt.

Im Rahmen der Verhandlungserfolge in der Ukraine-Krise sowie mit Griechenland hat sich der Goldpreis nun wieder gen Süden gedreht. Eine Beruhigung der geopolitischen Spannungen sorgt also für neue Zuversicht in unser Fiat-Geld und drängt das Gold ins Abseits.

Die Umlaufrendite steht bei 0,28%. Ich habe diese Woche das Angebot für eine Anschlussfinanzierung unseres Häusleins erhalten: 0,8% Kreditzins hat mir die Bank angeboten. Sensationell. Wenn Draghi so weiter macht, bietet mir die Bank irgendwann Geschenke an, wenn sie mir nur Geld leihen darf :-)
 

Fazit

Ich werde dennoch einen guten Teil des Kredits zurückzahlen, denn es gehört zu meinen goldenen Regeln, nicht auf Kredit zu spekulieren. Ich werde also dennoch nicht den Kredit in voller Höhe verlängern und das Geld dann stattdessen in Dividendenaktien anlegen.

Aber das machen viele andere, und da kommt das viele Geld her, das die Aktienkurse weiter in die Höhe treibt. Schauen wir einmal, ob dieses niedrige Zinsniveau gut ist für die Laune der Anleger.

 
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