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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 11.12.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 11.12.2014:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Hoch oben über den Wolken im Internet zu surfen, soll schon bald zur Selbstverständlichkeit werden

Und das, obwohl die Erfahrungen von Reisenden bereits unten auf der eher ernüchternder Natur sind. Man denke z. B. an die häufi gen Verbindungsabbrüche beim Surfen in Hochgeschwindigkeitszügen wie z. B. dem ICE.

Bereits heute gibt es Fluglinien, die Internetzugang per WiFi/WLAN anbieten. Doch diese Angebote sind zum einen verhältnismäßig teuer und zum anderen ist der Datendurchsatz sehr langsam. Das aber soll sich ab 2016 ändern, zumindest was die Geschwindigkeit anbelangt, denn:

INMARSAT (A0E RZV; 796 pence) will in Kooperation mit ALCATEL-LUCENT ein europaweites Kommunikationsnetz für Flugzeuge bauen. Inmarsat ist auf satellitengestützte Kommunikation spezialisiert und bietet z. B. Telefongespräche an, die über Satellitentelefon geführt werden können. Diese Gespräche können auch in den entlegensten Winkeln der Welt geführt werden, solange nur einer oder mehrere der Inmarsat-Satelliten über dem Horizont stehen. Obwohl sowohl die benötigten Telefone als auch die Gesprächskosten recht teuer sind, findet das Angebot genügend Abnehmer, so dass Inmarsat bereits seit vielen Jahren profitabel arbeitet. Neben Telefonie bietet man aber auch Datenübertragung und andere satellitengestützte Dienstleistungen an. Oftmals sind Inmarsat-Dienstleistungen die einzige Möglichkeit für Standorte fernab jeglicher Zivilisation, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen.

Das von Inmarsat und Alcatel-Lucent geplante Kommunikationsnetz soll aus Satelliten und 4G-Mobilfunk-Bodenstationen bestehen. Sowohl die Geschwindigkeit als auch die Verbindungsstabilität soll verglichen mit den heutigen Standards auf Flugreisen deutlich höher sein.

Für Fluggäste ist ein schneller und stabiler Internetzugang ein nicht zu unterschätzender Komfortfaktor. Insbesondere auf langen Reisen bietet das Medium Internet doch gute Möglichkeiten, sich zu unterhalten oder aber auch zu arbeiten. Die hohe Bedeutung hat auch eine Studie bescheinigt, die Honeywell im Juni 2014 durchgeführt hat. Demnach beeinflusst die Verfügbarkeit von mobilem Internet bei 66 % aller erwachsenen Flugreisenden in den USA die Auswahl der Fluglinie. 85 % der Fluggäste würden WiFi auf den meisten oder allen Flügen nutzen, wenn es denn kostenfrei wäre. Ob und wie viel sie gegebenenfalls bereit zu bezahlen wären, wurde in der Untersuchung dagegen nicht ermittelt. Das aber war Bestandteil einer Erhebung, die das französische Beratungsunternehmen Euroconsult ebenfalls im Sommer dieses Jahres durchgeführt hat. Demnach sind gerade mal 6 % der Fluggäste bereit, für WiFi-Zugang auf Flügen zu bezahlen.

Momentan sieht es also eher danach aus, als wäre die Verfügbarkeit von WiFi für die Fluglinien eher ein Marketinginstrument, um Kunden zu gewinnen. Geld dürfte damit wohl erst einmal nicht zu verdienen sein. Bereits heute wird Gratis-WiFi-Zugang im Wettbewerb dazu genutzt, um Kunden zu gewinnen. So hat sich die Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle bereits vor einigen Jahren dazu entschlossen, auf all ihren Europafl ügen kostenloses WiFi anzubieten.

In einigen Jahren wird WiFi auf Flügen aber keinen Wettbewerbsvorteil mehr bieten, sondern Standard sein. Dann wird die Nichtverfügbarkeit ein Ausschlusskriterium sein. Immerhin gibt es heute aber bereits 59 Fluglinien, die bereits WiFi anbieten. Die meisten davon kommen allerdings aus den USA.

Lufthansa beispielsweise bietet zumindest auf ihren Interkontinentalflügen WiFi an. Für 9€ pro Stunde soll man einen Internetzugang erhalten, der schnell und stabil genug ist, um sich einen Videofilm ohne Stocken anschauen zu können. Auf Kontinentalflügen ist dieser Service noch nicht verfügbar, er ist aber zumindest in Planung.

Neben Inmarsat bietet auch Viasat Satellitendienstleistungen an, die auch mobiles Surfen im Flugzeug beinhalten. Auch große Konzerne wie Panasonic oder Honeywell betätigen sich in diesem Feld, aber hier ist Surfen im Flugzeug nur ein Geschäftsfeld von vielen. Es gibt aber auch

Unternehmen, die sich schwerpunktmäßig mit diesem Geschäftsfeld beschäftigen:

GOGO ist der Marktführer in den USA. In den Anfängen bot man WiFi lediglich über Bodenstationen an. Mittlerweile hat man das Netzwerk aber auch durch Satelliten ergänzt, was sowohl die Verfügbarkeit als auch die Geschwindigkeit deutlich verbessert hat. Gogo hat in den vergangenen Jahren stets rote Zahlen geschrieben, und auch für 2014 und 2015 ist wohl kein Gewinn in Sicht. Das macht das Unternehmen anfällig. Abzulesen ist das an der Kursreaktion, als AT&T Ende April angekündigt hat, ein Netzwerk mit 4G-Bodenstationen zu errichten. Gogo-Aktien verloren daraufhin rund ein Drittel ihres Wertes. Auch als AT&T sieben Monate später von seinen ursprünglichen Plänen wieder abrückte, konnte sich der Kurs nicht nachhaltig erholen.

Fazit: Wer auf mobiles Surfen im Flugzeug setzen will, kommt an der INMARSAT-Aktie nicht vorbei. Das Papier ist mit einem KGV von 27 per 2015 bereits recht gut bezahlt, angesichts der profitablen Wachstumschancen aber auch nicht heillos überteuert. VIASAT ist ebenfalls ein interessanter Player, war bisher aber defizitär und wird wohl erst 2015 schwarze Zahlen schreiben. Zudem ist die Aktie mit einem KGV von 40 auf Basis der Gewinnschätzung für 2015 recht teuer. ALCATEL-LUCENT ist zum einen eine Turnaround-Story, zum anderen aber auch zu groß, als dass Surfen im Flugzeug auf absehbare Zeit einen nachhaltigen Gewinnschub erzeugen könnte.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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