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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 06.04.2010

Geratherm Medical: Steile Fieberkurve

Geratherm Medical: Steile Fieberkurve

Eine unserer letztjährigen Empfehlungen, an die wir derzeit mit besonders gemischten Gefühlen zurückblicken, ist unsere Besprechung des Medizintechnikspezialisten Geratherm Medical vom letzten August. Denn wir haben, obwohl uns das Unternehmen seinerzeit sehr gut gefiel und die seitdem überragende Performance der Aktie diese Einschätzung auch bestätigte, damals den Einstieg nicht geschafft und mussten der Rallye hinterher schauen. Ist der Zug damit endgültig abgefahren? Oder könnte man immer noch einsteigen, zumal sich die Aktie vom zwischenzeitlichen Hoch bei 9,30 Euro auf zuletzt 9,00 Euro ermäßigt hat und mit einer angekündigten Ausschüttung von 40 Cent je Aktie auch eine durchaus attraktive Dividendenrendite von 4,6 % (steuerfrei) bietet.

Beeindruckender Jahresendspurt Zieht man die zuletzt vorgelegten Zahlen heran, so dürfte in der Tat noch Spielraum für die Aktie bestehen. Denn das Unternehmen hat sich zuletzt noch durch eine deutlich zunehmende Dynamik ausgezeichnet. So erhöhten sich die Erlöse im dritten Quartal, nach einem Wachstum um 34 % im ersten Halbjahr, um 45,1 %. Dabei hat das Unternehmen Kapazitätsengpässe als den limitierenden Faktor angegeben und angekündigt, mit deren Überwindung ab Dezember 2009 die Expansionsgeschwindigkeit nochmals steigern zu können. Diese Ankündigung konnte tatsächlich realisiert werden, zwischen Oktober und Dezember wurden insgesamt 4,25 Mio. Euro umgesetzt und damit 56 % mehr als zwölf Monate zuvor. Für das Gesamtjahr erreichte das Umsatzwachstum dadurch bemerkenswerte 42,7 %, mit überproportionalem Gewinnwachstum. So legte das EBIT um 280 % auf 2,2 Mio. Euro zu, unter dem Strich wurde ein Gewinn von 2,7 Mio. Euro ausgewiesen. Rechnet man noch die direkt ins Eigenkapital gebuchten Wertaufholungen für die 2008 abgeschriebenen Wertpapiere hinzu, wurde ein Gesamtkonzernüberschuss von 5,1 Mio. Euro erwirtschaftet, nach einem (abschreibungsbedingten) Verlust von 2,9 Mio. Euro im Vorjahr. Ausschlaggebend für diese beeindruckende Performance war und ist immer noch die Sonderkonjunktur für das Thermometergeschäft der Thüringer. Mit ihrer patentierten Technologie zum Ersatz des hochgiftigen Quecksilbers durch das Flüssigmetall Galistan (Kombination aus Gallium, Indium und Zinn) sind sie wohl der wichtigste Profiteur des EU-weiten Verbotes des Flüssigmetalls. Die neuen, viel versprechenden Lösungen für die Schlaganfalldiagnostik und zur Überwachung von Lungenfunktionen haben demgegenüber zuletzt zwar auch deutlich zugelegt, doch liegen sie mit Umsätzen von 290 bzw. 440 Tsd. Euro (jeweils nach neun Monaten) noch meilenweit hinter dem Kerngeschäft Fieberthermometer. Auch haben beide Bereiche aufgrund der dort noch zu tätigenden Investitionen zwischen Januar und September noch negative EBIT-Beiträge erwirtschaftet. Kapitalerhöhung platziert Derzeit kann es sich Geratherm problemlos leisten, entsprechende F&E-Investitionen zu stemmen. Denn das Kerngeschäft mit den Fieberthermometern und den Blutdruckmessgeräten boomt und dürfte angesichts der fortgeschrittenen internationalen Verhandlungen um ein weltweites Quecksilberverbot weiter schwungvoll bleiben. Mit der inzwischen vollzogenen Kapazitätserweiterung auf das Dreifache des Wertes von 2008 dürfte die bislang größte Wachstumshürde beseitigt sein, weswegen das Unternehmen anlässlich der Bekanntgabe der vorläufigen Jahreszahlen eine Fortsetzung des Umsatz- und Ertragswachstums für 2010 in Aussicht gestellt hat. Dass die Aussichten überzeugen, belegt nicht zuletzt die Mitte März durchgeführte Kapitalerhöhung. Das Unternehmen konnte in kürzester Zeit 450.000 neue Aktien zum Stückpreis von 8 Euro bei institutionellen Investoren platzieren, wobei die Emission sogar überzeichnet war. Der Mittelzufluss in Höhe von 3,6 Mio. Euro soll in weitere Produktentwicklungen sowie in Zukäufe investiert werden. Fazit Insofern wirkt die Entwicklung des Unternehmens seit unserer Erstbesprechung durchaus überzeugend und erklärt den positiven Kursverlauf. Auch spricht die Dividendenrendite von 4,6 % für die Aktie. Demgegenüber ist das Papier auf KGV-Basis (in die die Effekte aus der Wertaufholung der Wertpapiere nicht einfließen) nicht mehr ganz billig. Denn der geschätzte Wert von 10,6 (für 2010) unterstellt, dass der Gewinn um weitere 50 % zulegt. Dies ist zwar durchaus erreichbar, aber nicht selbstverständlich. Da schließlich auch der Vorstand zuletzt auf der Verkäuferseite zu finden war, stufen wir die Aktie nun nur noch als eine Halteposition ein. Investierte sollten sich mit einem Stopp-Kurs absichern.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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