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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 27.05.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.05.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

GameStop - Auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell

Erinnern Sie sich noch an Blockbuster, die Geschäfte, in denen Sie Video-Kassetten ausleihen konnten? Seit Amazon Prime, Maxdome und Netflix ist Blockbuster überflüssig geworden. Ein ähnliches Schicksal droht nun GameStop, doch das Unternehmen stemmt sich mit aller Gewalt gegen seinen eigenen Niedergang. Schauen wir uns das Unternehmen einmal näher an.

Trendwendung im Spielkonsolengeschäft

80% des Umsatzes von 10 Mrd. USD werden mit dem Verkauf von Spielkonsolen und Spielen auf CDs gemacht, Tendenz rückläufig. Gestern Abend wurden Quartalszahlen veröffentlich, und diesen war zu entnehmen, dass der Verkauf von CDs um 7,6% zurückgegangen ist, der Verkauf von neuen Spielkonsolen sogar um 28,8%. Schuld daran, so das Management, war die Einführung der PS4 und Xbox One vor etwas mehr als einem Jahr, was damals die Verkaufszahlen überproportional in die Höhe schießen ließ.

Immer mehr Spieler kaufen ihre Spiele online. So bietet GameStop inzwischen auch Spiele zum Herunterladen an. Doch in diesem Bereich scheint der Markt schon längstens verteilt, entsprechend dem CD-Verkauf ging auch der Umsatz mit "digitalen Produkten" sprich Spielen zum herunterladen, um 7% zurück. Schade, denn die Gewinnmarge von 86% ist gerade hier extrem attraktiv.

So besinnt sich das Management derzeit auf die eigenen Stärken. 4.516 Läden besitzt das Unternehmen in den USA, 1.434 in Europa, 415 in Australien und 333 in Kanada. Was könnte man anstelle der Spiel-CDs verkaufen? Nun, GameStop versucht es mal mit dem Verkauf gebrauchter Smartphones. Teure Geräte werden gekauft, überholt und als "fast neuwertig" verkauft. Immerhin 850 Mio. USD setzt GameStop in diesem Bereich bereits um (+41%), besonders attraktiv ist die Gewinnmarge von 61%.

 

Merchandising-Artikel als Sprungbrett?

Neben Spielen, Spielkonsolen und gebrauchten Smartphones hat GameStop nun noch ThinkGeek dazu, ein Geschäft mit "Sammelartikeln". Gemeint sind damit Merchandising-Artikel zu coolen Marken, wie beispielsweise Laserschwerter und kleine BB-8 Nachttischlampen. Star Wars, Star Treck, Minecraft, Marvel und Game of Thrones wurden unter Vertrag genommen. Diese Spielzeugartikel lassen sich meines Erachtens nur schwer über das Internet verkaufen, es hilft, wenn man sie beim Kauf in der Hand halten kann.

Es werden zwar erst 500 Mio. USD in diesem Bereich umgesetzt, aber der Umsatz ist im abgelaufenen Quartal um 261% angesprungen. Auch die Gewinnmarge von 35% ist attraktiv für Artikel, die man physisch im Geschäft verkauft.

Ein Heibel-Ticker Kunde stieß mich auf diese Entwicklung. Seiner Aussage nach blieb der Umsatz insbesondere mit Star Wars Artikeln (The Force Awakens) hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil Disney nur wenige Informationen zum neuen Film bereits vor der Premiere veröffentlichte. Die Hersteller von Star Wars Artikeln konnten also erst im Dezember 2015 beginnen, sich neue Artikel auszudenken. Der Absatz dieser Artikel dürfte also erst jetzt so richtig beginnen.

Für den kommenden Winter ist die nächste Star Wars Episode angekündigt, den Gerüchten zufolge ist für diese Episode aber nicht mit einer so großen Zahl an neuen Charakteren zu rechnen wie im vergangenen Dezember. Sprich: Die begleitenden Verkaufsartikel können heute schon entworfen werden, der Vertrieb dürfte diesmal also schneller anlaufen.

Das spielt natürlich GameStop in die Hände, die den anhaltenden Umsatzschwund im CD- und Konsolengeschäft irgendwie auffangen müssen. 700 Mio. USD Umsatzrückgang im CD- und Konsolengeschäft könnten durch 300 Mio. USD Umsatzwachstum im Bereich der Sammelartikel bei deutlich höherer Gewinnmarge aufgefangen werden. Der größte Umsatzrückgang fand im Bereich der Spielkonsolen statt, wo die Marge mit 9% am kleinsten ist. Entsprechend würde ich für den weiteren Jahresverlauf weiterhin einen rückläufigen Umsatz erwarten, der Gewinn könnte jedoch dennoch ansteigen.

Konservative Prognose für neuen Geschäftszweig

Nach den Quartalszahlen von gestern Abend bricht die Aktie heute um 9% ein, Analysten sind enttäuscht von dem schwachen Ausblick des Managements. CEO Raines bemerkte dazu in der Telefonkonferenz, dass Analysten wohl überrascht seien von seiner konservativen Prognose, dabei gebe er traditionell schon immer eine sehr konservative Prognose aus. Ich halte die konservative Prognose durchaus für gerechtfertigt, da der Aufbau eines neuen Geschäftszweig immer mit besonderen Risiken behaftet ist. Doch ich denke, dass die unter der Oberfläche sichtbare positive Margenentwicklung noch nicht ausreichend von Analysten gewürdigt wird. GameStop "schrumpft" sich gesund.

Unter'm Strich rechnen Analysten mit einem Gewinnwachstum von durchschnittlich 10% p.a. in den kommenden fünf Jahren. Das KGV 2017e von GameStop liegt aber nur bei 7. Zudem wird eine Dividendenrendite von 5% geboten. Das Unternehmen hat kaum Schulden (350 Mio. USD), die zudem durch Barreserven mehr als gedeckt sind (450 Mio. USD).

GameStop CEO Paul Raines hat erkannt, dass das alte Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Seit dem Börsengang vor vierzehn Jahren ist die Aktie von 10 auf 60 USD im Jahr 2007 gestiegen, heute notiert sie bei 30 USD. Seit vier Jahren wird kontinuierlich eine Dividende ausbezahlt. Das Geschäft zeichnet sich durch einen hohen freien Cashflow aus und nun ist es an CEO Raines, dieses stabile Geschäftsmodell für neue Märkte weiterzuentwickeln.

Die starke Markenorientierung von Disney spielt ihm dabei in die Hände, denn Disney verlässt sich inzwischen lieber auf Kooperationspartner, um die eigenen Marken zu Geld zu machen, und verdient lediglich an Lizenzrechten. GameStop ist bestens positioniert, um diesen Strategiewechsel Disneys zum eigenen Vorteil zu nutzen. In meinen Augen ist das KGV 2017e von 7 viel zu niedrig für diese Chance, GameStop ist daher eine Spekulation wert.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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