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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 09.11.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 09.11.2012:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fuchs Petrolub - schon immer teuer

ISIN: DE0005790430 Kurs aktuell: 54,40€ Der Mannheimer Hersteller von Fetten und Ölen begeistert durch eine solide Bilanz und gutes Management. Neue Regionen werden erschlossen, mit innovativen Produkten werden neue Geschäftsbereiche eröffnet. Fuchs Petrolub wächst, wo die Branche konsolidiert. Dies zeigt sich jedoch schon im hohen Bewertungsniveau.

Widersprüchliche Einschätzungen finden wir allerdings bei der Beurteilung der Aktie zwischen Privatanlegern und Analysten. So halten die fünf Privatanleger, die über Sharewise Ihre Meinung kund getan haben, Fuchs Petrolub für einen Kauf mit Kursziel bei 55,13 Euro. Die neun Analysten hingegen, Profis also, haben fünf Halten und vier Kaufen auf Fuchs Petrolub mit einem Kursziel von durchschnittlich 47,65 Euro.

DER GRÖSSTE WIDERSPRUCH IST BEI ANALYSTEN ZU SUCHEN


Wie kommt es, dass alle Sharewise-Mitglieder die Aktie zum Kauf empfehlen und alle Profis ein „Verkaufen" oder bestenfalls „Halten" drauf haben? Sie wissen, dass bei vielen Analysten „Halten" nur verwendet wird, um sich dem Hass des Unternehmens zu entziehen – häufig heißt „Halten" hinter vorgehaltener Hand ebenfalls „Verkaufen". Gegensätzlicher könnten die Meinungen also nicht sein. Laufen hier die Privatanleger in eine Falle?

Ich habe mir das Research eines gesamten Jahres zu Fuchs Petrolub angeschaut. Dabei habe ich ein Muster erkannt: Ein Muster bei den Analysten, die das Management systematisch unterschätzen. Und das Management macht dies recht gut. In jeder Analystenkonferenz werden eine Reihe handfester Beweise geliefert, warum das Geschäft von nun an nicht mehr so erfolgreich weiterlaufen kann wie zuvor. „Tiefstapeln" nennt man das.

In den vergangenen vier Jahren ist die Aktie von Fuchs Petrolub ohne nennenswerte Pausen von links unten nach rechts oben gelaufen, von 10 auf nunmehr 54 Euro. Irgendwas macht das Management richtig. Schauen wir uns das Unternehmen also einmal im Detail an.
 

TAUSENDE FETTE UND ÖLE


Fuchs Petrolub bezeichnet sich als weltweit größter unabhängiger Anbieter von Schmierstoffen und Ölen. Dabei zeichnet sich das Unternehmen durch einen hohen Spezialisierungsgrad aus. Für die verschiedensten Anwendungsgebiete werden Fette und Öle mit jeweils passenden Eigenschaften hergestellt. Ob Kunststoffe oder Metalle aneinander reiben, ob hohe oder niedrige Temperaturen entstehen oder die Witterung abgewehrt werden muss, es gibt unzählige Anwendungen die jeweils unterschiedliche Eigenschaften in den verwendeten Schmierstoffen und Ölen erfordern.

Wichtigster Rohstoff ist natürlich Öl. So sind die Rohstoffkosten in den vergangenen Jahren parallel zum Anstieg des Ölpreises über 100 USD/Fass drastisch gestiegen. Zwar kann das Unternehmen diesen Preisanstieg an seine Kunden weitergeben, es hat in den vergangenen zwei Jahren mehrere Preiserhöhungen durchgesetzt. Doch die Befürchtung steht im Raum, dass Kunden irgendwann sparsamer einkaufen werden, wenn Öle und Fette zu teuer werden.

Da haben wir auch schon ein wichtiges Argument der Analysten: Die diversen Preiserhöhungen müssen deren Meinung nach doch irgendwann zu einer abnehmenden Nachfrage führen. Wenn ein Produkt zu teuer wird, dann sinkt die Nachfrage, ist doch logisch, oder? Oder etwa nicht?

Nein, denn Fette und Öle haben einen so geringen Kostenanteil bei Produkten, dass sich die Kalkulation für den Produktpreis auch nach den diversen Preiserhöhungen nicht verändert hat. Sie laufen noch immer häufig unter „Sonstiges" und werden nicht in Millionen oder Tausend sondern mit Nachkommestellen ausgewiesen.
 

EXPANSION IN WACHSTUMSMÄRKTE


Das Mannheimer Familienunternehmen erwirtschaftet über die Hälfte seiner Einnahmen in Europa, das Meiste natürlich in Deutschland. Aber gut ein Viertel des Umsatzes wird bereits in Asien erzielt. Und auch auf dem amerikanischen Kontinent fasst das Unternehmen nun Fuß.

Das Verhältnis wird sich ändern, denn in Asien und Amerika wächst der Umsatz im laufenden Jahr mit 19,3% bzw. 17,9% resp. während in Europa „nur" 7,7% Wachstum erzielt wurden. Wenn Sie sich die Hiobsbotschaften Europas der vergangenen Monate vor Augen führen, dann sind auch die 7,7% sehr beachtlich. Und vor dem Hintergrund der Bremsspuren in China ist das Asiengeschäft ebenfalls überdurchschnittlich erfolgreich.

Überall ist das Wachstum stärker als der Gesamtmarkt. Hier finden wir den zweiten Fehler, den die Analysten machen: Fuchs Petrolub jagt der Konkurrenz Marktanteile ab. Das Unternehmen schwimmt nicht mit dem Wohl oder Übel der Konjunktur oder der belieferten Branchen, sondern wächst überproportional.
 

GUTES MANAGEMENT


Bei vielen Unternehmen wird ein hoher Cashflow gelobt, eine hohe Dividende, ein niedriges KGV oder aber ein überlegenes Produkt. Bei Fuchs Petrolub würde ich das Management in den Vordergrund stellen, denn das Unternehmen präsentiert sich derzeit extrem flexibel und bissig, erobert neue Märkte und bietet individuelle Innovationen für spezielle Probleme an.

51,7% der Aktien befinden sich im Besitz der Familie Fuchs. Stefan R. Fuchs ist Vorstandsvorsitzender und Dr. Manfred Fuchs sitzt im Aufsichtsrat. Die Familie hält also die Fäden in der Hand. Familienstreitigkeiten können eine Firma in den Ruin führen. Wenn's aber passt, dann entwickelt sich eine unglaubliche Dynamik. Und bei der Familie Fuchs passt's.
 

AMBITIONIERTES BEWERTUNGSNIVEAU


Das Umsatzwachstum liegt bei 7-9% und ist für das KGV 2012e von 17 ausreichend. Wie schon von allen Analysten bemerkt: Das Bewertungsniveau ist hoch. In der Bilanz stehen jedoch rund 100 Mio. Euro Nettofinanzliquidität, die Barmittel übersteigen die Schulden also um 100 Mio. Euro. Dennoch wird nur eine Dividendenrendite von knapp 2% erwartet. Mit 3,8 Mrd. Euro ist der Umsatz von 1,8 Mrd. Euro schon üppig bewertet, ein KUV von über 2 wird nur Wachstumsunternehmen zugestanden.

Wir haben heute erfahren, dass nach dem Rest von Europa nun auch in Deutschland die Konjunktur Probleme bekommen wird. Gleichzeitig deutet sich in China eine Bodenbildung an, und in den USA hat Obama mit seiner zweiten Amtszeit die Möglichkeit, weiterhin reichlich Liquidität in die Wirtschaft pumpen zu lassen.

Sie sehen, wenn ich die Chancen des Unternehmens bewerten soll, komme ich ins Schwanken. Das Bewertungsniveau ist so hoch, dass es kaum Platz für Probleme gibt. Doch die Konjunktur in Europa ist alles andere als rosig, Wachstum für Fuchs Petrolub muss aus China und den USA kommen.
 

FAZIT: AUF BESSERE KAUFKURSE WARTEN


Allein seit Juni ist die Aktie um 35% angesprungen. Bei aller Kritik an Analysten, die seit 12 Monaten kontinuierlich pessimistisch gestimmt waren und somit 80% Kursgewinn verkannten, so langsam kann ich die Skepsis nachempfinden. Insbesondere der Kursanstieg der vergangenen Monate sollte nun bald auslaufen und für einen Einstieg würde ich in jedem Fall auf eine Konsolidierung, vielleicht sogar eine Korrektur in Richtung 48 Euro warten.

Mittel- und langfristig würde ich in erster Linie das Management beobachten. Gelingt es, die Schwäche Europas mit China und den USA auszugleichen, dann spricht dies erneut für die hohe Qualität des Managements, das sich flexibel auf Markttrends einstellen kann. So dürften die hohen Wachstumsraten in diesen Märkten schon bald auch zu maßgeblichen Gewinnbeiträgen im Konzern führen, was der Aktie weiter auf ein neues Kursniveau helfen kann.

Kurz gesagt: Zu den aktuellen Kursen müssen Sie nicht kaufen, warten Sie lieber auf eine bessere Einstiegsgelegenheit, um dieses solide und gut geführte Unternehmen einzusammeln.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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