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Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 01.07.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.07.2011:

Börsenbrief zertifikate kompakt
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Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Fraport: Flughafenkonzern steht vor längerer Expansionsphase

Glänzende Passagierzahlen und das Rennen um die Hochtief-Tochter Concessions sorgten für höhere Notierungen bei der Flughafen-Aktie Fraport. Analysten äußerten sich ebenfalls optimistisch zu den mittelfristigen Perspektiven des Unternehmens. Doch nach dem Kursanstieg der vergangenen Jahre ist die Aktie aus fundamentaler Sicht kein Schnäppchen mehr. Einige Zertifikate jedoch bieten auch in einem Seitwärtstrend attraktive Renditen.

 

Erstmals in seiner Geschichte nutzten in einem Monat mehr als 5 Mio. Passagiere den Flughafen Frankfurt: Im Mai 2011 zählte Fraport 5,04 Mio. Fluggäste – ein Plus von 5,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach der Steigerung im April liegt Fraport damit gut im Plan. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand in Frankfurt einen Wachstumskorridor von 4% bis 7% an. Auf Konzernebene sollte das Plus noch größer ausfallen, kletterten doch die Passagierzahlen im ersten Quartal 2011 bereits um 7,7% auf 16,9 Mio. Der Umsatz erhöhte sich um 6,9% auf 508,6 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sogar um 11% auf 128,5 Mio. Euro. Eine deutliche EBITDA-Steigerung ist allerdings auch erforderlich, um die gestiegene Kostenbasis zu verkraften. Mit dem Bau einer weiteren Startund Landebahn waren schließlich erhebliche Investitionen verbunden, die allein in den ersten drei Monaten 2011 zu einem negativen Cashflow von 160 Mio. Euro führten. Per Ende März erreichten die Nettofinanzschulden des Konzerns 2,23 Mrd. Euro. Trotzdem will Fraport das niedrige Zinsniveau nutzen, um das Beteiligungsportfolio auszubauen. Interesse bekundete das Unternehmen zum Beispiel am Flughafen Athen, an dem neben Hochtief (40%) der griechische Staat beteiligt ist. Die vom spanischen Baukonzern ACS kontrollierte Hochtief will sich noch dieses Jahr von ihrer Infrastrukturtochter Concessions trennen. Beim Bieterverfahren sollen neben Fraport angeblich nur noch vier weitere Interessenten im Rennen sein. Schätzungen zufolge hat Concessions einen Wert von 1,5 Mrd. Euro.

Deutsche Bank rät zum Kauf, BNP Paribas nicht

Käme Fraport bei der Hochtief-Tochter zum Zug, würde der Auslandsanteil am Konzernumsatz massiv zunehmen. Bisher dominiert Frankfurt das Geschäft, obwohl die Airports in Antalya (FraportAnteil 50%) und Lima (70%) stark wachsen. Aber auch ohne diese Mega-Akquisitionen steht Fraport eine längere Expansionsphase bevor. Deutsche Bank-Analyst Michael Kuhn empfahl deshalb den MDAX-Titel Mitte Juni mit einem Kursziel von 65 Euro zum Kauf. Zuvor hatte sein Kursziel nur bei 40,40 Euro gelegen. Zum einen steht im Herbst die Inbetriebnahme der vierten Startund Landebahn auf der Agenda. Zum anderen wird im kommenden Jahr ein neuer Flugsteig im Terminal 1 eröffnet. 2016 kommt noch ein drittes Terminal hinzu. Alle diese Maßnahmen ermöglichen enormes Wachstumspotenzial in den nächsten Jahren. Dabei hat Kuhn externe Impulse noch gar nicht berücksichtigt. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen unter den Analysten, die auf die schwierige Ertragslage der Airlines verweisen. Neben Überkapazitäten belasten hohe Treibstoffkosten die Margen in der Branche. Wegen des harten Wettbewerbs konnten die Fluggesellschaften noch nicht einmal die zu Jahresbeginn eingeführte Luftverkehrsabgabe vollständig auf die Ticketpreise aufschlagen. „Mittelfristig werden die Preise steigen müssen“, sagte Christoph Blume, Präsident des deutschen Flughafenverbandes ADV, der WAZ. Stanislas Coquebert de Neuville von der BNP Paribas stuft Fraport deshalb weiter mit „underperform“ ein. Sein Kursziel: 55 Euro.

Unabhängig vom Ausgang des Bieterverfahrens um Concessions und einer potenziellen Übernahme des staatlichen Anteils am Flughafen Athen dürfte der Fraport-Gewinn 2011 deutlich steigen. Vorstandschef Schulte bestätigte jedenfalls im Mai den Ausblick für das Gesamtjahr. Das EBITDA soll um 10% bis 15% steigen. Aufgrund eines Sondereffekts dürfte der Überschuss leicht unter dem Vorjahreswert liegen. Trotz dieses positiven Ausblicks ist die Fraport-Aktie allerdings nicht mehr billig. Kein Wunder, stieg der Kurs des MDAX-Titels seit dem Krisentief im Frühjahr 2009 bereits um 155% auf 55,33 Euro (Stand: 30. Juni). Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2012 von gut 20 ist die Aktie selbst für einen Wachstumstitel ambitioniert bewertet. Sollte sich die Weltkonjunktur allerdings im nächsten Jahr abschwächen, könnte das faire KGV auch in die Range zwischen 15 und 18 fallen. Deutlich niedrigere Aktienkurse wären die Folge. Ein Börsencrash wie 2008, als die Aktie 44% einbüßte, scheint dennoch wenig wahrscheinlich. Schließlich dürfte die deutsche Wirtschaft dem ifo-Institut zufolge in diesem Jahr um 3,3% und 2012 um 2,3% wachsen. „Wir erleben einen fantastischen Wirtschaftsaufschwung“, sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am 29. Juni in München. Ohnehin verdiente Fraport selbst im Krisenjahr 2009, in dem viele zyklische Unternehmen tief in die roten Zahlen rutschten, noch 1,60 Euro je Anteilsschein.

Charttechnisch in einem soliden Aufwärtstrend

Zu einer Konsolidierung könnte es allerdings durchaus kommen, wenn sich diese aus charttechnischer Sicht auch nicht abzeichnet. Vielmehr befindet sich die Aktie in einem soliden Aufwärtstrend, der bei 50 Euro durch die 200-Tage-Linie nach unten abgesichert ist. Als weitere Unterstützung dient das März-Tief von 46,55 Euro. Optimisten setzen deshalb auf ein Bonuszertifikat mit einer Barriere unter dem Jahrestief. Die Emission der BNP Paribas beispielsweise weist eine Barriere von 42 Euro auf. Wird diese Hürde während der Laufzeit nicht erreicht oder unterschritten, wird mindestens der Bonusbetrag von 65 Euro ausgezahlt. An weiteren Kurssteigerungen der Aktie partizipiert das Zertifikat vollständig. Bei einem Kurs des Bonuszertifikats von 59,91 Euro (Stand: 30. Juni) errechnet sich eine Bonusrendite von 8,7% p.a. Deutlich geringer fällt die Verzinsung des Capped Bonus-Papiers von HSBC Trinkaus & Burkhardt aus. Dafür beträgt die Barriere aber auch lediglich 36 Euro und die Obergrenze nur 54 Euro. Etwas größere Renditechancen bietet die Aktienanleihe plus von Macquarie mit einem Basispreis von 52 Euro und einem Kupon von 9,25%. Sollte Fraport bei Fälligkeit unter dem Basispreis notieren, darf der Emittent nur dann mit Aktien statt mit Geld tilgen, falls der Kurs bis dahin mindestens einmal die Barriere von 42 Euro berührt oder unterschritten hat. Ansehnliche 8,1% p.a. sind beim Discount-Zertifikat der Commerzbank mit einem Cap von 50 Euro möglich, zumal diese Rendite auch dann erwirtschaftet wird, wenn der Kurs um maximal 9,6% fällt.

Fazit:

Fraport steht vor einer längeren Phase strukturellen Wachstums, könnte sich aber kaum von einer Abschwächung der Weltkonjunktur abkoppeln. Daher sollten Anleger einkalkulieren, dass die Hausse im zweiten Halbjahr 2011 eine Pause einlegt. Mit den passenden Zertifikaten lassen sich aber selbst in einem Seitwärtstrend ansehnliche Renditen erzielen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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