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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 28.08.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 28.08.2014:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

FLUGHAFEN ZÜRICH (864 151; 586 CHF) sticht positiv unter den europäischen Flughafenbetreibern hervor

Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Die Finanzkrise 2007 hat zu einem Einbruch der Passagierzahlen im internationalen Luftverkehr geführt. Das hat natürlich vor allem die Fluglinien heftig unter Druck gesetzt, ist aber auch für die Flughafenbetreiber nicht ohne Folgen geblieben. Neben Sparmaßnahmen musste man mit der Verbreiterung der Angebotspalette von Dienstleistungen rund um das Flughafengeschäft verlorengegangenes Terrain zurückgewinnen, um später wieder auf Wachstumskurs umschwenken zu können. Dazu gehören auch Dienstleistungsverträge mit anderen Flughäfen oder Joint Ventures.

Flughafen Zürich schlägt sich in diesem harten Wettbewerb mit am besten. Das Unternehmen arbeitet profitabel, während die Zahl der Passagiere nur noch leicht wächst. International sind die Wachstumsraten größer. Wichtigstes Standbein ist und bleibt der Flughafen im Norden Zürichs. Darüber hinaus ist man an zehn Flughäfen in Indien und Lateinamerika beteiligt. Dazu kommt ein Managementvertrag in Kasachstan. Hierbei handelt es sich aber lediglich um ein Beratungsmandat für bis zu 11 Flughäfen, wobei die Infrastruktur vollständig Eigentum des kasachischen Staates bleibt.

Das erfolgreichste Auslandsprojekt ist weiterhin die Beteiligung in Bangalore. Schon im Jahre 2002 hatte man sich am Neubau des dortigen Flughafens beteiligt und einen Anteil von 17 % gehalten. 2009 hatte man dann 12 % der Anteile verkauft und einen außerordentlichen Gewinn in Höhe von 76 Mio. CHF nach Steuern eingestrichen. Das hatte den Anteilseignern eine Sonderdividende von 2,50 CHF je Aktie eingebracht. Flughafen Zürich will sich um eine Verlängerung des Mandats bemühen und in den kommenden Monaten entsprechende Verhandlungen beginnen.

Der Flughafen Confins im brasilianischen Belo Horizonte ist der jüngste Streich im Auslandsportfolio von Flughafen Zürich. 2013 haben über 10 Mio. Passagiere diesen Flughafen genutzt. Zusammen mit dem Flughafen München und dem brasilianischen Autobahnbetreiber CCR hatte man sich um die bis 2043 dauernde Konzession beworben und den Zuschlag erhalten. Das Dreierkonsortium hält die Mehrheit von 51 % an Confi ns, wobei CCR Mehrheitsgesellschafter ist. Ähnlich wie zuvor in Bangalore steht nun auch in Confins ein Ausbau der Infrastruktur auf der Agenda. Flughafen Zürich kann hier von einem reichen Erfahrungsschatz profitieren, den man bei der Planung und der Inbetriebnahme des erweiterten Terminals in Bangalore gewonnen hat. Dem Projekt wird ein großes Potenzial zugesprochen. Bis 2043 soll die Passagierzahl in Confins auf jährlich 43 Mio. zunehmen.

Mittelfristig will Flughafen Zürich über Managementverträge im Ausland 15 bis 20 Mio. CHF p. a. erwirtschaften. Durch das Projekt in Brasilien und Kasachstan ist man diesem Ziel ein Stück näher gekommen, aber es ist noch ein gutes Stück des Weges zu gehen. Im vergangenen Jahr hatten die Einnahmen aus diesem Geschäft noch im einstelligen Millionenbereich gelegen.

Aber wie schlagen sich die europäischen Konkurrenten von Flughafen Zürich?

• FRAPORT (577 330; 51,62 €) ist im Ausland deutlich besser vertreten als die Schweizer Kollegen.
Weltweit betreibt man 13 Flughäfen. Wegen der Sanktionen und Gegensanktionen um die Ukraine-Krise steht aber hinter den Aktivitäten im russischen St. Petersburg ein großes Fragezeichen. Obwohl Fraport Anfang August solide Zahlen gemeldet hatte, kam der Aktienkurs unter Druck. Mit einem KGV von 19 ist die Aktie nur marginal teurer als die von Flughafen Zürich. Allerdings wiegt das Risiko wegen der Unsicherheit in Russland ungleich schwerer.

• AÉROPORTS DE PARIS (A0J 2WM; 100,40 €) ist vor allen Dingen für die drei Großflughäfen im Raum Paris bekannt. Neben Charles De Gaulle, Orly und Le Bourget betreibt man aber auch noch einige kleinere Flugfelder in Frankreich sowie über Beteiligungen im Ausland, z. B. in Mexiko, Belgien, Saudi-Arabien, Jordanien und der Türkei. Die Aktie hatte seit Jahresbeginn bis zu 20 % zugelegt, davon aber wieder einen großen Teil abgegeben. Mit einem KGV von 26 ist die Aktie im europäischen Branchenvergleich am teuersten. Zwar sind die Geschäftsaussichten weiterhin vielversprechend, aber der Kurs dürfte wegen der hohen Bewertung kaum mehr Aufwärtspotenzial haben.

• FLUGHAFEN WIEN (884 216; 66,50 €) hält dagegen nur zwei Auslandsbeteiligungen. Malta und die Slowakei spielen aber lediglich eine Nebenrolle. In Wien liegen die Passagierzahlen und auch die Einnahmen aus den Geschäftsaktivitäten am Flughafen aber deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer europäischer Flughafenbetreiber. Daraus erwächst ein gewisses Aufholpotenzial in Wien. Das hat sich aber bereits in einer Kursverdopplung auf Sicht der letzten drei Jahre ausreichend niedergeschlagen. Mit einem KGV von 19 ist die Bewertung mit der von Flughafen Zürich vergleichbar. Die Aktie dürfte noch Potenzial haben, sollte das Verkehrswachstum am Wiener Flughafen größer als erwartet ausfallen. Bleibt das aus, droht allerdings deutliches Rückschlagspotenzial.

Fazit: Unter den europäischen Flughafen-Betreibern ist Flughafen Zürich am attraktivsten. Neben den vielversprechenden Auslandsbeteiligungen überzeugt vor allem aber auch das Geschäft am Heimatstandort Zürich. Die Aktie zeigt mit einem Plus von 12,7 % seit Jahresbeginn relative Stärke zum breiten Markt. Sollte der Kurs über das bisherige Hoch von 600 CHF steigen, dürfte sich die Aufwärtsentwicklung beschleunigen. Zusätzliches Kurspotenzial sollte aus dem Immobilienprojekt „The Circle“ erwachsen. Bis zum Herbst will man eine Vorvermietungsquote von 50 % erreicht haben. Es haben bereits hochrangige Mieter, wie z. B. das Universitätsspital Zürich, zugesagt. „The Circle“ hat das Zeug dazu, eines der größten Hochbauprojekte der Schweiz zu werden. Am Erfolg zweifelt kaum jemand. Kursrücksetzer sollten deshalb weiter zum Kauf genutzt werden!

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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