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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.11.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.11.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fitbit - Warum Insider verkaufen

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Warum sollten wir kaufen, wenn doch Insider, der vermeintlich wesentlich besser über die aktuellen Geschäftsaussichten bescheid wissen als wir, verkaufen?  Die Standardantwort lautet: Es gibt Millionen Gründe, warum jemand eine Aktie verkauft, es gibt aber nur einen Grund, warum er eine Aktie kauft. Kaufen tut man, weil man von deren Zukunft überzeugt ist. Verkaufen tut man, weil man das Geld braucht, weil man eine andere Anlageform bevorzugt, weil man ... schlechte Geschäftsaussichten erwartet, doch das ist nur ein Grund von vielen. 

Klares Geschäftsmodell von Risikokapitalgebern

Bei Fitbit verkaufen nun viele Insider ihre Aktien. Fitbit ist ein junges Unternehmen, das mit viel Risiko-Kapital (Venture Capital=) aufgebaut wurde. Risikokapitalgeber (Venture Capitalists) haben ein klares Geschäftsmodell: sie suchen sich Startups, machen sie groß, bringen sie an die Börse und versilbern ihr eingesetztes Kapital. Das Ziel ist der Börsengang, in dessen Rahmen die Anteile verkauft werden. Je schneller, desto besser. 

Es ist nicht das Ziel von Venture Capitalists, am Wachstum eines börsennotierten Unternehmens zu partizipieren. Entsprechend ist es dem Venture Capitalist egal, wie das Geschäft nach dem Börsengang läuft. Seine Geldgeber (ja, auch Venture Capitalists arbeiten mit fremden Geldgebern) verlangen, dass das Geld in Startups eingesetzt wird. Es ist der Teil Ihres Vermögens, den sie für diese Art der Geldanlage vorgesehen haben. Und da wollen sie nicht ewig in einem börsennotierten Unternehmen investiert bleiben. 

Ich halte also den Umstand, dass in diesen Tagen 14 Mio. Aktien von Insidern auf die Börse geworfen werden, nicht für ein schlechtes Omen. Vielmehr wird der Börsengang  von Fitbit zum Musterbeispiel für eine gelungene Venture Capitalist Strategie mit "erfolgreichem" Börsengang als Exit. 

Wie bereits gesagt, ich kann kaum abschätzen, wie stark diese zusätzlich auf den Markt geworfene Aktienmenge den Kurs kurzfristig drückt. Es kann gut sein, dass viele spekulative Aktienanleger genau wie wir in Fitbit DIE Weihnachtsspekulation dieser Saison sehen und glücklich darüber sind, dass so viele Aktien auf den Markt kommen. 

Vorsprung von Fitbit?

Ich weiß übrigens, wer gestern glücklich war: Die Shortseller in Fitbit. Davon gibt es nämlich auch eine ganze Menge und die erwarten tatsächlich einen fallenden Kurs, denn sonst würden sie nicht auf fallende Kurse spekulieren. Meiner Recherche zufolge erwarten Shortseller in Fitbit deshalb fallende Kurse, weil es bei GoPro auch so war. GoPro hat es nicht geschafft, über einen Gadget-Anbieter hinaus zu wachsen. Gadgets (technologische Spielzeuge) werden innerhalb von wenigen Monaten anderswo in vergleichbarer Qualität zu einem Bruchteil des Preises produziert, entsprechend kurzlebig ist der Erfolg von GoPro. 

Fitbit hingegen verkauft seine Uhren als Fitness-Programm und hat häufig Unternehmen zum Kunden. In form eines Rahmenvertrags mit einem Unternehmen wird den Mitarbeitern die Uhr zu einem günstigeren Preis angeboten. Gleichzeitig werden unternehmensspezifische Foren aufgebaut, in denen sich die Mitarbeiter gegenseitig mit sportlichen Leistungen anspornen können. Ja, wieder einmal der Begriff "social", der hier für Kursphantasie sorgt. 

Ich glaube nicht, dass es derzeit ein anderes Technologieunternehmen gibt, das individuelle und gleichzeitig umfassende Angebote für Unternehmen anbietet. Es wundert mich natürlich, dass Apple da noch nicht in den Markt vorgedrungen ist. Inzwischen hat Fitbit jedoch einen Vorsprung, den Apple schwer wird aufholen können. 

Also: Wer noch keine Position in Fitbit hat, der erhält in diesen Tagen eine zweite Chance zum Einstieg. Das Unternehmen hat so ziemlich die größte positive Überraschung dieser Berichtssaison präsentiert. Der Kurs ist nur aufgrund der Aktienplatzierung nochmals kräftig im Minus. Sobald die Aktienplatzierung verdaut ist, dürfte der Kurs meines Erachtens wieder anziehen. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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