FINANZWELT BLICKT AUF MERKEL & DRAGHI

Stephan Heibel
Veröffentlicht von Stephan Heibel am 18.05.2012
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Heibel-Ticker Börsenbrief

Wer wird es richten? Wird es gerichtet? In meiner Analyse, die ich am Mittwoch den Heibel-Ticker PLUS Kunden zuschickte, kam ich zu dem Schluss, dass die Lösungen auf dem Tisch liegen, doch deren Umsetzung lässt auf sich warten. Und „warten“ kann teuer werden.


 

So befinden sich die Finanzmärkte wieder einmal in Fesseln

einer nicht handlungsfähigen europäischen Politik. Entweder die

Europapolitik hat neue Verhandlungspartner, wie in Frankreich

und Holland. Oder gar keine Verhandlungspartner, wie in

Griechenland.

 

Die Griechen sagen: „Wir machen das nicht mit“, und niemand

weiß so recht, wie genau die Alternative aussehen wird.

 

Die Spanier sind handlungsunfähig, denn sie haben alles getan,

was von ihnen verlangt wurde, und dennoch ist die Hälfte aller

Jugendlichen arbeitslos, Immobilien drohen weitere 20-30% an

Wert zu verlieren, und Besserung ist nicht in Sicht.

 

Italien scheint vorerst aus dem Kreuzfeuer zu sein. Doch einen

handlungsfähigen Partner findet Deutschland derzeit weder dort

noch in Frankreich.

 

Und derweil widmet sich Angela Merkel innenpolitischen

Problemen, oder besser gesagt parteipolitischen Problemen.

Horst Seehofer ist diese Woche im Heute Journal der Kragen

geplatzt und er beklagte die Untätigkeit in der Regierung. Die

Umsetzung des Fiskalpakts müsse endlich in Angriff genommen

werden. Dies beinhalte auch eine Implementierung der bereits

beschlossenen europäischen Transaktionssteuer.

 

Schauen wir einmal, wie die Märkte auf diese Untätigkeit

reagierten:

 

 

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES

 

 

INDIZES            17.5.12  DIFF

Dow Jones          12.442   -3,2%

DAX                 6.309   -3,2%

Nikkei              8.611   -3,8%

Euro/US-Dollar      1,268   -1,9%

Euro/Yen          100,465   -2,5%

10-Jahres-US-Anleih  1,70%  -0,2

Umlaufrendite Dt     1,19%  -0,1

Feinunze Gold    $1.575,9   -0,3%

Fass Brent Öl     $106,89   -4,3%

Kupfer              7.660   -4,3%

Baltic Dry Shipping 1.137   -0,8%

 

Um 3,2% ist der DAX diese Woche eingebrochen. Hinzu kommt ein

Wertverlust des Euros gegenüber dem US-Dollar um 1,9%.

Internationale Anleger fliehen aus Europa.

 

Griechenland wird erst am 17. Juni Neuwahlen abhalten. Bis

dahin dürfen wir von dort mit keiner Besserung rechnen, im

Gegenteil: Wenn wir jüngsten Umfragen glauben, dann werden

Europagegner die Mehrheit stellen, und damit steigt die Gefahr

eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone.

 

Spätestens dann wird sich zeigen, wie der Plan-B unserer

Regierung für einen solchen Fall aussieht. EZB-Chef Draghi hat

in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass er nicht

gewillt ist, irgendwelche Verluste aus der Griechenland-

Tragödie zu übernehmen. Griechische Banken können sich ab

sofort bei ihm nicht mehr refinanzieren.

 

Das erhöht nochmals den Druck auf die Politik, die bislang in

Zeiten größten Trubels stets auf die Hilfe der EZB hoffen

konnte. Jetzt muss die Politik selbst agieren, und nachdem

Strukturreformen und Sparmaßnahmen inzwischen beschlossen sind,

fehlt es an dem von Hollande, der SPD und sogar von vielen in

der Union geforderten Marshall-Plan.

 

Strukturreformen sind das einzig langfristig erfolgsbringende

Konzept. Doch die Reformen bereiten Schmerzen, und diese müssen

mit Förderprogrammen gelindert werden. Schauen wir einmal, wie

sich die Stimmung unter Anlegern und Analysten entwickelt:

 

 

SENTIMENTDATEN

 

Analysten

Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

 

Kaufen / Verkaufen

27.04.- 04.05. (198): 46% / 13%

04.05.- 11.05. (156): 52% / 11%

11.05.- 18.05. (141): 51% / 11%

 

Kaufempfehlungen der Analysten

Allianz, Leoni, Südzucker

 

Verkaufsempfehlungen der Analysten

IamGold, Klöckner, Nokia

 

Privatanleger

18. KW: 65% Bullen (166 Stimmen)

19. KW: 56% Bullen (179 Stimmen)

20. KW: 51% Bullen (142 Stimmen)

 

Kaufempfehlungen der Privatanleger

Total S.A., Vallourec, Gilead Sciences

 

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger

Keryx Biopharmaceuticals, Loewe, Hamburger Hafen und Logistik

 

Die Sentiment-Daten wurden in Zusammenarbeit mit Sharewise

erstellt:

http://www.sharewise.com?heibel

 

 

 

FACEBOOK MIT GRÖßTEN IPO DER GESCHICHTE

 

Ich hatte es angekündigt: Es würde mich wundern, wenn Facebook

mit weniger als 100 Mrd. USD Marktkapitalisierung an die Börse

geht. Und genau so ist es nun auch gekommen: Zunächst wurde die

Preisspanne für die Aktienausgabe von 28-35 USD auf 34-37 USD

angehoben, nun wurde der Emissionspreis auf 38 USD je Aktie

festgelegt. Die Marktkapitalisierung von Facebook beträgt

demzufolge 104 Mrd. USD!

 

Eine andere Entwicklung überrascht mich hingegen: Befürchtet

hatte ich ursprünglich, dass das Angebot an Aktien künstlich so

gering gehalten wird, dass anschließend institutionelle Anleger

über die Börse ihre gewünschten Positionsgrößen zukaufen müssen

und dadurch den Kurs in die Höhe treiben. Wären nur 5% der

Aktien an die Börse gegeben worden, dann hätte ich einen

Kurssprung über 100 USD am ersten Tag nicht ausgeschlossen.

Doch das Unternehmen wollte zunächst 10% ausgeben, was mich

beruhigte.

 

Nun hat Facebook jedoch bekanntgegeben, dass vom Start weg 16%

der ausstehenden Aktien über den Börsengang in den Streubesitz

gegeben werden. Das sind also Aktien im Volumen von über 16

Mrd. USD, die ab heute Nachmittag plötzlich gehandelt werden.

Und das bedeutet wiederum, dass Gelder in Höhe von 16 Mrd. USD

für Käufe anderer Aktien nicht zur Verfügung stehen. Das ist

schon eine Stange Geld, und das dürfte Öl ins Feuer des

aktuellen Ausverkaufs gießen.

 

Viele institutionelle Anleger bereiten sich in diesen Tagen auf

turbulente Sommerwochen in Europa vor: Griechenland, Spanien,

sozialistisches Frankreich, Machtverfall der CDU in

Deutschland, ... es gibt Gründe genug, einen heftigen

Ausverkauf an den Finanzmärkten zu fürchten, und so wird

Liquidität generiert was das Zeug hält, sprich, es werden

Aktienpositionen verkauft.

 

So sexy der Facebook-Börsengang auch sein mag, wenn die Aktie

jedoch heute Nachmittag über 50 USD steigen sollte, werden

viele institutionelle Anleger ihre Strategie der

Liquiditätsgenerierung konsequent umsetzen und ihre

Aktienzuteilung verkaufen. Sie werden, anders als zu besseren

Börsenzeiten, eben nicht ihre Positionen voll machen und Aktien

nachkaufen, sondern lieber die Gewinne einstecken und mit hohem

Barbestand die weitere Entwicklung in Europa beobachten.

 

Facebook wird man auch im Spätsommer wieder zu günstigeren

Kursen kaufen können, denn auch Facebook wird von einer ganzen

Liste von Unsicherheiten umgeben: Wird es dem Unternehmen

gelingen, seine 900 Mio. Nutzer zum Klicken auf die Werbung zu

bewegen?

 

Wenn es ein Unternehmen schafft, dies auch auf den neuen

mobilen Plattformen wie Smartphones und Touchpads zu

gewährleisten, dann Facebook. Doch ob es gelingen wird? Das

werden die nächsten Monate zeigen. Und als institutioneller

Anleger kann man da schon mal lieber die Gewinne eines

stürmischen Börsengangs einbuchen.

 

Im Moment, kurz vor Eröffnung der US-Börse, glaubt man, dass

die meisten institutionellen Anleger etwa ein Drittel ihrer

gewünschten Positionsgröße zugeteilt bekommen haben, und viele

von ihnen werden bis zu Kursen um 50 USD nachkaufen, um ihre

Positionen voll zu kriegen. Bei 50 USD liegt die rechnerische

Höchstgrenze einer irgendwie argumentativ begründbaren

Facebook-Bewertung, und so würde ich bei einem Übersteigen der

50 USD erwarten, dass der Verkaufsdruck derjenigen zunimmt, die

dann Gewinne realisieren und ihre Position auflösen.

 

Für uns als Privatanleger: Finger weg von den Aktien, es wird

einen besseren Zeitpunkt geben, um über einen Kauf

nachzudenken. Kurse deutlich unter 50 USD und mit wesentlich

mehr Gewissheit über die Möglichkeiten Facebooks, seine Kunden

zu Geld zu machen.

 

 

TOP ANALYSTENZIELE

 

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen

treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie

ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den

höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach

an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am

meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

 

Firma      Analyse vom Kurs Kursziel Upside

Ströer      16.05.12  8,63€ 21,10€  144,50%

MEDIGENE    14.05.12  1,14€  2,60€  128,07%

PVA TEPLA   14.05.12  3,16€  6,20€   96,20%

CENTROTHERM 15.05.12  5,22€ 10,00€   91,57%

SKY Dtl.    16.05.12  2,03€  3,75€   84,73%

THYSSENKRUP 15.05.12 15,25€ 28,00€   83,61%

Gigaset     15.05.12  1,77€  3,20€   80,79%

DIC ASSET   15.05.12  6,02€ 10,50€   74,42%

SALZGITTER  16.05.12 35,98€ 62,10€   72,60%

PRAKTIKER   14.05.12  1,55€  2,50€   61,29%

 

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen

Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig

auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille

sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell

optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend

erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber,

wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten

auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst

oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall

individuell zu beurteilen.

 

 

Hochexplosiv würde ich sagen ist die Stimmung am heutigen

Freitag! Hochexplosiv in beide Richtungen: Griechenland ist ein

absolutes Chaos, Spanien ist entwaffnet und steht mit dem

Rücken zur Wand, und die beiden Hauptakteure, Frankreich und

Deutschland, kümmern sich um ihre nationalen Probleme.

 

Kommt es über das Wochenende zu einer konzertierten Aktion,

dann wäre dies eine absolut positive Überraschung, die viele

Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischen würde und zu einer

heftigen Rallye führen könnte. Passiert hingegen nichts, dann

fundamentiert Europa den Ruf in der Welt, handlungsunfähig zu

sein. Ein hochexplosives Gemisch.

 

Im folgenden Kapitel habe ich eine lange Liste von Aktien

aufgezeigt, die ich je nach Entwicklung kaufen würde.

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