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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 24.01.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.01.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fehlentwicklungen in China sind schwer zu korrigieren

So, da haben wir schon die erste Krise im noch jungen Jahr 2014. Die Krise heißt "Credit Equals Gold #1 Collective Trust", ein verbriefter Kredit von vermögenden Kunden der Industrial and Commercial Bank of China direkt an das Kohleunternehmen Shanxi Zhenfu. Dieser verbriefte Kredit wird zum 31. Januar fällig, doch das Unternehmen ist bereits pleite, die Bank hat bereits gesagt, dass sie sich keine Umstände vorstellen könne, zu denen es zu einer Rückzahlung aus der Insolvenzmasse kommen könnte, und der Staat hält sich diesmal zurück.

500 Mio. USD stehen zur Rückzahlung an, Zhenfu hat 12% Zinsen auf die Summe zahlen sollen, die Investoren haben 10% Zinsen auf ihre Einlage erhalten.

All das klingt jetzt nicht sonderlich dramatisch, dennoch ist diese Geschichte für den Ausverkauf an den Börsen vom gestrigen Donnerstag verantwortlich, und auch heute noch wirkt diese Hiobsbotschaft nach. Es hat uns eben doch zu interessieren, wenn in China ein Sack Reis umfällt.
 

Kreditsystem Chinas in der Kritik

Das Brisante an der Geschichte ist nämlich, dass es das erste Mal überhaupt wäre, dass ein solches Finanzprodukt nicht zur Rückzahlung kommt. Bislang ist immer der Staat in China eingesprungen, wenn diese Konstrukte am Ende nicht aufgingen.

Es handelt sich dabei um das viel kritisierte Kreditsystem Chinas. Es gibt vermögende Anleger, die nach attraktiven Anlageideen suchen. Erinnern Sie sich an die Immobilienblase 2007? Die Vermögen strömen in die Bank, und die Bank wird aufgefordert, eine Beteiligung mit hoher Rendite zu finden.

Da kommt ein junger Unternehmer aus der Provinz gerade recht, der eine Kohlefabrik aufbauen möchte, politisch gut verdrahtet ist (Korruption!) und bereit ist, 12% Zinsen zu zahlen. So haben die Banken geradezu nach diesen jungen Unternehmensgründern gesucht und damit die überschüssige Produktion von Kohle, Eisen, Stahl, ... angeschoben.

Die neue Regierung hat angekündigt, diese Machenschaften zu beenden und stattdessen ein moderates Wachstum von 7,5% für das Land anzustreben. Dazu gehört nun auch, die Überkapazitäten, die durch diese lasche Kreditvergabe entstanden sind, zu beseitigen - die Pleite der Kohlefirma ist da also nur konsequent. Doch das allein wird nicht reichen, um die Finanzierungsmethoden zu stoppen. Bisher ist der Staat immer eingesprungen, und darauf verlassen sich Anleger. Sie fordern ihre Banken weiterhin auf, solche Anlagemöglichkeiten zu finden, oder eben zu schaffen. Und um diese Fehlentwicklung zu beenden, muss nun einmal ein Exempel statuiert werden.

Ich sehe also durchaus den Credit Equals Gold #1 Collective Trust als ein Exempel. Vielleicht reicht es ja, den Märkten die Angst einzujagen, der Staat könnte irgendwann eben nicht mehr einspringen, um die lasche Kreditvergabe zurückzufahren. Dann würde in letzter Minute der Staat eben die Rückzahlung der Vermögen sicherstellen. Sie wissen ja, China ist noch immer ein kommunistisches Land, dort geht so etwas.

Vielleicht muss aber auch tatsächlich mal ein solches Produkt vor die Wand gefahren werden, um vermögende Anleger Chinas aufzuwecken. Doch das könnte weitaus gefährlichere Auswirkungen haben, als derzeit absehbar. Denn viele Finanzierungen in China laufen gerade nur deswegen so reibungslos, weil die jeweiligen Vertragsparteien stets wissen, dass der Staat dahinter steht. Und auch im Außenhandel bilden Garantien des Staates ein wichtiges Rückgrat für das gegenseitige Vertrauen.

Sollte also am 31. Januar erstmals das Vertrauen in den Chinesischen Staat beeinträchtigt werden, kann ich nicht absehen, wie viele Vertragsparteien zusätzliche Sicherheiten einfordern oder welche Verträge mangels Vertrauen gar nicht erst zustande kommen. Aus den derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten könnte eine handfeste Krise erwachsen.

Ich kann die Entwicklung in China nicht absehen, dazu kenne ich das Land zu wenig. Aber ich betrachte deren mögliche Auswirkung auf die Wirtschaft der westlichen Welt als moderat.

Schauen wir einmal, wie die wichtigsten Indizes sich im Wochenvergleich entwickelt haben:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


Ohh Wunder, das Gold steigt wieder. Sollte es sich hier um eine Trendwende handeln? Das wäre schlecht für den Aktienmarkt. Oder handelt es sich nur um eine kurze Gegenbewegung im Abwärtstrend der vergangenen Monate? Wir werden es in den nächsten Tagen sehen.

Wir befinden uns im Tag 2 der Credit Equals Gold #1 Collective Trust Krise. Ich gehe im positiven Fall davon aus, dass die Krise drei bis vier Tage anhalten wird. Ich werde also am Montag beurteilen, ob oder was wir langsam nachkaufen können.
 

SCHWELLENLÄNDER TÜRKEI & ARGENTINIEN UNTER DRUCK

Haben Sie gesehen, dass die Rendite der US-Staatsanleihen sowie der langläufigen Bundesanleihen seit Jahresbeginn bereits um rund 9% nachgegeben haben? Rückläufige Renditen gibt es, wenn die Nachfrage nach den Papieren steigt, die Preise also steigen und der feste Zins auf das Papier für einen höheren Anlagebetrag erkauft werden muss.

Hatten wir nicht kürzlich von steigenden Zinsen gesprochen? Durch das Tapering der US-Notenbank, der Drosselung der Geldflutung, kehrt langsam Vertrauen in die Finanzmärkte zurück. Und zwar insbesondere in den US-Finanzmarkt, oder in unserem Fall hier: den US-Staatsanleihemarkt. Diese Zunahme der Attraktivität von US-Staatsanleihen findet gleichzeitig zur Änderung der Politik in der Türkei statt: Die ehemals wirtschaftsfreundliche Politik ist wieder ein Stückchen unberechenbarer geworden. Die Türkische Lira wird verkauft, das Geld wandert in sicherere Häfen.

Ganz anders liegen die Gründe in Argentinien. Dort gibt es schon seit Jahren eine wenig wirtschaftsfreundliche Politik, und der Pesos verliert immer mehr an Wert.

Die einen sagen, die Drosselung der Liquiditätsflutung durch die US-Notenbank führe zu solchen Problemen. Ich würde eher sagen, dass die Probleme in jedem Schwellenland anders gelagert sind. Nun gibt es eine Alternative für dortige Anleger, und die Alternative wird genutzt. Gerade die Türkei hatte ich in der vergangenen Woche noch als eines der gefährdeten Länder genannt. Thailand ist ein weiterer Kandidat mit wackeligen Fundamentaldaten.

Braut sich hier also schon wieder die nächste Krise zusammen? Oder handelt es sich nur um Randerscheinungen, die den Wirtschaftsaufschwung der westlichen Länder nicht stoppen können? Mehr dazu im Kapitel 04.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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