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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.01.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.01.2013:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Fauler Kompromiss bei Einigung um US-Fiskalklippe

Welch ein Jahresauftakt: Die USA haben einen faulen Kompromiss gefunden, und schon springen die Börsen weltweit an. Es ist eine Erinnerung daran, dass die großen Kursgewinne an der Börse in nur wenigen Tagen im Jahr erfolgen. Doch wer versucht, diese wenigen Tage zu erwischen, der muss scheitern, ... zumindest kenne ich niemanden, der das vermag. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir eben immer am Ball bleiben müssen und mit schrittweisen Käufen und Verkäufen unser Engagement entsprechend der Marktsituation anpassen, niemals aber alles auf eine Karte setzen dürfen.

Ein fauler Kompromiss weil damit eigentlich niemandem geholfen ist

Die von Bush eingeführten Steuererleichterungen waren einst bewusst zeitlich befristet worden, um im Anschluss den US-Haushalt wieder in den Griff zu bekommen. Doch wie so häufig bei Drogen, läuft die US-Wirtschaft inzwischen nur noch, wenn der nächste Schuss nicht vorenthalten wird.

Die Gesundung des US-Haushalts ist durch den Kompromiss in weite Ferne gerückt - die Schuldenmacherei geht weiter. Die anstehenden Steuererhöhungen (oder besser gesagt: der Wegfall der Steuererleichterungen) wurden vermindert. Insbesondere Reiche, die zuvor überproportional von den Steuererleichterungen profitierten, werden nun ein wenig stärker zur Kasse gebeten. Bei weitem aber nicht so stark wie dies bei einer ausgebliebenen Einigung erfolgt wäre.

Die Kürzung der Sozialausgaben, was Obama verhindern wollte, wurde zeitlich befristet aufgehoben. Auch die Kürzung der Militärausgaben, was die Republikaner verhindern wollten, wurde abgeschwächt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ende Februar steht die Erhöhung der Defizitgrenze für die USA an. Wir kennen das Spielchen, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt: Die US-Regierung darf eine bestimmte Schuldenobergrenze nicht überschreiten, und alle ein bis zwei Jahre wird diese daher erhöht. Je nach Machtverhältnissen in Washington nutzt die Opposition dieses Erfordernis, um die eine oder andere Forderung durchzuboxen. Zuletzt hat im Sommer 2011 die Auseinandersetzung darüber die Ratingagentur S&P veranlasst, die Bewertung der USA abzustufen. Ganz knapp waren die USA damals an der Zahlungsunfähigkeit aufgrund der Blockade der Republikaner vorbeigeschliddert.

Nun, wenn wir uns die Auseinandersetzung um die Fiskalklippe anschauen, dann dürfen wir uns auf eine nicht minder harte Auseinandersetzung im Februar freuen. Schon heute werfen die beiden Parteien ihre Eckdaten in den Ring: "Absolut keine Steuererhöhungen", rufen die Republikaner wieder.

Doch in den kommenden Wochen werden andere Meldungen die Schlagzeilen bevölkern. Mehr dazu im kommenden Kapitel. Hier zunächst die Entwicklung der wichtigsten Indizes im Wochenvergleich:

WOCHENPERFORMANCE DER WICHTIGSTEN INDIZES


Die Rendite der US-Anleihen ist um 0,2 Prozentpunkte angesprungen. Das heißt, Anleger haben US-Anleihen verkauft, der Kurs sank und entsprechend musste man weniger ausgeben, um die festgeschriebene Verzinsung zu erhalten, die Rendite ist somit gestiegen. Der große Sprung fand nach der Einigung um die Fiskalklippe statt.

Die Lösung räumt das Schreckensgespenst der Rezession vom Tisch und gibt Anlegern Vertrauen in die eigene Wirtschaft. Somit haben viele ihre "Sicherheitspositionen" in US-Anleihen aufgelöst und in Aktien gesteckt. Entsprechend stieg der US-Aktienmarkt um 2,3% an.

Auch internationale Anleger fanden wieder Vertrauen in den US-Markt und tauschen ihre Währungen in US-Dollar. So erklärt sich der Anstieg des US-Dollar gegenüber dem Euro um 1,4% (der Euro verlor 1,4%).

In diesem Zusammenhang muss ich einen Fehler berichtigen

Ich hatte im Jahresrückblick von einem Euro-Anstieg gegenüber dem US-Dollar von 14% gesprochen, da war ich allerdings in der Zeile verrutscht. 14% konnte der Euro gegenüber dem japanischen Yen zulegen. Der Anstieg des Euros gegenüber dem US-Dollar betrug lediglich 2%.

Der Kupferpreis ist um 3% angestiegen, während der Goldpreis um 1,3% zurückging. Die flüchtige Folgerung daraus heißt: Die Weltwirtschaft zieht an, während das Sicherheitsbedürfnis der Anleger zurückgeht. Ich teile diese flüchtige Einschätzung; diese Entwicklung dürfte eine Weile anhalten.

Schauen wir einmal, was die Stimmung unter den Anlegern macht:

SENTIMENTDATEN

Analysten
Empfehlungen (Anzahl Empfehlungen):

Kaufen / Verkaufen
14.12.- 21.12. (112): 52% / 13%
21.12.- 27.12. ( 7): 43% / 28%
27.12.- 04.01. ( 7): 71% / 0%

Kaufempfehlungen der Analysten
Societe Generale, Cisco, Infineon

Verkaufsempfehlungen der Analysten
keine

Privatanleger
51. KW: 61% Bullen (195 Stimmen)
52. KW: 48% Bullen ( 96 Stimmen)
1. KW: 50% Bullen (162 Stimmen)

Kaufempfehlungen der Privatanleger
Apple, Nokia, Facebook

Verkaufsempfehlungen der Privatanleger
Alcatel-Lucent, United Health Group, Interactive Intelligence

Analysten sind noch im Urlaub, es gab kaum Aktivitäten. Privatanleger hingegen sind auch im Urlaub aktiv. Die Stimmung ist trotz des heftigen Kursanstiegs ausgeglichen. Und an der Spitze der Empfehlungen: Apple! Ein Papier, das uns in diesem Jahr bereits über ein gehebeltes Produkt 21% Kursgewinn beschert hat.

Eine ganze Reihe von DAX-Titeln steht hingegen auf der Wunschliste der Analysten, schauen Sie selbst:

TOP ANALYSTENZIELE

Sie wollen wissen, was die Analysten im Einzelnen für Aussagen treffen und wo sie die größten Chancen sehen? Ich habe für Sie ab sofort jede Woche eine Übersicht der Analysen mit den höchsten Kurszielen ausgearbeitet. Die Liste zeigt ganz einfach an, wo das aktuelle Kursziel des Analysten prozentual am meisten über dem aktuellen Kurs liegt:

Es handelt sich um Analysen aus dieser Woche. Bitte genießen Sie diese Übersicht mit Vorsicht. Sie wissen ja, dass häufig auch ein Eigeninteresse des Analysten für eine rosa Brille sorgen kann, weshalb Analysteneinschätzungen tendenziell optimistischer ausfallen als es die Realität anschließend erlauben würde. Aber die Übersicht gibt einen Eindruck darüber, wo die Erwartungen mit dem aktuellen Kurs am weitesten auseinander liegen. Wer letztlich Recht haben wird, der Analyst oder die Anleger, die den Kurs machen, ist in jedem Einzelfall individuell zu beurteilen.

K+S, Deutsche Bank, Infineon, SAP und Fresenius wird einiges zugetraut. Da haben wir einen Rohstoffkonzern, ein Finanzinstitut und ein Hard- und ein Softwareunternehmen, die sicher von den wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen. Zudem ist auch das defensive Unternehmen Fresenius dabei. Mit Ausnahme von SAP finden wir diese Unternehmen am Ende der Performanceliste des Jahres 2012; offensichtlich wird insbesondere hier ein Nachholbedarf gesehen.

Das Jahr 2013 wurde an der Börse bereits überschwänglich begrüßt. Wie es weitergehen könnte, führe ich im folgenden Kapitel aus. Sie erfahren dort insbesondere, warum Fiskalklippe und Defizitgrenze der USA in den kommenden Wochen in den Hintergrund treten dürften und wer es dafür in die Schlagzeilen schaffen wird.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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