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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 22.03.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 22.03.2012:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Fallende Anleihenkurse und steigende Aktienkurse sind die beiden Seiten der gleichen Medaille

Die jüngsten Renditesprünge an einzelnen Anleihenmärkten sind ein Warnschuss für die sog. „Risk Free-Assets“. Dieser Begriff ist ohnehin ein Euphemismus und meint lediglich:

 

Ohne Erwartung eines Zahlungsausfalls. Auch das re lativiert sich nach dem Griechen-Debakel, trifft für die etablierten sicheren Häfen aber grundsätzlich zu. Was aber bleibt und mit zunehmender Stabilisierung und Erholung aber immer konkreter wird, ist das Kursrisiko. Besonders bei älteren Anleihen mit hohen Kupons (und entsprechend hohen Kursen) ist das Kursrisiko logisch.

Konjunkturerholung und Normalisierung bedeutet: Sukzessive Anpassung des derzeit frisierten Zinsniveaus. Ein echter Höhenflug der Renditen ist angesichts der globalen Überliquidität nicht zu befürchten, ein substanzieller Zinsanstieg indes schon. Exemplarisch: 10-jährige Bundesanleihen kommen derzeit auf eine Rendite von etwa 2,06 %. Mit der jüngsten Inflationsrate von 2,3 % ergibt das einen negativen Realzins. Mit anderen Worten: Anleger zahlen drauf. Ähnlich ist das Bild in Großbritannien, wo 10-jährige Staatsanleihen eine Rendite von etwa 2,43 % zeigen, Inflation indes zuletzt etwa 3,4 %, also 100 Basispunkte höher. Rendite bei 10-jährigen US-Treasury-Bonds bei etwa 2,37 % gegen eine Teuerung von zuletzt etwa 2,9 %. Als grobe Daumenregel sind die derzeitigen Renditen also um etwa 100 bis 150 Basispunkte zu niedrig. Klingt wenig, bedeutet aber beispielsweise für den Euro-Bund einen Kursabfall von derzeit grob 135 auf ca. 120 Punkte. Parallel zu dieser Entwicklung wird sich der Tonfall der betreffenden Notenbanken sukzessiv drehen. Ein weiteres Langfrist-Finanzierungsprogramm der EZB wird es zunächst nicht geben, das „Quantitative Easing“ in Großbritannien wird auslaufen. In den USA ist nach Opera tion Twist erst einmal Schluss. Damit rückt ein vorzeitiges Abrücken der US-Nullzinspolitik näher (vor dem geplanten Auslaufen in 2014). So wird das Bild schlüssig im Bezug auf das langsame Abarbeiten der Finanzkrise.

Ein echter Bremseffekt für die Unternehmensinvestitionen ergibt sich frühestens bei einem Zinsniveau bei 10-jährigen Papieren von 4 % und mehr. Vorher werden Aktien sogar von steigenden Zinsen profitieren, da damit Rentenanlagen im Bezug auf das Kursrisiko zunächst unattraktiver werden und das steigende Zinsniveau außerdem mit zunehmender Dynamisierung und Normalisierung nach etwa 4 Jahren „gefühlter“ Krise assoziiert wird. Mit einem Zinsanstieg steigt tendenziell die Qualität von Investitionsprojekten, da mehr unrentable Projekte im Sieb hängen bleiben. Das gilt auch für die Bankenbranche: Problematische Kredite werden im Regelfall nicht in Hochzinsphasen vereinbart, sondern in Niedrigzinsphasen. Dazu kommt: Die Unternehmenskassen quellen vielfach über, was teils sogar auch für den deutschen Mittelstand gilt: Nach einer Studie der FHM haben rd. 60 % der dt. Mittelständler (mit bis zu 250 Beschäftigten) überschüssige Liquidität, die es anzulegen gilt. Durchschnittsvolumen 1 Mio. €, derzeit vor allem auf Festund Termingeldkonten. Wer noch nicht voll finanziert ist, hat jetzt ein günstiges Opportunitätsfenster über den Markt. Unternehmensanleihen (ohne Finanzbranche) rentierten in 2007 noch oberhalb von 7 % in den USA und bei gut 5 % in Europa. Daraus wurden bis jetzt etwa 5,5 bzw. unter 5 %. Auch das IPO-Fenster wird sich demnächst öffnen, sodass auch die Eigenkapitalbeschaffung bzw. Platzierung leichter wird. Passend dazu: „Junge“ Aktien zeigten in jüngerer Zeit eine klare Überrendite. Der FTSE Renaissance US IPO-Index (bestehend aus den Aktien, die innerhalb der letzten 2 Jahre gelistet wurden), zeigte seit dem Jahreswechsel eine Performance von 19 %, was sich mit 11,5 % Anstieg beim S&P 500 vergleicht. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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