Fährt Obama finanzpolitisch gegen die Wand?

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 09.06.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Actien-Börse

Ende des Monats läuft die Liquiditätshilfe der Fed aus. Sie wird dann ca. 600 Mrd. $ an T-Bonds gekauft und diesen Betrag als Liquidität zur Verfügung gestellt haben. Jedenfalls: Diese Liquiditätshilfe nützte bis zur Stunde nichts und das Wirtschaftswachstum steuert in eine Delle. Man kann es fatal nennen. Aber:


 

16 Monate vor der Präsidentschaftswahl steht Obama in einer ähnlichen Lage wie einer seiner Vorgänger, Jimmy Carter: Größtes Misstrauen gegenüber dem Dollar, weil die Finanzen aus dem Ruder gelaufen sind.

Obama schaffte es in 2 Jahren seiner Amtszeit, Amerika um fast 3.000 Mrd. $ neu zu verschulden. Die Verschuldung in Prozent des BIP sprang von 69,2 auf 93,3 %. Das schaffte bislang kein USPräsident, denn: Die Finanzhilfen für Banken und Finanzinstitute sind weitgehend zurückgezahlt bzw. werden es zum Jahresende sein. Die aufgeblähten Ausgaben für Konjunkturund Wohlstandsprogramme lassen sich je nach Abgrenzung mit 2,1 bis 2,4 Bio. $ angeben. Die Wirkung für die Wirtschaft war bisher jedoch gleich Null. Auch eine massive Entschuldung via Sparmaßnahmen ist gar nicht mehr möglich, weil das Geld ausgegeben ist.

Vorgänger Jimmy Carter steckte im Zuge der 2 Ölkrisen der 70er Jahre in einer ähnlichen Situation.

Das kann man am Verlauf der Kapitalmarktzinsen und dem Dollar gut ablesen.

Der Doppeleffekt war durchaus beeindruckend. Die T-Bond-Renditen verteuerten sich in 5 Jahren um rd. 100 % und der Dollar halbierte sich in der gleichen Zeit um rd. 50 %, jeweils in Euro umgerechnet. Damit stand Jimmy Carter vor der gleichen finanzpolitischen Katastrophe seiner Glaubwürdigkeit.

Europa und Japan halfen den USA damals mit einem Währungskredit von 5 Mrd. $, die man Carter-Bonds nannte. Die Geschichte wiederholt sich nicht 1:1, was wir betonen. Die Verschuldungslage der Amerikaner hat jedoch einen Stand erreicht, der das ganze System in Frage stellt.

Es geht jetzt um eine politische Entscheidung in Washington und nicht um die Struktur von Finanzoder Güterwirtschaft in den USA. Ob die Amerikaner sich mithin eine zweite Präsidentschaft Obamas leisten können, ist die entscheidende Frage für alle Amerikaner.

Dem steht entgegen, wie sich die amerikanischen Verbraucher verhalten oder verhalten wollen.

Die Amerikaner planen große Anschaffungen. Dies stimmt weder mit den Ergebnissen des Arbeitsmarktes noch mit den Einkommensverhältnissen überein. Während sämtliche monetären Aggregate darauf hindeuten, dass die Amerikaner weniger Geld für den Konsum zur Verfügung haben, planen Sie das Gegenteil. Sowohl hinsichtlich des Autos als auch bezüglich des Hauskaufes. Für europäische Betrachter ist dies schwer zu fassen. Die Lücke in der Autobilanz hatten wir mehrfach beschrieben. Hier fehlen noch rd. 4 Mio. PKW bis zum üblichen Qualitätsstand der amerikanischen LKW-Flotte. Im Hauskauf gilt das Gleiche: Tiefste Preise für Billighäuser aus Zwangsvollstreckungen, aber anziehende Nachfrage nach besseren Häusern. 

 

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