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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 03.12.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.12.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

EZB kann hohe Erwartungen nicht erfüllen

Soeben hat EZB-Chef Mario Draghi in seiner Erklärung im Anschluss an die Ratssitzung bekannt gegeben, dass der Einlagenzins für Banken von -0,2% auf -0,3% gesenkt wird und dass das Anleihekaufprogramm statt bis September 2016 nun mindestens bis März 2017 laufen wird. 

Anleger hatten mehr erwartet, der DAX wird aktuell ausverkauft (-3%) und der Euro springt an (+2,3%). 

Der Einlagenzins, da negativ derzeit Strafzins genannt, fällt bei Einlagen an, die Banken bei der EZB hinterlegen. Je höher, desto stärker ist die Motivation für Banken, das Geld lieber als Kredite auszureichen. Anleger hatten jedoch einen Strafzins von -0,35% oder gar -0,4% erwartet, Draghi blieb hier hinter den Erwartungen. 

Das Anleihekaufprogramm wurde um ein halbes Jahr verlängert. Diskutiert wurde im Vorfeld jedoch ebenfalls, ob das monatliche Volumen von 60 Mrd. Euro nicht gleichzeitig erhöht werden sollte, das erfoglte nicht. Zudem gab es besonders aggressive Forderungen, das Kaufprogramm auf weitere Anlageformen wie bspw. auch Unternehmensanleihen auszuweiten, auch das erfolgte nicht. 
 

Sind die getätigten Maßnahmen ausreichend?

Nun wird spekuliert, warum Draghi vor wenigen Tagen noch blumige Versprechungen aussprach, die er heute nicht einhalten kann. Sind die getätigten Maßnahmen ausreichend? Oder blies ihm der Wind in der Ratssitzung von einigen Mitgliedern ins Gesicht? Oder hat sich der konjunkturelle Ausblick binnen weniger Tage so stark verbessert, dass größere Maßnahmen nicht notwendig sind? Derzeit läuft das Q/A mit der Presse und jeder Journalist, der bislang zu Wort kam, fragt nach dem Hintergrund der blumigen Versprechungen bzw. der geringer als erwarteten Maßnahmen. eine zufriedenstellende Antwort konnte Draghi nicht geben. 

Die Reaktion am Markt kommt mir vor wie die eines Drogensüchtigen. Er wollte mehr Liquidität. Grundsätzlich halte ich die Zurückhaltung, sofern dieser Begriff bei der Spendierwut der EZB angemessen ist, für gut. Neben bei hat Draghi gerade ebenfalls bemerkt, dass die eingenommenen Zinsen von den im Bestand befindlichen Anleihen im Kaufprogramm reinvestiert werden, was die Summe von 60 Mrd. Euro pro Monate nun doch ein wenig anhebt. Zudem werden künftig auch regionale und lokale Anleihen gekauft, also Finanzierungsinstrumente von Bundesländern und Städten und Gemeinden. Das ist doch auch schon eine recht nennenswerte Ausweitung der Struktur des Programms. Es ist aber eben nicht so plakativ wie eine von den Drogensüchtigen erträumte Aussage "Wir kaufen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist". 

Ich warte also noch ein wenig ab, dann werden wir die eine oder andere Position in unserem Portfolio aufstocken. Heute Nachmittag dürfte der Ausverkauf im DAX an den Dow Jones weitergegeben werden, wo man dann jedoch im Tagesverlauf bemerken könnte, dass die Auswirkungen für den Dollarraum eher positiv sind und daher könnte der Dow Jones schon heute im Plus schließen. Morgen werde ich dann nach günstigen Nachkaufgelegenheiten schauen. 
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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