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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 12.05.2009

Eurokai Vz.: Hebel auf die Globalisierung

Eurokai Vz.: Hebel auf die Globalisierung

Vor kurzem war Eurokai schon Gegenstand einer unserer charttechnischen Analysen (Performaxx-Anlegerbrief Ausgabe Nr. 12/2009). Die Hamburger vermögen der aktuellen Wirtschaftskrise entgegen allen Unkenrufen noch recht gut zu trotzen

Das seit nunmehr fünf Generationen erfolgreich tätige Familienunternehmen profitiert vom Welthandel – und der wird 2009 zwar eine für alle schmerzliche Delle hinterlassen, aber mittel- und langfristig nicht von seinem Wachstumstrend abzubringen sein. Die Norddeutschen wissen das besser als fast alle Anderen: nämlich schon seit fast 150 Jahren.

Eurokai ist seit dem Zusammenschluss der Containeraktivitäten mit der BLG unter der neu gegründeten Eurogate eine Finanzholding. Die wesentlichen Beteiligungen sind die Contship Italia Gruppe (66,6 %) und die Eurogate Gruppe (50%). Letztere ist an Contship Italia mit den verbleibenden 33,4 % beteiligt. Unter dem Dach der Contship Italia sind die Gesellschaften Medcenter Container Terminal in Gioia Tauro, das führende Transhipmentzentrum des Mittelmeers, La Spezia Container Terminal, die intermodale Transportfirma Sogemar in Mailand und anteilig die Partnerschaftsreederei United Feeder Services in Limassol zusammengefasst.

Alles Eckelmann oder was?

Cordt Eckelmann hatte das Traditionsunternehmen 1865 gegründet, als er die Hafenschifffahrt mit drei selbstgebauten Schuten aufnahm. Rund ein Jahrhundert später baute Kurt Eckelmann die Gesellschaft zum wichtigsten und bis heute auch einzigen privatwirtschaftlichen Containerterminal Deutschlands aus. Die HHLA Hamburger Hafen & Logistik AG folgte im Herbst 2007 mit ihrem eigenen Börsengang. Bis zum Jahr 2002 schaffte Eurokai eine Betriebsfläche von 1.100.000 qm und eine Kaianlage von 2.100 m Länge mit 7 Tiefwasser-Liegeplätzen in Hamburg. Damit erhöht sich die Umschlagskapazität auf 2 Mio. Standard-Container-Einheiten (TEU).

Hohe Auslastung

Spätestens seit Herbst vergangenen Jahres ist deutlich, dass die Weltwirtschaft nicht nur eine kleine Delle durchläuft. Statt dessen hinkt der Vergleich mit der Depression der 1930er Jahre nicht einmal mehr so stark. Scharfe Rückgänge in den Auftragseingängen oder in der Industrieproduktion lassen auf Sicht von mindestens zwei, drei Quartalen nichts Gutes vermuten. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird die Weltwirtschaft schrumpfen. Das trifft natürlich und vor allem die ehemaligen Profiteure des Warenumschlags: die Schiffbauer, die Hafenbetreiber, die Reedereien. Bei Eurokai jedoch zeigen die Zahlen, dass das Unternehmen die Rückgänge in den Häfen Hamburg und Cagliari durch starkes Wachstum in Bremerhaven und Livorno abfedern konnte. Dabei profitierte Eurokai von der hohen Auslastung seiner beiden spezifischen Terminals für die Reedereien Maersk und MSC.

Generell bestätigten die kürzlich bekannt gegebenen Zahlen für 2008 einen starken Cashflow – trotz Krise. Bremerhaven zeigte im vergangenen Jahr einen Anstieg des Containerumschlag-Volumens um 12 % auf 5,5 Mio. TEU. In Hamburg dagegen ging es erwartungsgemäß um 8 % auf 2,7 Mio. TEU zurück. Auch bei der italienischen Contship ging es zwar um 2 % auf 5,7 Mio. TEU nach unten, allerdings profitierte die Tochtergesellschaft von einem deutlichen Preisanstieg, so dass am Ende die EBIT-Marge sogar um 2,5 Prozentpunkte zulegen konnte.

Sparmaßnahmen

Den Investitionsaufwand haben die Hamburger aufgrund der fehlenden Visibilität im zweiten Halbjahr schon um ein Drittel auf 67 Mio. Euro zurückgeschraubt. Entsprechend höher fiel der Free Cashflow aus. Operativ lag er 2008 bei 128 Mio. Euro. Das Investitionsbudget für das laufende Jahr ist folgerichtig nochmals gestutzt worden: um ein weiteres Drittel auf in der Summe 100 Mio. Euro. Investitionen in Kräne, Hubstapler usw. werden fürs Erste warten müssen. Der Ausbau im Hafen Hamburg sowie im Jade-Weser-Hafen Wilhelmshaven werden dennoch nicht aufgeschoben – vielleicht werden sie aber mit etwas weniger Elan angegangen als in einer normalen Wirtschaftsphase.

Flexibel in der Krise

Wichtig dürfte in Krisenzeiten auch der Umstand sein, dass fast ein Drittel der Hamburger Arbeiterschaft und ein Fünftel des Bremerhavener Personals Zeitarbeitskräfte sind. Der Umschlaghafen Cagliari dürfte auch der Grund dafür sein, warum Eurokai im Gesamtjahr 2009 womöglich sogar ein geringes Umsatzplus heraus zu pressen in der Lage ist – wenn die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte bereits wieder auf einen Erholungspfad zurückfindet. Andernfalls dürften die Erlöse 2009 um 2 bis 5 % zurückgehen. Die Prognose für Hamburg lautet auf ein Minus von bis zu 10 %, Bremerhaven bis zu 7,5 % und Contship bis zu plus 5 %.

Fazit

Angesichts der prekären Lage der Weltwirtschaft halten sich die Aktien des Hamburger Traditionsunternehmens seit einem halben Jahr außergewöhnlich stabil. Das sieht beim HHLA Hamburger Hafen ganz anders aus. Eurokai bietet eine sehr gute Chance, von einer Erholung des Weltwirtschaftswachstums – hoffentlich schon im Laufe dieses Jahres – zu profitieren. Als Hafenbetreiber werden die Hamburger von einem Anziehen des Handels starken Rückenwind bekommen, wobei zwischenzeitliche Wachstumsdellen wie eben 2008/09 stets einzuplanen sind. 30 Euro sollten mittelfristig locker wieder erreicht werden können.

Für den Inhalt dieses Artikels ist die Redaktion des Performaxx-Anlegerbriefs verantwortlich. Der Performaxx-Anlegerbrief zählt mit einer Musterdepotperformance von über 641 % seit 1.1.2001 zu Deutschlands erfolgreichsten Börsenbriefen.

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