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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 15.03.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.03.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

ETF = Extra Terrestrische Fonds?

Börsengehandelte Indexfonds scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Sie stehen für all das, was der Finanzbranche offensichtlich abhanden gekommen ist: Sie sind transparent, kostengünstig, liquide und relativ sicher. Passenderweise erleben die Alleskönner nun – inmitten der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg – ihren Durchbruch.

Nach aktuellen Zahlen konnten Exchange Traded Fonds (kurz ETFs) ihren Marktanteil in Europa 2008 weiter ausbauen und gehören damit eindeutig zu den Gewinnern der Krise: „2008 war ein gutes Jahr für ETFs“, so Deborah Fuhr von Barclays (iShares). Während Anbieter herkömmlicher Fonds weltweit Mittelabflüsse verzeichnen mussten, konnten sich die ETF-Anbieter über Zuflüsse in Höhe von rund 187,5 Mrd. US-Dollar freuen. In Deutschland stieg das Marktvolumen nach Angaben von Bloomberg von 64 Mrd. Euro Ende 2007 auf rund 81 Mrd. Ende 2008. Auch bei der Auswahl holt Deutschland allmählich gegenüber dem Ursprungsland USA auf: Das ETF-Handelssegment der „Deutsche Börse AG“ umfasst inzwischen über 400 Papiere. Eine Entwicklung, die umso erstaunlicher ist, da das Segment hierzulande erst im April 2000 – mit zwei Produkten auf Aktienindizes – startete. Seit 2003 sind auch ETFs auf europäische Rentenindizes erhältlich und im Jahr 2004 kamen die ersten Gold-, Immobilien- und Schwellenländer-ETFs hinzu.


Das Beste aus Aktien und Fonds

Generell versteht man unter ETFs passiv gemanagte, börsengehandelte Investmentfonds. Sie sind in ihrer Zusammensetzung und Gewichtung strikt an einen bestimmten Bezugsindex gebunden. Im Vergleich zu den üblichen Anlagefonds werden sie wie Aktien direkt und kontinuierlich an einer Börse gehandelt. Der Preis wird also nicht nur einmal täglich festgestellt, sondern richtet sich den ganzen Tag nach Angebot und Nachfrage. ETFs verbinden damit die Flexibilität einer Aktie mit den Diversifizierungseffekten eines Investmentfonds. Der Kurs eines Anteils entspricht dem vom Emittenten festgelegten Bruchteil (z.B. 1/10 oder 1/100) des Basisindex. Mittlerweile gibt es neben den ausschließlich passiv gemanagten Fonds auch aktiv gesteuerte Vehikel. Im Vergleich zu Indexzertifikaten gehen bei ETFs die vereinnahmten Dividenden direkt in das Anlageergebnis ein oder werden an die Investoren ausgeschüttet. Ein deutlicher Vorteil beispielsweise gegenüber Zertifikaten, da diese dort regelmäßig entfallen. Ein weiterer Vorteil gegenüber Zertifikaten besteht in puncto Sicherheit. Denn ETFs stellen, wie herkömmliche Investmentfonds, ein Sondervermögen dar. Damit ist das investierte Geld auch bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft sicher. Bei Zertifikaten besteht dagegen immer das sogenannte Emittentenrisiko.


Kosteneffizienz ist Trumpf

ETFs haben gegenüber normalen Fonds aber noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile. Für die rasante Entwicklung dieser Anlageform spielt vor allem die, empirisch belegte, Tatsache eine Rolle, dass der Großteil der aktiv gemanagten Aktienfonds nicht in der Lage ist, die jeweilige Benchmark dauerhaft zu schlagen. Darüber hinaus ist es für Privatanleger nahezu unmöglich beziehungsweise aufgrund der Vielzahl der dafür notwendigen Transaktionen nicht rentabel und für Institutionelle zumindest noch sehr schwer, selbst einen Index nachzubilden. Die gestiegene Risikoaversion der Anleger, gepaart mit einem wachsenden Bewusstsein für die Kosten einer Geldanlage, kamen zuletzt vor allem den Renten-ETFs zugute: Mitte Dezember meldete die Deutsche Bank, dass mit dem db x-trackers EONIA Total Return Index ETF zum ersten Mal in der Geschichte des europäischen ETF-Marktes ein Rentenindexfonds zum größten ETF wurde. Für eine jährliche Verwaltungsgebühr von nur 0,15% ermöglicht der Fonds die Partizipation an der Entwicklung des EONIAIndex. Letzterer spiegelt die Entwicklung des von der Europäischen Zentralbank festgestellten effektiven Tagesgeldsatzes im Interbankenhandel wider. Gleichgültig, ob Aktien- oder Renten-ETFs, gemeinsam sind allen Ausprägungen die Indexorientierung und die geringe Kostenbelastung. Die jährlichen Verwaltungsgebühren bewegen sich in der Regel zwischen 0,12% und 0,55%, die Gesamtkostenbelastung – ausgedrückt durch die Total Expense Ratio (TER) – beträgt bei europäischen Produkten im Schnitt nur 0,46%.


Stolze Gewinne auch in der Krise

Dass die Neulinge immer mehr Anhänger finden, liegt aber nicht nur an ihrer Transparenz und den niedrigen Kosten. Mittlerweile bieten sie dem Anleger auch eine Vielfalt an Anlagemöglichkeiten. Diese reichen von Aktien und Anleihen spezieller Länder und Branchen, über Short- und Hebel-Investments, bis hin zu alternativen Anlagen. Letztere umfassen neben Gold und Immobilien seit einigen Tagen auch den weltweit ersten ETF auf einen Hedgefonds-Index (WKN: DBX1A8). Und fast täglich kommen neue Produkte hinzu – allein im Jahr 2008 über 120. Trotz ihrer Passivität sind die Indexfonds alles andere als langweilig. Aufgrund der dramatischen Einbrüche der Aktienkurse in den letzten Monaten erwiesen sich vor allem die sogenannten Short-ETFs als wahre Goldgrube: Mit keinem anderen Fonds ließ sich soviel Geld verdienen wie mit den beiden Short-Produkten auf DAX und EURO STOXX 50, denn deren Jahresperformance betrug plus 55% beziehungsweise plus 56%! Auch in anderen Bereichen ließ sich mit Short-Engagements gutes Geld verdienen. So konnten Privatanleger über ETFs, wie beispielsweise den iTraxx HiVol 5Y Short (WKN: DBX0AT) und den iTraxx Crossover 5y Short (WKN: DBX0AU), vom Anstieg der Risikoprämien bei Unternehmensanleihen profitieren. Doch Vorsicht: Gerade in turbulenten Zeiten steigen bei exotischen Produkten rasch die Spreads und die TER wird dann schnell zur Nebensache.


Mindestanlage und Vermögensaufbau

Für ETFs gibt es keine Mindestanlagesummen. Sie können wie jede Aktie auch zum Stückpreis an der Börse gehandelt werden. Damit bieten sich diese Produkte auch für private Anleger an. Obwohl Banken und Finanzvertriebe die sparsamen Neulinge ob der niedrigen Vertriebsgebühren nur zögerlich in ihr Angebot aufnahmen, gibt es mittlerweile eine Reihe von Instituten, die auch Sparpläne auf diese Anlageinstrumente anbieten. Dabei müssen Anleger jedoch teilweise in Kauf nehmen, dass die Bank einen Ausgabeaufschlag erhebt. Trotzdem muss dies dem Anleger nicht zum Nachteil gereichen. Da beim Kauf über die Börse ebenfalls Gebühren anfallen, rentiert es sich bei kleinen Anlagebeträgen häufig sogar, einen Sparplan abzuschließen. Beim Kauf von ETFAnteilen über die Börse fallen dagegen keine Ausgabe- oder Rückgabeaufschläge an. Es sind jedoch die jeweiligen Transaktionskosten für den Kauf über die Börse bzw. der Spread (Geld-Brief-Spanne) zu bezahlen.


Risiken


Bei allen Vorteilen gibt es natürlich wie bei allen Anlagen auch gewisse Risiken. So können zum Beispiel Änderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen oder große Katastrophen die Performance der Aktien- und Finanzmärkte in ihrer Gesamtheit nachteilig beeinflussen oder beeinträchtigen. Dies wird als allgemeines Marktrisiko bezeichnet. Zusätzlich können mit einem Investment in ausländische Indexpapiere länderspezifische steuerliche Risiken verbunden sein oder es kann zu solchen kommen, denn eine einheitliche Aussage über die Besteuerung von ETFInvestments ist nicht möglich, da die steuerliche Behandlung von Land zu Land unterschiedlich ist. Wie bei allen Anlagen in außereuropäischen Regionen besteht auch bei ausländischen ETFs ein zusätzliches Wechselkursrisiko. Letztlich besteht auch ein Anlagezielrisiko, denn es gibt keine Garantie dafür, dass das Anlageziel, nämlich die exakte 1:1 Nachbildung der jeweiligen Indizes, erreicht wird. Zusätzlich können die Managementgebühren einige weitere Basispunkte kosten und sich damit negativ auf die relative Performance auswirken. Diese Differenz wird als Tracking Error bezeichnet. Dieser ist jedoch aufgrund der äußerst niedrigen Managementgebühren bei passiven Indexpapieren bedeutend geringer als bei herkömmlichen Investmentfonds.


Fazit

Die Indexorientierung, gepaart mit der endlosen Laufzeit und der Kosteneffizienz, macht die Produkte zu einem idealen Instrument für Privatanleger. Darüber hinaus bietet das Segment mittlerweile alle Bausteine für ein diversifiziertes und auf die individuellen Bedürfnisse des Anlegers abgestimmtes Portfolio.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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