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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 23.07.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.07.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Enttäuschung: Apple weniger mächtig als China

Apples Quartalszahlen wurden diese Woche als Enttäuschung wahrgenommen. Die Aktie ist in Folge der vermeintlich schwachen Zahlen um 7% ausverkauft worden. Einige Analysten haben bereits ihr Votum zu Apple nach unten korrigiert, weitere werden folgen. Als Grund für die Enttäuschung führen Analysten die schwächer als erwarteten Absatzzahlen des iPhones an: Nur 47,5 Mio. iPhones wurden verkauft, Analysten hatten ihre Erwartungen in den vergangenen Wochen auf bis zu 50 Mio. Stück hochgeschraubt.

Schlimmste Befürchtungen bestätigt

Zudem hat CEO Tim Cook in der anschließenden Analystenkonferenz die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Er widersprach einem Analysten nur halbherzig, der China als Grund für den schwachen Absatz sah. Cook sagte, das Wachstum in China sei mittel- und langfristig intakt und diene als einer der Haupttreiber für das Wachstum von Apple, auf dem Weg könne es jedoch jederzeit "speed bumps" (Bodenwellen zur Reduzierung der Geschwindigkeit) geben. Damit sehen Analysten bestätigt, dass derzeit die Nachfrage nach dem iPhone seitens chinesischer Kunden suboptimal ist. 

Hier ist, was ich sehe: 32% Umsatzwachstum auf 49,6 Mrd. USD, überproportionale 39% Gewinnwachstum auf 10,7 Mrd. USD. Die Gewinnmarge liegt bei 39,7%, erwartet wurden 38,5-39,5%. Das Wachstum wird getrieben durch das iPhone 6 (+63% Umsatzwachstum), das insbesondere in China guten Anklang finden (+112% Umsatzwachstum). Erst 27% aller iPhone-Nutzer haben auf das neue iPhone 6 hochgerüstet. Das heißt, der Großteil des Wachstums wurde durch Neukunden generiert. 
 

Samsung mit sinkenden Zahlen 

Neukunden, die Samsung fehlen, Samsung hat die Produktion des Galaxy-Modells zurück gefahren und meldete zuletzt rückläufige Gewinne in diesem Geschäft. Apple gewinnt also Marktanteile bei gleichzeitig steigender Gewinnmarge. Was kann sich ein Apple-Aktionär mehr wünschen? Immerhin ist das iPhone inzwischen für zwei Drittel des Konzernumsatzes verantwortlich. 

In meinen Augen ist die Kritik der Bären an Apple auf einem sehr hohen Niveau anzusiedeln. Trotz der offensichtlichen Schwäche in China hat Apple dort ein hervorragendes Geschäft abgeliefert. Noch bessere Zahlen hätten die Verschwörungstheorie aufkommen lassen, Apple könne selbst eine Konjunkturschwäche in China in ein positives Licht drehen. Doch, oh Wunder, Apple unterliegt wie alle anderen Unternehmen auch den Konjunkturschwankungen seiner Absatzmärkte. 

Wäre Apple eine Aktie mit einem exorbitant hohen KGV, dann könnte ich die negative Reaktion auf die kleinen Enttäuschungen verstehen. Doch Apple wird mit einem KGV von nur 14 bewertet, bei einem erwarteten durchschnittlichen Gewinnwachstum in den kommenden fünf Jahren von 15%. Für einen Marktführer der Qualität von Apple wird normalerweise locker das doppelte auf den Tisch gelegt. 

 

Gerüchte über die Apple Watch

Zahlen zur Apple Watch gab es keine. So ist die Gerüchteküche am brodeln, ob die Apple Watch der nächste Newton (Flop) wird. Doch andere schätzen den Marktanteil der Apple Watch bereits jetzt auf 75%. Ich erinnere hier an meine Aussage: Die Apple Watch wird Zeit benötigen, um zu einem Erfolg zu werden. Doch es wird ein Erfolg, denn es werden viele Funktionen des Smartphones übernommen und zusätzliche, insbesondere Gesundheitsfunktionen werden erst durch die intelligente Armbanduhr möglich. Bislang ist der Umsatz der Apple Watch nicht mehr als eine Fußnote in der Apple-Bilanz. 

Apple Pay ist da. Das Projekt iTV ist Berichten zufolge eingestellt worden, zu niedrige Margen in diesem Markt. Apple Watch läuft nur langsam an. Was wird der größte Innovator aller Zeiten als nächstes auf den Markt bringen? Kritische Analysten titulieren schon, Apple gingen die Ideen aus. 

Wenn ich mir diese Stimmungslage anschaue will ich nicht ausschließen, dass die Aktie noch ein wenig stärker unter Druck gerät. Als größtes Unternehmen der Welt zieht Apple natürlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als irgendein anderes Unternehmen. Und nachdem die Aktie im Jahr 2014 über 100% zulegen konnte und nunmehr seit einigen Monaten seitwärts gelaufen ist wäre es nur gerecht, wenn auch mal die Bären ein wenig die Oberhand gewinnen. Zumindest für ein paar Monate. Solange, bis die Erwartungen der Analysten weit genug abgesenkt wurden, um Apple eine positive Überraschung zu ermöglichen. 

Würde ich deswegen die Aktie nun verkaufen? Nein. Zu groß ist die Gefahr, sodann den richtigen Kaufzeitpunkt zu verpassen. Meiner Einschätzung nach wird die Aktie noch kräftig nach oben laufen. Wenn wir jetzt einen Teil unserer Position verkaufen, laufen wir Gefahr, den nächsten Aufwärtsschub zu verpassen. Da bleibe ich lieber dabei. 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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