Ein Hoch auf die Spekulanten

CURT L. SCHMITT Informationsdienste
Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 17.03.2010
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Frankfurter Börsenbrief

In der Politik ist man schnell dabei, das böse Kapital für alles Unge- mach auf der Erde verantwortlich zu machen. Das lenkt wunderbar von den eigenen Fehlern ab (wer hat ei- gentlich die Bilanzen gefälscht) und trifft populistisch die Vorurteile des Volkes, wunderbar.


Jetzt haben die Spekulanten den Euro gerettet. Warum? Weil es aus- schließlich Spekulanten waren, die die griechischen Staatsanleihen gekauft haben. Per Definition. Denn Investoren durften die Bonds nicht zeichnen, weil Grie- chenland kein Rating im Investment-Grade mehr hat. Und die Regulatoren der Politik dafür sorgen, dass die- se Papiere nicht in die Portfolios von Versicherungen, Versicherungskassen und ähnlichen Institutionen auf- genommen werden dürfen. Die Staaten selbst haben sich per Vertrag ebenfalls gebunden, sich nicht gegenseitig zu unterstützen. Blieben nur die Spekulanten, die verhinderten, dass Griechenland kollabierte und damit die Euro-Zone mit in dieTiefe gerissen hat. Es wäre an der Zeit, zum Dank den Sektor regulatorisch noch strenger an die Kandare zu nehmen, um eine Wiederholung zu verhindern. Devisenhandel steigt im Volumen. Wie die Royal Bank of Australia in der letzten Woche mitteilte, haben die Transaktionen im letzten halben Jahr um 17 % zugenommen. Leser des Frankfurter Börsenbriefes sind bei diesemTrendgutmitdabei.WirhattenindiesenBriefendaraufhingewiesen,dasswirdieSpekulationinEuro, Sterling short bzw. Krone, Austral-Dollar, Singapur-Dollar als den wichtigsten Performance-Treiber in diesem Jahr sehen. Offenbar sind inzwischen noch mehr Investoren auf diesen Trichter gekommen. Wenn wir uns die jüng- sten Handels-Statistiken bei den Fonds besehen, kommen wir zum gleichen Bild. Währungs- und Rohstoff- Fonds sind in diesem Jahr bisher 11,2 Mrd. Dollar zugeflossen, Aktienfonds weltweit aber nur 1,8 Mrd. Dollar. Auf welche Währung muss jetzt ein besonderes Auge geworfen werden? ◆ DerYuanstehtvorderAufwertung.InderAbschlusspres- sekonferenz zum Nationalen Volkskongress hat Wen Jiabao noch vehement alle Forderungen nach einer Aufwertung der eigenen Währung zurückgewiesen. Nach Meinung des Pre- miers sollten sich zunächst die Industrieländer an der eige- nen Nase fassen. Auch China fühlt sich durch die schwa- chen Währungen Euro und Pfund in seiner Expansionspolitik behindert. Dennoch führt an einer Aufwertung des Yuan kein Weg vorbei. Wie aus Peking zu hören ist, steht derzeit ein „Managed-Float-Regime“ im Gespräch. Was steckt dahin- ter? Die Bindung an einen Korb ausländischer Währungen wird aufgehoben. Den Marktkräften wird aber nicht gänzlich freies Spiel gelassen, Interventionen seitens der Notenbank sind wahrscheinlich. Wie diese aussehen, bleibt zunächst offen. Dank der Devisenreserven hat China einige Macht bei der Festsetzung des Außenwertes seiner Währung. Goldman Sachs hat in einer Studie unlängst vorgerechnet, dass die chinesische Währung nicht mehr so überbewertet sei wie von der Mehrheit der Finanzmarktteilnehmer eingeschätzt. Ein dynamischer Prozess, denn China gewinntTag fürTag Marktanteile im internationalen Handel, durch sein Wirtschaftswachstumeinen größeren Anteil am Welt BIP. Zuletzt zogen die Einzelhandelsumsätze um 17,9 % und das BIP um 10,7 % an. Ziel der Administration sind 8 % Wirtschaftswachstum. Angesichts einer Kreditvergabe von erneut 700 Mrd. Yuan im Februar (staatliche Stellen hatten diese per Dekret eigentlich auf 540 Mrd. Yuan beschränkt) ist von einem Abbremsen der Überhitzung noch nichts zu sehen. Wir halten einen Abschlag von mindestens 15 % innerhalb der nächsten 12 Monate für sehr wahrscheinlich. Ob dies in einer einmaligen Abwertungsaktion oder über einen längeren Zeitraum nach dem Vorbild der Jahre 2005 bis 2007 geschieht, ist selbstverständlich offen. Wir werden Sie mit entsprechenden Derivaten begleiten.
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