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Veröffentlicht von Redaktion "Antizyklischer Börsenbrief" am 02.06.2011

Edelmetall-Serie: Der alte Trick der Börse...

Edelmetall-Serie: Der alte Trick der Börse...

Normalerweise würde man davon ausgehen, dass der Goldpreis über die Sommermonate Schwäche zeigt. In den vergangenen Jahren war das auch sehr häufig der Fall. Abbildung 20 zeigt, dass der Goldpreis während des Sommers zu einer zähen Seitwärtsbewegungen neigt. Zahlreiche Leser haben uns deshalb auch schon angerufen und gefragt, ob man die physischen Gold- und Silberbestände jetzt nicht verkaufen und später zu günstigeren Kursen wieder einsteigen sollte.

In der Theorie klingt das natürlich verlockend. Die Praxis sieht leider etwas anders aus. Mit einer Kursschwäche im Sommer rechnet derzeit so gut wie jeder, der im Edelmetall-Sektor investiert ist. Und wir wissen ja: Womit alle rechnen, das trifft ganz gerne nicht ein. Mitunter geschieht sogar das genaue Gegenteil. Zuletzt hatte der Goldpreis vor fast 30 Jahren einen starken Sommer. Seinerzeit sorgte die Schuldenkrise in Mexiko für Kurszuwächse zwischen Juni und September von stattlichen 50 Prozent. Sprechen wir nach der „Sommerpause“ also über Goldpreise oberhalb von 2.000 US-Dollar, oder noch mehr? Aus heutiger Sicht klingt das natürlich vollkommen unrealistisch. Genau aus diesem Grund sollte man ein solches Szenario jedoch auf der Rechnung haben. Zwar ist die Schuldenkrise in Griechenland längst kein neues Phänomen mehr und dürfte „eingepreist“ sein – was aber, wenn sich die Lage auch in Spanien und womöglich in Italien zuspitzen sollte? Nach der jüngsten Androhung von Standard & Poor´s, die Bonität unseres südlichen Nachbarn herabzustufen, muss man in diesem Sommer mit allem rechnen. Auch Japan wäre ein Kandidat für größeres Ungemach, Großbritannien sowieso - und nicht zuletzt die USA. Hinzu kommt, dass die US-Notenbank es sich gar nicht leisten kann, den Ankauf eigener Staatsanleihen im Juni auslaufen zu lassen, so wie das eigentlich vorgesehen ist. Denn wer soll die Schuldpapiere der US-Regierung denn dann noch kaufen? Nachdem der größte Anleiheinvestor Pimco den Daumen über USStaatsanleihen schon vor einiger Zeit gesenkt hatte, dürfte es schwierig werden, die „Schrottpapiere“ loszuwerden. Um das Unvermeidliche weiter hinauszuzögern, könnte die Fed dann doch wieder selbst zur Tat schreiten. Wir raten deshalb auch weiterhin, physische Bestände bei Gold und Silber unbedingt weiter zu halten - ganz egal, was passiert. Und wie sieht es bei den Edelmetall-Aktien aus? Nach dem jüngsten Einbruch zeigen sich bei zahlreichen Titeln jetzt untere Trendwende-Signale. Nehmen wir etwa den Goldaktien-Index HUI. Am Freitag vergangener Woche wurde das bärische Signal aufgehoben, jetzt stehen die Zeichen auf Erholung (Abbildung 22). Kurzfristig könnte man deshalb sogar darüber nachdenken, bestehende Positionen wieder etwas aufzustocken. Wir raten Ihnen immer wieder, einen Grundbestand an Edelmetall-Aktien keinesfalls zu verkaufen. Abbildung 23 macht deutlich, warum wir das für sinnvoll halten. Die Grafik zeigt die Entwicklung der wichtigsten Goldminen (oberer Teil der Abbildung) und den Goldpreis in US-Dollar (darunter) während der inflationsgetriebenen Gold-Hausse der 1970er und 1980er Jahre. Aus antizyklischer Sicht lassen sich daraus einige sehr interessante Beobach tun - gen ableiten. Sehen wir genauer hin: Ab etwa Mitte 1977 lief der Barrons Gold Mining Index (BGMI) etwa zwei Jahre lang seitwärts. In der gleichen Zeit kletterte der Goldpreis von etwa 100 auf über 200 US-Dollar je Unze. Die psychologische Wirkung dieser Entwicklung kann man sich leicht ausmalen: Die Anleger werden geglaubt haben, dass Goldminen im direkten Vergleich zum Goldpreis kein interessantes Investment seien. Viele Erfolg versprechender war es doch, physisches Edelmetall zu besitzen. Ganz ähnlich verhält sich das auch heute. (Abb. 23, auf der nächsten Seite) Man muss sich die Frustration der Goldminenanleger vorstellen, als der Minenindex im Sommer 1978 immer noch rund 50 Prozent unter seinem Hoch von 1974 notierte, während der Goldpreis sein Hoch von 1974 bereits deutlich überschritten hatte. Achten Sie auf die rote Markierung in Abbilddung 23. Doch die Reise auf der Folterbank ging da erst so richtig los: Die relative Schwäche der Minen setzte sich nämlich auch im Jahr 1979 fort, als der Goldpreis förmlich explodierte, während die Minen weiterhin lustlos vor sich hindümpelten. Und dann kam der absolute Gipfel, und zwar in doppelter Hinsicht: Als der Goldpreis im Januar 1980 bei 850 US-Dollar je Unze seinen damaligen Höchstkurs erreichte, da notierte der BGMI immer noch in der Nähe seines Niveaus von 1974! Man muss sich klar machen, was das bedeutet: Wer in die Goldminen investiert hatte, der sah nach Jahren des Ausharrens eine „schwarze Null“ – während der Goldpreis in der Spitze um rund 600 Prozent (!) gestiegen war. Man hört sie förmlich fluchen, die Anleger von damals. Und die Geschichte ist immer noch nicht zu Ende: Ab Januar 1980 knickten sowohl der Goldminenindex als auch der Goldpreis deutlich ein – und jetzt kommt, was kommen musste: In der anschließenden Erholung des Goldpreises wurden die Minenwerte weit über ihr Niveau vom Januar 1980 hinauskatapultiert. Das heißt, der größte Anstieg bei den Minen setzte erst ein, NACHDEM der Goldpreis sein Hoch hinter sich hatte. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die meisten Anleger bei diesem finalen Anstieg nicht mehr dabei waren. In dem Bewusstsein, dass die Minen mit dem Goldpreis jahrelang nicht hatten Schritt halten können, werden im Januar 1980, bei der ersten wirklich scharfen Korrektur des Goldpreises seit mehr als vier Jahren, die meisten Minenanleger ihre Aktienpakte entnervt verkauft haben – nur um anschließend fassungslos mit ansehen zu müssen, wie die Kurse der Minen regelrecht explodierten, obwohl der Goldpreis sein Hoch aus dem Jahr 1980 gar nicht mehr erreichte. Achten Sie auf die grüne Markierung in Abbildung 23. Das Beispiel zeigt sehr schön, warum es so schwierig ist, an der Börse Gewinne zu machen: Die Börse, diese launische Diva, sie schafft es immer wieder, die Anleger im allerletzten Moment zur Verzweiflung zu treiben. Erst wenn fast niemand mehr an einen starken Kursanstieg glaubt, dann geht es los. Es ist gut vorstellbar, dass die Sache diesmal genauso oder so ähnlich ablaufen wird. Denken Sie deshalb auch bei den Minen an die bekannte Regel, die wir gebetsmühlenartig in fast jeder Ausgabe wiederholen: An der Börse werden die größten Gewinne mit dem Hintern gemacht...

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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