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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 09.03.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 09.03.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

E-10-Gipfel wie erwartet positiv

E10-Gipfel Der ≥Benzin-Gipfel„ gipfelte im lobenden Schulterklopfen aller Beteiligten, in der gemeinschaftlichen Feststellung, den deutschen Autofahrer falsch eingeschätzt zu haben und der Willensbekundung, nun gemeinsam die E10-Einführung voranzutreiben. Für unsere Spekulation (Tradingidee #3 vom vergangenen Freitag), die aufgrund der Verunsicherung, die am Wochenende nur noch weiter geschürt wurde, schon wieder unter unser Einstiegsniveau gerutscht war, ist das Ergebnis des Gipfels positiv, der Kurs beginnt nun zu klettern. Die Einführung wird vermutlich langsamer vonstatten gehen (aus Gründen, die ich gleich aufzeigen werde) als geplant. So wird die Kurserholung vielleicht auch nicht wenige Tage, sondern wenige Wochen in Anspruch nehmen.

Setzen wir einmal unsere Finanzmarktbrille auf, die alles außer Geld und Macht ausblendet, um die Situation zu analysieren. Ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Einziger Profiteur der hohen Super-Benzinpreise ist die Mineralölwirtschaft. Doch welchen Anreiz hat die Politik der Mineralölwirtschaft gegeben, die E10-Einführung zu unterstützen, durch die Ölkonzerne 10% weniger von ihrem Benzin verkaufen und zusätzlich Bioethanol zu einem politisch gemachten Preis zukaufen müssen? Warum also sollte die Mineralölwirtschaft mit Begeisterung für E10 eintreten? Nun, sie hat es eben auch nicht getan. Das Umweltministerium hat es getan und hat sogar mit dem ADAC eine Aufklärungskampagne gestartet. Diese lief jedoch an den Tankstellen vorbei und erreichte somit nicht ihr Ziel. Das Bitten des Umweltministeriums, die Informationen an den Tankstellen auszulegen, lief ins Leere. Welches Druckmittel hatte es? Keines. Welches Interesse hatte der ADAC, möglichst einfach und schnell Klarheit zu schaffen? Eigentlich auch keines, denn in der Position des größten unabhängigen Aufklärers für Autofahrer kommt es dem ADAC nur gelegen, wenn der deutsche Autofahrer händeringend nach verlässlichen Informationen sucht. Das ist öffentlichkeitswirksam und eine leichte Möglichkeit, sich am heutigen Tage als verlässliche Informationsquelle zu profilieren. Hätte Umweltminister Röttgen also Alarm schlagen müssen? Ich denke schon. Nun sind Umweltministerium und Mineralölwirtschaft traditionell nicht die besten Freunde, im Gegenteil. So war es von Wirtschaftsminister Brüderle nicht nur politisch geschickt, sondern vielleicht auch sinnvoll, die Federführung für den Benzingipfel zu übernehmen. Ein einleitender Satz wie ≥Liebe Ölkonzerne, bitte verarscht meinen Freund und Ministerkollegen aus dem Umweltministerium nicht, sonst werde ich ungemütlich...„ hat vermutlich schon gereicht, um die Einigkeit aller Beteiligten zu erzeugen. Was ist eigentlich das Interesse der Automobilkonzerne? Sie wurden im Vorfeld gedrängt, ihre Motoren für die E10- Tauglichkeit vorzubereiten, und nun müssen sie sogar eine Garantie dafür aussprechen. Dadurch stehen sie nun in der Pflicht, für die Tauglichkeit der zugelassenen Motoren gerade zu stehen. Und dort, wo sie die Tauglichkeit nicht bescheinigt haben, dürfen sie sich auf erboste Briefe ihrer Kunden freuen. Auch Ihr Autor ist ziemlich überrascht, dass sein VW-Golf mit ≥modernem„ FSI-Motor nicht E10-tauglich ist. Doch ein bisschen in Schutz nehmen muss ich dennoch alle Beteiligten, denn das Verhalten der deutschen Autofahrer ist, wenn auch nicht überraschend, so doch zumindest untypisch im europäischen Vergleich. In Deutschland ist Aldi groß geworden, weil der Deutsche beim täglichen Einkaufen ein paar Euro (damals Mark) sparen konnte. Die Schulmedizin steht in Deutschland mit den Naturheilkundlern auf Kriegsfuß, und so konnte das Handy seinen Siegeszug in Deutschland vollziehen, ohne dass wissenschaftliche Studien glaubwürdig die Unbedenklichkeit der Strahlung belegt hatten. Für das Stillen von Neugeborenen wurde unlängst von der Schulmedizin die empfohlene Zeit von 6 auf 4 Monate reduziert, obwohl zu verfrühte Fütterung mit Milchprodukten später Allergien fördert, wie Naturheilkundler seit langem behaupten. Dennoch stillen die meisten Mütter nunmehr schon nach vier Monaten ab (wenngleich sodann ≥hypoallergene„ Milchprodukte genommen werden, die also nicht die negativen Wirkungen enthalten). Bei Schnullern wie auch in den Plastikflaschen sind noch immer Weichmacher, die auf Dauer zu Gesundheitsschäden führen können. Doch auch hier greifen die Deutschen eher zu den günstigen Produkten, als die unbedenklichen, dafür aber teureren Lösungen zu akzeptieren. Doch beim Auto, da wird im Zweifel lieber Super Plus getankt, damit der Motor ja keinen Schaden nimmt. Musste die Politik mit einem solchen Verhalten rechnen? Nun, wer Deutschland einmal von außen betrachtet hat, der würde sagen: Ja. So wird es wohl noch einige Wochen dauern, bis E10 flächendeckend eingeführt ist. In dieser Zeit wird sich die Boulevardpresse immer wieder zu Wort melden mit Artikeln wie ≥Brot für unsere Autos„ oder ≥Brandrodung im Amazonas für E10„, obwohl 90% des Bioethanols in Europa hergestellt werden und obwohl solche reißerischen Artikel einzelne Detailprobleme zur Massenhysterie heraufkochen, dabei aber die grundsätzlichen Vorteile des Bioethanols vertuschen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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