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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 17.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.12.2009:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Diese Finanzpolster sind ein wichtiges Pfund, mit dem die Unternehmen im neuen Jahr wuchern

Dies gilt zum einen vor dem Hintergrund, daß die Bankenwelt weiterhin zu sehr mit sich selbst und ihren Eigenkapitalquoten beschäftigt ist, um die Unternehmen ausreichend mit Krediten zu versorgen. Es gilt aber auch vor dem Hintergrund, daß trotz der sehr festen Marktperformance seit etwa März die Türen für Börsengänge teils noch sehr schwergängig sind.

Exemplarisch sind dafür die abgesagten Börsengänge von Hochtief Concessions sowie auch von Scan Energy. Auch in 2010 dürfte das IPO-Geschäft herausfordernd bleiben.

Gleichwohl erlauben die Finanzpolster es, auch Übernahmemöglichkeiten auszuloten. Im bisherigen Jahresverlauf ergab sich global betrachtet beim Wert von übernommenen Gesellschaften ein Rückgang von etwa 30 % auf rd.1.700 Mrd. €. Im Vergleich zum Spitzenjahr 2007 ergibt sich bezogen auf den europäischen Markt sogar ein Temperatursturz von etwa 70 %. Die hohe fundamentale Stabilität deutscher Großunternehmen läßt sich wohl auch daran ablesen, daß es in Deutschland „lediglich“ einen Rückgang um etwa 25 % gab. Denn etwa ein Fünftel der größten Transaktionen in Europa entfallen auf Deutschland.

Ein Lieferant für mögliche Unternehmensarrondierungen dürften dabei demnächst die Private Equity- Gesellschaften sein. Um dieses „Smart Money“ ist es in 2009 bemerkenswert still geworden. Das verwundert nicht, denn das frühere Geschäftsmodell mit hohen Kredithebeln ist natürlich mit dem aktuellen Bankenumfeld nicht zu machen. Nach Angaben von „Dealogic“ wurden im dritten Quartal des laufenden Jahres von den Fonds Deals im Volumen von lediglich grob 24 Mrd. Dollar angekündigt. Vor einem Jahr noch war das Volumen etwa viermal so hoch. Im Boomjahr 2007 ergab sich sogar ein Vergleichswert von 362 Mrd. Dollar. Gleichwohl ist immer noch immens viel Kapital vorhanden mit einem Liquiditätsberg von etwa 1.000 Mrd. Dollar. Diesem gigantischen Volumen stehen derzeit aber nur eingeschränkt Investment-Objekte gegenüber, so daß die Branche wohl trotz der üppigen Mittel zunächst etwas kleinere Brötchen backen muß, was die Renditen angeht. Aber die Branche ist nicht tot, und die hohe Aufnahmefähigkeit von Junk Bonds dürfte in manchem Anlagekonstrukt eine passende Alternative zur Bankenfinanzierung sein. In dem Zusammenhang:

Die Hedgefonds-Szene ist erstaunlich gut durch die Krise gekommen. Generell standen auch hier sicherlich viele Geschäftsmodelle unter Beschuß mit deutlich kleineren Kredithebeln, einem massiven Kapitalabfluß und mithin der Schließung vieler Einzeladressen. Allein im ersten Halbjahr 2009 wurden etwa 300 Mrd. Dollar von Investoren abgezogen. Im dritten Quartal hingegen konnten die Fonds netto gerechnet zumindest ein Kapital von 1,1 Mrd. Dollar einspielen und auch die Zahl der Hedgefonds nahm im dritten Quartal nach langer Durststrecke erstmals wieder zu. Diese Stimmungsbelebung ist nachvollziehbar, denn von Januar bis November dieses Jahres ergab sich bei den Fonds im Schnitt eine Rendite von etwa 18,8 %, was sich mit einem Verlust von etwa 20 % im Vorjahr vergleicht.

Einige Emerging-Markets hatten in 2009 wichtige Trumpfkarten in der Hand. Damit verbunden ist auch eine Neuadjustierung des Risikobildes an den Märkten. Kurz gesagt läßt sich der Automatismus nicht mehr aufrecht halten, nachdem Emerging Markets automatisch auch ein erhöhtes Risiko bedeuten, so wie das Risiko bei etablierten Märkten kleiner erscheint. Dies stimmt so nicht mehr. Denn während gerade in Emerging Markets extreme Devisenreserven aufgebaut werden konnten, so rutschten gerade einige etablierte Staaten mächtig tief in die Verschuldung hinein. Dazu kommen (wenn auch stark divergierend) hohe Wachstumsraten in einzelnen Emerging Markets hinzu, so daß es nicht verwundert, daß es hohe Mittelbewegungen in Richtung Emerging Markets gab. Indikativ ist, daß Aktienfonds mit Fokus auf Emerging Markets in diesem Jahr etwa 75,4 Mrd. Dollar an Zuflüssen verbuchen konnten. Andererseits aber wurden aus Aktienfonds mit Fokus auf Industrieländer per saldo etwa 83 Mrd. Dollar abgezogen. Allein für die USA ergab sich ein rekordhoher Nettoabfluß von 75,2 Mrd. Dollar. Weiteres Schlaglicht ist, daß gerade in Emerging Markets durch Börsengänge viel Kapital hinter dem Ofen hervorzulocken war. Das ist ein strategisch wichtiger Vorteil.

Das Jahr 2009 brachte einige markante Verschiebungen in den politischen Gewichten auf dem Globus. Dazu gehört zum einen, daß die Weltwirtschaft wohl wie nie zuvor auf das steile Wachstum von China angewiesen ist. China schaffte im dritten Quartal ein Wachstum von 8,9 %. Indien ist ebenfalls wachstumsstark (mit plus 7,9 % im dritten Quartal), ist aber vom Gewicht her nicht so relevant wie China. Brasilien kam relativ gut durch die Krise (voraussichtlich minus 2 % in der Wirtschaftsleistung), wird aber im kommenden Jahr möglicherweise schon wieder ein Wachstum von ca, 4 % oder auch noch mehr schaffen. Abgestraft ist hingegen Rußland mit einer Kontraktion in der Wirschaftsleistung von 8,9 % im dritten Quartal. Insofern verbieten sich für das Land allzu forsche Töne, was durchaus zu begrüßen ist. Aber auch die Schwäche von etablierten Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien dürften auf mittlere Sicht zu einer Verschiebung im europäischen Machtgefüge führen. Es erscheint schleierhaft, wie das kaum reformfähige Griechenland wieder auf Kurs kommen will ohne die Hilfe der Euro-Gemeinschaft, also besonders auch Deutschland. Doch wer zahlt, muß auch den Kurs mitbestimmen können. Anders wäre eine Stützung von angeschlagenen Euro-Kameraden politisch kaum vermittelbar. Auf mittlere Sicht hat Deutschland also eine echte Chance, in Europa politisch noch stärker zum Tragen zu kommen.

Fazit: Am Ende des Börsenjahres 2009 ist Dankbarkeit angebracht. Natürlich verbleiben viele Herausforderungen und die aufgebauten Verschuldungsberge vieler Länder werden die Märkte wohl noch länger zu beschäftigen haben und mit Sicherheit auch den einen oder anderen Kollateralschaden verursachen. Doch gelang es zunächst, das globale Finanzgefüge zu stabilisieren und den Banken für die Sanierung ihrer Bilanzen wertvolle Zeitpuffer zu verschaffen. Damit ist zumindest eine sinnvolle Grundlage gelegt, um nun weiter die Stellschrauben zu adjustieren und eine nachhaltige Basis für einen neuen Aufwärtszyklus im globalen Konjunkturtrend zu legen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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