Die Schwellenländerkrise stellt Nahrungsmittelhersteller vor zusätzliche Herausforderungen

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 05.03.2014
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Aktionärsbrief

2013 waren die Rahmenbedingungen für die global agierenden Branchenvertreter anspruchsvoll. Hatte man die Jahre zuvor genutzt und an dem dynamischen Wachstum partizipiert, waren aufgrund der Krise in den Emerging Markets im vergangenen Jahr nur Wachstumsraten unterhalb des langjährigen Durchschnitts realisierbar. Zudem kommt die konjunkturelle Erholung in Europa nur langsam auf Touren, was ein zusätzlicher Hemmschuh ist.


Bei den global agierenden Lebensmittelherstellern müssen deshalb nun Qualitäten in den Vordergrund gerückt werden, denen zuvor nur geringe Priorität beigemessen worden ist. So sollen beispielsweise ein effizienter Mitteleinsatz sowie der Vorstoß in neue, erfolgversprechende Geschäftsfelder die Ertragskraft steigern. Aber auch Innovationen und verstärktes Marketing müssen neue Wachstumsimpulse setzen.

Eine schnelle Erholung der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen ist vorerst nicht zu erwarten. In den Emerging Markets dürfte die größte Abwärtsdynamik zwar hinter uns liegen, aber mit einer raschen Gegenbewegung ist vorerst auch nicht zu rechnen. Was die Prognosen angeht, unterscheiden sich die einzelnen Unternehmen deutlich voneinander: Nestlé, Unilever und Kraft Foods rechnen erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte mit einer Wachstumsbeschleunigung. Nestlé erwartet für das gesamte Jahr 2014 ein organisches Wachstum von 5 % und eine weitere Steigerung der EBITMarge. Damit läge Nestlé zumindest 2014 am unteren Ende seiner selbst festgelegten langfristigen Wachstumsbandbreite von 5 bis 6 % p. a. Danone hingegen rechnet mit einem Umsatzplus von 4,5 % und 5,5 % und nimmt dabei stagnierende Margen in Kauf. Snackhersteller Mondelez dagegen hat vor allem den Ausbau von Marktanteilen im Sinn und gibt sich mit einem Umsatzplus von 4 % zufrieden. Unilever und Kraft Foods hingegen bleiben in ihrer Prognose vage. Beide streben ein überdurchschnittliches Wachstum sowie eine Margenausweitung an.

Das Segment „Gesundheit und Wellness“ könnte der Branche dringend notwendige Wachstumsimpulse geben. Laut einer Studie der Berenberg Bank wird dieses Segment schneller wachsen als das der herkömmlichen Lebensmittel. Bis 2017 soll der Marktanteil solcher Produkte von derzeit 18 % auf dann 21 % steigen. Dazu gehören auch Spezialprodukte für Menschen mit Laktoseintoleranz oder anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Auch Nahrungsergänzungsmittel und fett- oder zuckerreduzierte Lebensmittel gehören dazu.

NESTLÉ (A0Q 4DC; 66,60 CHF) hat diesen Trend erkannt und mit der Gründung des Geschäftsbereichs „Health Science“ Rechnung getragen. Mit der Akquisition von Galderma hat man sich bereits extern in diesem Bereich verstärkt. Nestlé kann die erforderlichen Mittel für externes Wachstum leicht stemmen. So stand 2013 ein opulenter Free Cashflow in Höhe von über 13 Mrd. CHF zur Verfügung, der zuletzt durch den Teilverkauf der Beteiligung an L‘Oréal zusätzlich gestärkt wurde.

DANONE (851 194; 51,20 €) ist ebenfalls im Bereich medizinische Nahrungsmittel vertreten, auch wenn der Umsatzanteil mit 6 % noch recht klein ist. Diesen Bereich zu stärken, würde eine Menge Geld erfordern. Deshalb kamen zuletzt auch Spekulationen auf, wonach sich Danone möglicherweise auch von diesem Bereich trennen könnte. Als möglicher Bieter wurde Fresenius gehandelt, aber auch Nestlé, Abbott oder Baxter könnten Interesse haben.

Auch Nutrition sowie Milchprodukte sind vielversprechende Wachstumsfelder. Hier haben Nestlé und Danone die Nase vorne und einen deutlichen Vorsprung vor den drei anderen großen Wettbewerbern. Nestlé hatte sich 2012 durch den Kauf von Wyeth Nutrition im Bereich Babymilchpulver deutlich verstärkt. Das hat sich 2013 in einem prozentual zweistelligen Wachstum auf dem wichtigen Milchpulvermarkt China niedergeschlagen. Nestlé konnte dabei von den Problemen profitieren, die Konkurrent Danone mit seinem Milchlieferant Fonterra hatte. Mittlerweile hat sich die Lage aber wieder stabilisiert, womit sich auch Danone in China wieder besser ins Spiel bringen dürfte. Auch, weil man sein Beteiligungspaket an dem einheimischen Milchproduzenten China Mengniu Dairy auf 9 % verdoppelt hat.

Auch das Thema Portfolio-Management muss von den Branchenvertretern verstärkt in Angriff genommen werden. UNILEVER (A0J MZB; 28,75 €) geht das Thema besonders dynamisch an, hatte aber bezüglich der Margenentwicklung in der Vergangenheit schon größere Erfolge. Zuletzt hatte das Nahrungsmittelgeschäft stagniert, was auf Rückgänge in den Bereichen Aufstriche und Erfrischungen zurückzuführen war. Mit Wachstum in den Bereichen Körperpflege und Reinigungsmittel konnte Unilever jedoch dagegenhalten. Nestlé hingegen durchleuchtet sein Portfolio dagegen mit einem ausgefeilten Analysewerkzeug. Die Trennung von den Marken „Jenny Craig“ und PowerBar“ sind erste Ergebnisse dieses Vorgehens. Zudem ist man bereit, unterdurchschnittliche Bereiche aus eigener Kraft zu stärken. Dabei stellt man jedoch die Anforderung, die Margen kurzfristig zu verbessern. Bei Kraft Foods/Mondelez stellt sich die Thematik dagegen nicht, da die Aufspaltung des früheren Kraft-Konzerns bereits ein umwälzendes Ergebnis einer Portfoliooptimierung ist. KRAFT FOODS (A1J 20U; 55,10 $) fehlen wegen der Konzentration auf das US-Geschäft die Wachstumsimpulse aus den Emerging Markets. Deshalb muss man innovativer sein, um seine Margen verteidigen oder sogar ausbauen zu können. Das umgekehrte Bild zeigt sich bei MONDELEZ (A1J 4U0; 33,80 $). Hier sorgt die geografi sche Diversifikation zwar für viele Wachstumsimpulse. Das ist aber mit einem größeren Kostenaufwand verbunden, was die Profitabilität hemmt. Fazit: Bezüglich der Bewertung gibt es kaum Unterschiede. Mondelez ist am teuersten, womit dem überdurchschnittlichen Wachstums- und Margenpotenzial Rechnung getragen wird.

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