Das unabhängige Börsenbriefportal
Dummy user 4cd198318f7ba865ddfc9be0ce721c477cd93e564a7cc290544f95b121ea2dae
Veröffentlicht von Stephan Heibel am 24.07.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.07.2009:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Die Schlachten im Internet

Unter der Lupe von Börsenbrief-Autor Stephan Heibel: CIT Group, Amazon, Ebay, Microsoft, Yahoo! und Google.

CIT VORLÄUFIG GERETTET

Na, das hätte ich nicht gedacht: In letzter Sekunde hat die US- Mittelstandsbank CIT Group eine Einigung mit ihren Anleiheeignern gefunden: Diese verzichten auf einen großen Teil ihrer Forderung und schießen sogar noch Geld nach. Hat die CIT Group, die ich vor einer Woche schon vor dem Insolvenzrichter sah, nochmals eine Rettungsleine zugeworfen bekommen?

Die Obama-Adminsitration hatte sich zuvor klar gegen eine Rettung mit Staatshilfen ausgesprochen: CIT sei nicht „zu groß“, um insolvent zu gehen. Eine Pleite der CIT Group hätte der Markt nach Ansicht von Tim Geithner und Ben Bernanke verkraften können.

So hat CIT es geschaffte, ohne Staatshilfe die Insolvenz abzuwenden ... oder vielleicht auch nur hinauszuschieben. Aber egal, der Markt funktioniert und es gibt Risikokapital für die noch vorhandenen Risiko-Banken mit zu viel Engagement im Bereich der Immobilienderivate.

Die Börse, die in meinen Augen am Wochenende zu kippen drohte, nahm diese Meldung euphorisch auf: Die Kurse stiegen und weitere Shorteindeckungen (Short Squeeze) wurden notwendig. So konnte die Rallye fortgesetzt werden.

In den folgenden Tagen konnten einige gute Quartalsergebnisse für anhaltend gute Laune auf dem Parkett sorgen. Abgesehen von Apple, die trotz Krise das beste Nicht-Weihnachtsquartal der Geschichte vermeldeten, gab es durch die Bank weg nur gute Ergebnis-Meldungen aufgrund von großen Kosteneinsparungen (Entlassungen!).


AMAZON GEGEN EBAY


Hier haben sie zwei Internet-Giganten, deren Geschäftsmodell immer wieder auf den Prüfstand gestellt wird. Amazon begann als Buchhändler mit dem Aufbau eines weltweit einzigartigen Logistik-Netzwerkes mit den günstigsten Lieferkosten und der kulantesten und zuverlässigsten Kaufabwicklung. Ebay begann als Online-Auktionshaus und war schon nach wenigen Jahren der unangefochtene Marktführer.

Weiteres Wachstum musste her (leider!): Beide Unternehmen stellten ihre Plattform anderen Einzelhändlern zur Verfügung.
Bei Ebay finden Sie heute mehr normale Verkaufsangebote als wirkliche Auktionen von gebrauchten Artikeln. Bei Amazon werden längstens nicht mehr nur Bücher verkauft, CDs, Elektronik Büromaterial und seit dieser Woche auch Schuhe werden angeboten.

Ebay hat als Vorteil jedoch nur die große Reichweite, um die Produkte an den Mann zu bringen. Preisroboter haben inzwischen jedoch aufgedeckt, dass es immer häufiger günstigere Anbieter der gleichen Produkte gibt, als bei Ebay. Somit stagniert das Wachstum der Auktionen und Verkäufe bei Ebay, aktuell geht es sogar zurück.

Amazon hingegen hat nicht nur die große Reichweite zu bieten, sondern darüber hinaus auch die reibungslose Abwicklung. Wenn Sie etwas über Amazon kaufen, dann wird Amazon Ihr Vertragspartner. Bei Ebay wird zwar eine neue Zahlungsmethode angeboten (Paypal) und darüber hinaus gibt es eine Reihe von Versicherungen, aber ihr Vertragspartner bleibt immer noch der Verkäufer.

So nimmt Amazon immer mehr Marktanteile von Ebay weg. Und Amazon entwickelt sich zu dem größten Online-Versandhaus der Welt. Quelle ist nicht Pleite gegangen, weil wir eine Wirtschaftskrise haben, sondern weil die Leute bei Amazon bessere Produktbeschreibungen finden, Kundenrezensionen und günstigere Lieferbedingungen.

Mit einem KGV von 56 ist Amazon bei weitem nicht günstig. Das Umsatzwachstum beträgt 18%, da wird es auch eine Weile dauern, bis das Bewertungsniveau in vernünftige Regionen wächst. Doch langfristig wird Amazon als Geschäftsmodell weiter Marktanteile erobern. Aktuell ist mir die Aktie zu teuer, daher würde ich trotz der Marktüberlegenheit nicht einsteigen.

Ebay hingegen muss künftig auf neue Geschäftsbereiche setzen:
Das Unternehmen besitzt noch Skype und möchte diesen Geschäftsbereich im kommenden Jahr an die Börse bringen.
Darüber hinaus entwickelt sich Ebay in meinen Augen durch den Zahlungsabwicklungsdienst Paypal immer mehr zu einem Finanzinstitut. Schon heute kommt das hauptsächliche Umsatzwachstum nur noch von Paypal.

Wenn Sie also in Ebay investieren, dann sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie einen Finanzdienstleister kaufen. Mit einem KGV von 16 ist Ebay dafür noch immer recht hoch bewertet, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Umsatz und Gewinn rückläufig sind.

Beide Unternehmen haben in meinen Augen ein Geschäftsmodell, mit dem sich in der Zukunft viel Geld verdienen lässt. Doch aktuell ist mir der Kurs zu hoch gelaufen: Beide Aktien haben seit März um über 100% zugelegt, allein in den vergangenen drei Wochen stiegen beide Aktien um über 20% an. Da würde ich mit dem Einstieg bessere Zeitpunkte abwarten.


MICROSOFT UND YAHOO! GEGEN GOOGLE


Microsoft hat gestern Abend seine Quartalszahlen bekannt gegeben. Mit einem Umsatzeinbruch von 29% ist das Unternehmen inzwischen ein vollständig zyklischer Wert geworden, der keinerlei Einfluss auf seine Umsatzentwicklung hat. 90% der weltweit betriebenen PCs laufen unter Windows, wo soll da noch „überdurchschnittliches“ Wachstum her kommen? Google (OS
Chrome) und Intel (Moblin) machen dem Unternehmen nun Konkurrenz beim Betriebssystem, Apple und Linux breiten sich immer weiter aus.

Wachstum kann für Microsoft nur noch im Internet zu finden sein. Doch dort ist Google übermächtig. Alleine hat Microsoft nicht mehr die Chance, Google bei seinen Suchergebnissen einzuholen. Bing, die neue Suchmaschine von Microsoft, hatte zwar zu Beginn recht gute Zuwachszahlen. Aber von Null aus ist das keine Kunst.

Es bleibt dabei: Microsoft braucht Yahoo!, um eine nennenswerte Internetplattform aufzubauen, die in Sachen Reichweite Google Konkurrenz machen kann. Doch die Übernahmeverhandlungen sind vor einem Jahr an Yahoo!-Chef Yang gescheitert, er wollte unter allen Umständen eigenständig bleiben.

Inzwischen ist Yang gegangen, das Geschäft von Yahoo! geht weiter zurück, so auch die Mitarbeiterzahl. Microsoft kann sich in meinen Augen nun wieder einmal um Yahoo! bemühen.

Yahoo! hat ebenfalls diese Woche sein Quartalsergebnis veröffentlicht. Der Gewinnanstieg war ebenfalls nur durch den Personalabbau erzielt worden. Der Umsatz ist rückläufig.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


Börsenbrief Heibel-Ticker
PDF
Kostenlose Leseprobe- Ausgabe als PDF
Jetzt downloaden

© Lettertest.de - Alle Rechte vorbehalten. Datenschutz Impressum Gütesiegel