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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 23.11.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 23.11.2011:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Die positiven Reaktionen der Anleihenmärkte auf die Regierungswechsel in Grie- chenland, Italien und Spanien bleiben aus

Das ist irritierend, weil inhaltlich die neuen Regierungen den aus Sicht der Anleihenmärkten richtigen Kurs anstreben. Durch massive Sparprogramme wird erst die Neuverschuldung und dann die Gesamtverschuldung reduziert. Dennoch flüchtet Kapital weiter aus diesen Ländern. Warum?

 

Die US-Investmentbanken warnen ganz offen, dass die neuen Regulierungen ihnen verbieten, Eurobonds zu kaufen. Jedenfalls in nennenswerten Volumen, womit der wohl strukturell bedeutendste Käufer für europäische Staatsanleihen in den letzten 10 Jahren wegfällt. Waren die US-Banken also die großen Treiber der Konvergenzspekulation? Wenn ja, dann werden die steigenden Renditen in Europa ein dauerhaftes Phänomen sein und auch Deutschland wird steigende Zinsen sehen. Der Bund Future wackelt bereits.

Können sich die europäischen Staaten bei den eigenen Kapitalsammelstellen selber finanzieren? Sowie die Käufe aus dem außereuropäischen Raum abflachen, müssen europäische Banken, Versicherungen und Kapitalsammelstellen diesen Kapitalabfluss kompensieren. Das europäische Sparvolumen reicht rechnerisch dafür aus. Es darf aber bezweifelt werden, dass die Europäer in der Lage sind, dauerhaft selbst das derzeit schon erhöhte Renditeniveau zu halten. Hinzu kommt:

Eine offensive Haltung der EZB als „Käufer letzter Gnaden im Anleihenmarkt“ macht nur Sinn, wenn es als Initialzündung andere Käufer mit in den Markt zieht. So lief das letztes Jahr in den USA und England. Wird die Aufnahmebereitschaft der EZB aber nur als Gelegenheit gesehen, seine Papiere abzustoßen, dann macht es tatsächlich keinen Sinn für die EZB, nun offensiv in den Markt zu gehen.

Das Dilemma der Anleihenmärkte ist damit längst nicht behoben. Es liegt nicht im Verschuldungsgrad an sich, sondern in der Blockadehaltung einzelner Marktteilnehmer, die dazu führt, dass der Anleihenmarkt nicht mehr normal funktioniert. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben und birgt Risiken für Unfälle, die vor zwei bis drei Monaten als eingedämmt galten. Aber: Solange die Politik Märkte als Gegner wertet, gibt es kein Vor und Zurück. Dabei sägen die Europäer buchstäblich am Ast, auf dem sie sitzen. Schließlich müssen die Kapitalmärkte den Refinanzierungsbedarf von Staaten künftig bedienen. Dazu braucht der Kapitalmarkt mehr Spielraum, als er derzeit von den Regulierungsbehörden bekommt.

Die Aktienmärkte sind davon ursächlich eigentlich nicht betroffen. Ob sie sich in ihrer Tendenz emanzipieren können, ist die entscheidende Frage für die kommenden Wochen und Monate. Trotz zu erwartenden weicheren Konjunkturdaten ist eine stabile Aktienmarkttendenz zumindest möglich, auch wenn es immer wieder negative Meldungen vom Anleihenmarkt gibt. Soweit die nüchterne Analyse. In der Realität spielt aber die Stimmung eine große Rolle und wir werden beobachten müssen, wie lange noch der Anleihenmarkt den Aktienmarkt stimmungsmäßig belastet. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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