Die Politiker treten derzeit in ein Fettnäpfchen nach dem anderen

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 22.06.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Kompromissfähigkeit ist in diesen Tagen ein Fremdwort für die Politik. Das gilt für Europa (Griechenland) genauso wie für die USA (Erweiterung der Schuldengrenze). Dabei sollten die Politiker wissen:


 

In der derzeitigen fragilen Konjunktursituation können politische Fehler durchaus weitreichende ökonomische Konsequenzen haben. Schließlich arbeitet sich der Markt mühsam aus seiner Vertrauenskrise der Jahre 2008 und 2009 heraus. Wie nun aus politischer Sicht mit den Märkten umgegangen wird, ist eigentlich unverantwortlich. Diese politischen Störfeuer treffen auf eine Abschwächung bei vielen wichtigen Frühindikatoren, insbesondere in den USA und den BRIC-Staaten. So hat sich der OECD-Frühindikator für China wieder spürbar verschlechtert und die zuletzt positive Tendenz wieder ins Gegenteil gedreht. Für Brasilien und Indien deutet sich sogar eine noch stärkere Abschwächung der Wirtschaftsdynamik an.

Damit steht auch die Prognose des IWF für die Weltwirtschaft unter Beobachtung. Bislang geht man davon aus, dass die Weltwirtschaft 2011 und 2012 um 4,3 bzw. 4,5 % wachsen wird. Wir zweifeln an, ob diese Schätzungen haltbar sein werden.

Deutschland steht in dieser Gemengelage noch am besten da. So hat der IWF seine Wachstumserwartung am Wochenende von 2,5 auf 3,2 % für 2011 hochgesetzt. Die globale Wachstumsdelle ist für Deutschland aufgrund der brummenden Binnenwirtschaft kaum spürbar (wir berichteten). Damit hat Deutschland erstmals seit 1989 erneut die Chance eines ökonomischen Alleinganges in Europa. Kurzfristig reicht das aber leider nicht für einen Alleingang des DAX.

In den Emerging Markets ist derzeit gar nichts zu verdienen. Das hat zum Teil auch hausgemachte Gründe. Beispiel Brasilien: Trotz Rekordgewinnen und langfristig sehr positiven Aussichten gehört der Bovespa zu den schlechtesten Indizes des Jahres. Brasilianische Konzerne haben Probleme mit dem Staat. Dieser mischt sich zunehmend in die Unternehmenspolitik ein. Petrobras hat sich bis heute nicht von der staatlich initiierten Kapitalerhöhung erholt. Indien kämpft mit einer ausufernden Inflation, was regelmäßig für Aufruhr in der Bevölkerung sorgt. Die Bremsmanöver der Notenbank dämpfen bislang zwar das Wachstum, aber noch nicht die Inflation. Der Sensex sieht weiterhin angeschlagen aus. In China steht die Notenbank auf der Bremse. Vier Mal hat sie in diesem Jahr die Zinsen erhöht, sieben Mal die Mindestreserve- Anforderungen, um Inflation und die Blase am Immobilienmarkt zu bekämpfen. Das deckelt die chinesischen Indizes.

Die Aktienmärkte preisen seit ca. sieben Wochen die konjunkturelle Delle sowie das politische Tohuwabohu ein. Seit Anfang Mai hat der DAX um etwa 5 % nachgegeben. Das ist kein Drama, aber eine Pause, die uns wohl noch über den Sommer beschäftigen wird.

Fazit: Im Nebel fahren wir auf Sichtweite. Anders geht es nicht. Neue Käufe stellen wir zunächst zurück, wenngleich wir auch nicht mit einem Kurseinbruch rechnen. 

 

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