Die Politik beginnt zu liefern

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 12.10.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Im Zuge dessen haben sich die globalen Aktienmärkte stabilisiert. Die Ereignisse in der vergangenen Woche deuten ein erstes Fundament an, auf denen die Märkte aufbauen können. Es geht um die umfassende Sicherung des eu- ropäischen Bankensystems. Das Ganze wird aus zwei Richtungen angestoßen, der Politik und der EZB. Im Einzelnen:


 

Eine Grundsatzentscheidung steht Ende Oktober an. Im Raume steht eine Kapitalspritze über 200 Mrd. € für alle europäischen Großbanken. Politik und IWF gehen dabei Hand in Hand. In den USA lief es 2008 ähnlich. Damals waren die Vertreter der größten Banken von der Regierung zusammengerufen worden und hatten sich, nicht ganz ohne Druck, bereit erklärt, Kapitalhilfen anzunehmen. So wurde der, damals wie heute, eingefrorene Interbankenhandel wieder in Gang gebracht.

Die EZB kommt zu Hilfe. Eine europäische Bankenpleite kann man für die nächsten 12 Monate ausschließen. Dafür sorgt die EZB. Sie flutet die Banken in dieser Zeit mit Liquidität. Dazu dienen sog. 12-Monatstender, bei denen sich die Banken mit Geld in beliebiger Höhe eindecken können.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen schnell umgesetzt werden? Die Einräumung langfristiger Kreditlinien durch die EZB beginnt bereits im Oktober. Aber: Die Umsetzung einer Rekapitalisierung der Banken benötigt Zeit, welche durch die Haltung der EZB auch vorhanden ist. So schnell und unkompliziert, wie es nach der Lehman-Pleite in den USA gelaufen ist, wird es diesmal nicht gehen. Die offenen, aber lösbaren Fragen sind:

1. Finden sich dafür genügend private Investoren? Und wenn ja für welchen Preis? Das Vertrauen in den Bankensektor ist derart erschüttert, dass Kapitalerhöhungen zu den aktuellen Kursen kaum machbar sind. Die Beteiligung privater Investoren würde zu erheblichen Verwässerungseffekten bei den Altaktionären führen. Oder:

2. Wird man die Banken mit staatlichen Geldern rekapitalisieren? Aufgrund der Verschuldungssituation sind dazu nur wenige europäische Staaten noch in der Lage. Diskutiert wird deshalb eine Zweckentfremdung des europäischen Rettungsschirmes (EFSF), der eigentlich dafür vorgesehen ist, die Anleihen hochverschuldeter Eurostaaten zu kaufen. Wird man sich für diesen Weg entscheiden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Rettungsschirm nochmals erhöht wird. Dann muss alles wieder mühsam durch die Parlamente gepeitscht werden.

Fazit: Die Situation entspannt sich. Das Wort Bankenkrise verliert ihren Schrecken. Allerdings muss die Politik in den nächsten zwei Wochen auch weiterhin beweisen, dass sie Einigkeit demonstrieren kann. Werden Banken statt Staaten gerettet, wäre der Spekulation über das Weiterbestehen des Euros schlagartig die Grundlage entzogen. 

 

Lettertest Newsletter

Gratis Probeabos, Rabatt Couponaktionen
Newsletter Umschlag