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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 25.08.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 25.08.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die Märkte sind der Realwirtschaft mal wieder vorweggelaufen.

Dies ist eine wichtige These, denn sie impliziert, dass ein guter Teil der anstehenden Konjunkturverlangsamung bereits in die Kurse eingearbeitet worden ist. Dazu passt die mitunter fast resignierte oder ängstliche Stimmung. Nach der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von BoA/Merrill Lynch stieg der Cash-Anteil in den Portfolios der Befragten (von 4,1 % im Juli) auf 5,2 % und lag damit in Sichtweite zum Dezember-Hoch des Jahres 2008, also zur Hoch-Zeit der Lehman-Krise.

 

„Geschüttet“ wurde besonders bei zyklischen Aktien. Somit nicht verwunderlich: Allein in den jüngsten ca. 4 Wochen wurden an den globalen Aktienmärkten etwa 8.000 Mrd. Dollar an Wert vernichtet. Hierin steckt nicht nur Verunsicherung und Angst, sondern wohl auch eine bewusste Absenkung der RisikoNiveaus in den jeweiligen Portfolios und auch eine Vorwegnahme von Verlangsamungen und entsprechender Anpassungen für die jeweiligen Perspektiven. Die konkreten Schätzungen der Analysten werden dem letztlich folgen, haben dann aber auch nur noch eine reduzierte negative Durchschlagskraft. Bezogen auf den DAX:

Die Konsensschätzungen für die Unternehmensgewinne im DAX (2011) liegen grob ein Viertel über dem langfristigen Trend im Zeitraum 1990 bis 2010. Ganz so stark dürften die Abwärtsrevisionen kaum werden, aber eine Korrektur um etwa 15 bis 20 % ist schon drin. Das hieße für 2011 einen „Gewinn je DAX“ von etwa 532 € bzw. ca. 609 € in 2012. Unterstellen wir ein solches Niveau als realistisch, hätte der DAX derzeit (inkl. einer massiven Kürzung der Schätzungen) eine Gewinnbewertung von etwa 10,4 per 2011 und 9,1 für das kommende Jahr. Dies ist im Kontext der Markt-Skalpierung von grob 2.000 Punkten oder etwa 27 % zu sehen. Für den DAX ergibt sich damit übrigens nüchtern betrachtet eine charttechnisch fast lupenreine 50 %-ige Korrektur auf den Anstieg seit März 2009.

Die grundsätzliche Annahme schwächerer Wachstumsraten am Markt ist realistisch. Dies ist ein ganz natürlicher Vorgang in einer Zeit des Deleveraging, also der Rückführung und Behandlung von Kredithebeln. Während dieser Prozess bei vielen Portfolios und auch Unternehmen sowie Privatanlegern bereits läuft oder gelaufen ist, steht das Deleveraging auf staatlicher Ebene noch aus und wird eine Zeit unsteter Wachstumsgrößen bringen. Bei zwei negativen Wachstumsquartalen in Folge wäre sogar nach der technischen Definition zwischendurch auch die eine oder andere Rezession drin. Für die Unternehmen bedeutet das ein anspruchsvolleres Umfeld, in dem aber mit angemessenem Biss und Kreativität gleichwohl strategische Erfolge möglich sind.

Aktienrückkäufe sind natürlich ein mögliches Instrument, um den Gewinn je Aktie zu stabilisieren und gegebenenfalls zu verbessern. Selbst bei gleichbleibenden absoluten Gewinngrößen kann dies dazu führen, dass Aktien sukzessiv preiswerter in der Gewinnbewertung werden. Doch bisher agierten Unternehmen häufig sehr prozyklisch mit Rückkäufen und spielten damit eher unzureichende Renditen ein. Insofern ist das eher Begleitmusik als ein wirklich sinnvolles Instrument. Spannender ist der aktuelle Trend zu Aufbzw. Abspaltungen. Bisher wurden weltweit im laufenden Jahr etwa 170 Spin-Offs angekündigt. Wert der abzuspaltenen Einheiten per Jahresmitte (ermittelt durch Dealogic): 82,3 Mrd. Dollar und damit mehr als doppelt so hoch wie im vorjährigen Vergleichszeitraum. Mit 170 angekündigten Deals lag die absolute Zahl sogar bereits über dem Ganzjahreswert von 2010. Es erscheint gut möglich, dass damit auch der Rekordwert des Jahres 2006 mit 230 Spin-Offs (lt. Bloomberg) geknackt wird. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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