Die Märkte können die amerikanische Einigung in der Schuldenkrise nicht positiv umsetzen

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 03.08.2011
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Aktionärsbrief

Das zeigten die letzten Tage deutlich. Die Ausgestaltung dieser Einigung ist zwar sachlich richtig, vermutlich sogar tragfähiger, als zuvor das Gros der Analysten erwartet hatte. Wie auch zuvor im Falle Griechenland kommt es nun darauf an, was die Märkte daraus machen. Eine gewichtige Rolle dabei spielen die Ratingagenturen.


 

Nach ersten Erkenntnissen wird eine Ratingabstufung nun unwahrscheinlicher. Darin liegt eigentlich das größte Risiko. Ein Verlust des AAA-Ratings wäre eine Katastrophe. Das bekämen Unternehmen und Finanzdienstleister zu spüren, die sich auf dem relativ obskuren, aber immens wichtigen Markt für sogenannte Repooder Pensionsgeschäfte kurzfristig refinanzieren. Dieser rund 4 Billionen Dollar große Markt ist eines der wichtigsten Schmiermittel des amerikanischen Finanzsystems und basiert auf dem AAA-Rating für US-Treasuries. Eine niedrigere Bonität würde die Refinanzierung erheblich verteuern und unter Umständen teilweise unmöglich machen. Die Gefahr eines neuen „LehmanEffektes“ wäre dann latent.

Tragfähige Lösung in Sicht. Der Kompromiss sieht vor, dass das Schuldenlimit von derzeit 14,3 Billionen Dollar um insgesamt 2,4 Billionen Dollar erhöht wird. Damit würden entsprechend der Forderung des Präsidenten vor 2013 keine weiteren Verhandlungen über den Kreditrahmen mehr nötig. Im Gegenzug zur Erhöhung des Schuldenlimits soll es längerfristige Einsparungen in einer Gesamthöhe von bis zu 2,8 Billionen Dollar geben. Dabei wird es dem Plan zufolge dann auch um Einschnitte im sozialen Netz und um eine Steuerreform gehen. Steuererhöhungen sind aber vom Tisch. Mit der deutlichen Anhebung des Schuldenlimits konnte man nicht unbedingt rechnen. Das kaschiert die etwas unter den Erwartungen liegenden Einsparungen. Damit kann man insgesamt leben.

Ein neuer Aufwärtstrend resultiert daraus aber nicht. Die Brandherde sind zunächst unter Kontrolle, aber sie lodern unter der Oberfläche (s. Italien S. 2) weiter. Die Verunsicherung bleibt. Kombiniert mit strikten Ausgabekürzungen der Staaten und der Hortung von Cash bei den Unternehmen, die sich fette Risikopuffer anlegen, um die Unabhängigkeit von den Banken zu forcieren, wird das der Konjunktur (zuletzt sehr schwacher ISM-Index) nicht zu Freudensprüngen verhelfen. Dazu kommen extreme Ungleichgewichte am Bondmarkt. Grund:

Zwanzig Staaten, vier Unternehmen und eine private Bank tragen noch ein AAARating. Die Auswahl erstklassiger Schuldner wird immer geringer. Das sorgt bei diesen durch hohe Kapitalzuflüsse für extrem niedrige Zinsen, die sogar unter der Inflationsrate liegen. Volkswirtschaftlich resultieren daraus besonders für den Finanzsektor nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten.

Fazit: Wir bleiben in abwartender Stellung, Sondersituationen ausgenommen. Gibt es in den Indizes neue Kaufsignale bzw. Breaks, wäre dies das Signal, dass die Märkte die Lösungen annehmen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. 

 

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