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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 12.05.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 12.05.2016:

Börsenbrief Aktionärsbrief
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Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Die jüngsten Daten zur Lebenserwartung bringen britische Lebensversicherer in den Fokus

Denn in England und Wales ist die Lebenserwartung erstmals seit 20 Jahren zurückgegangen. Die am 7. April veröffentlichten Statistiken des britischen Offi ce of National Statistics für 2015 waren eine faustdicke Überraschung. Die Sterblichkeit bei über 75-Jährigen ist aufgrund von Demenz und Alzheimer deutlich gestiegen. Zudem ist die Lebenserwartung für neugeborene Jungen um zwei Monate gesunken, während es für Mädchen sogar vier Monate sind. Die Lebenserwartung für über 65-jährige Männer und Frauen ist, für Lebensversicherer ungleich interessanter - sogar um vier Monate zurückgegangen. Auch im neuen Jahr scheint diese Entwicklung anzuhalten. Zumindest haben die ersten elf Wochen des Jahres 2016 keine Verbesserung ergeben.

Analysten vermuten in der jüngsten Entwicklung den Beginn einer nachhaltigen Trendumkehr. Bis 1970 hatte sich die Lebenserwartung in England und Wales kaum erhöht, danach gab es bis 2000 eine Phase des langsamen Anstiegs. Danach ging die Lebenserwartung sprunghaft nach oben, vor allem wegen weniger Herz-Kreislauf-Todesfälle. Ab 2010 setzte dann bis 2014 eine Seitwärtsbewegung ein. Per saldo hat sich die Lebenserwartung von über 65-jährigen Männern in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht: Zwischen 1972 und 2012 ist sie um über sechs Jahre auf rund 19 Jahre gestiegen.

Die nun veröffentlichten neuen Sterbestatistiken haben immense Auswirkungen auf britische Lebensversicherungsunternehmen. Denn diese haben bisher noch mit den Zahlen von 2013 und 2014 kalkuliert und in Erwartung nachhaltend sinkender Todesraten Reserven angehäuft, die angesichts der neuesten Entwicklung zu hoch sind und verringert werden können. Das wird die Gewinne der Lebensversicherer nach oben treiben. Die zur Royal Bank of Canada gehörende Investmentbank RBC Capital hat nun im Rahmen einer Studie untersucht, welche Unternehmen am meisten und welche am wenigsten von der Entwicklung profi tieren.

• Eindeutiger Favorit ist die JRP GROUP (A1W 8J6; 137,00 pence). Das Unternehmen ist gerade erst aus der Fusion zwischen der Just Retirement Group und der Partnership Assurance Group entstanden. RBC Capital erwartet für das Unternehmen einen Gewinnzuwachs von 13,9 % pro Jahr allein aufgrund der jüngsten Sterblichkeitsentwicklung. Deshalb stufen die Analysten das Papier nun als „Outperformer“ ein und taxieren das Kursziel auf 200 pence. Auf Basis des aktuellen Kurses entspräche das einem Potenzial von 46 %. Gewinntreiber werden aber auch Kostensynergien sein, die wegen der Fusion entstehen. Die Aktie ist aber im Branchenvergleich mit einem KGV von über 12 verhältnismäßig teuer, während die Dividendenrendite mit 2,4 % eher unterdurchschnittlich ausfällt.

• LEGAL & GENERAL (851 584; 218,60 pence) dürfte der zweitgrößte Profiteur der jüngsten Entwicklung sein. Hier rechnen die Analysten mit einem Gewinnzuwachs von 8,4% pro Jahr. Die Aktie wird ebenfalls als Outperformer eingestuft. Das Kursziel liegt bei 300
pence. Das entspricht einem Potential von 37 %. Zudem ist das Papier im Branchenvergleich mit einem KGV von etwas über 10 recht günstig. Darüber hinaus winkt eine höchst attraktive Dividendenrendite von 6,6 %.

• Am wenigsten dürfte AVIVA (854 013; 426,13 pence) profitieren. Das Unternehmen ist immerhin nach Axa, Allianz, ING Group und Fortis der fünftgrößte Versicherungskonzern der Welt. Allerdings rechnen die Analysten hier lediglich mit einem Gewinnzuwachs von 8,4
% im Jahr. Nicht nur, dass Aviva unterproportional von der rückläufigen Lebenserwartung profitiert, sondern auch in Kontinentaleuropa sieht man kurzfristig kaum Wachstumschancen. Genau da hatte Aviva aber vor der Finanzkrise stark expandiert. Das Kursziel sehen die RBCCapital-Analysten bei 480 pence. Einschätzung: „Underperform“.

• Auch STANDARD LIFE (A14 MSY; 322 pence) gehört nicht zu den Favoriten. Zwar ist das Risiko einer Kapitalerhöhung wegen Solvency II bei Standard Life am niedrigsten, aber die Aktie ist laut RBC Capital schon hoch bewertet. Das KGV liegt bei rund 12. Attraktiv ist dagegen die Dividendenrendite von 6,2 %. Das Kursziel wird bei 320 pence angesetzt, also auf dem Niveau des aktuellen Börsenkurses.

Auch bei PRUDENTIAL (852 069; 1.310 pence) dürfte der Kurs nicht in den Himmel wachsen. Gemäß der RBC-Capital-Studie sieht man hier zwar viel Potenzial in Asien, aber auf der anderen Seite dürften dort auch die Margen unter Druck geraten. Die Bewertung liegt mit einem KGV von gut 11 im Mittelfeld. Dividendenrendite: 3,3 %. Einschätzung: „Sector Perform“. Kursziel: 1.470 pence.

Fazit: Anleger sollten vor allem auf JRP GROUP setzen, weil hier der gewinntreibende Effekt am größten ausfallen wird. Wer es etwas konservativer mag, sollte hingegen LEGAL & GENERAL bevorzugen. Zwar fällt hier der Gewinnturbo nicht ganz so groß aus wie bei JRP, aber das Risiko von Kursrücksetzern ist wegen der geringeren Bewertung niedriger. Zudem sichert die höhere Dividendenrendite den Kurs stärker nach unten ab.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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